Vertragsverlängerung beim KSV Hessen Kassel

Steffen Friedrich im Interview: „Bin froh über den Rückhalt“

Kassel. Das passiert einem Fußballer auch nicht alle Tage: Steffen Friedrich hat gleich zwei Verträge beim Fußball-Regionallisten KSV Hessen unterschrieben.

Einen für eine weitere Saison als Innenverteidiger. Den zweiten als Teammanager. Denn das ist die neue Rolle, die der 22-Jährige vorerst übernehmen wird. Auch das passiert einem Fußballer nicht alle Tage. Bis seine komplizierte Herzmuskelerkrankung auskuriert ist, kann er offiziell eine andere Aufgabe im Verein übernehmen. Im Interview spricht Friedrich über die neue Rolle.

Herr Friedrich, die wichtigste Frage vorab: Wie geht es Ihnen?

Steffen Friedrich: Momentan gut. Ich kann den Alltag mit Medikamenten problemlos meistern. Spazieren gehen ist okay, aber Sport getrieben habe ich seit dem 1. Dezember nicht mehr. Mein ständiger Begleiter, 24 Stunden am Tag, ist eine Defibrilatorweste als Schutz. Da muss ich nur hin und wieder die Batterien wechseln.

Wie muss man sich die vorstellen?

Friedrich: Wie eine kleine Tasche, die Männer sich über die Schulter hängen. Im Alltag spüre ich sie gar nicht mehr. Die kann ich aber bald ablegen. Denn ich bekomme bald einen Defibrillator unter die Haut implantiert. Der schützt mich dann, während die Entzündung weiter abheilen kann. Wie lange das noch dauern wird, weiß ich derzeit aber noch nicht.

Wie genau lautet denn eigentlich Ihre Diagnose?

Friedrich: Nach vielen Untersuchungen haben die Ärzte im Februar herausgefunden, dass ich eine infektiöse Viruserkrankung des Herzmuskels habe. Die ist wahrscheinlich der Auslöser für die Herzrhythmusstörungen, die zuletzt beim Spiel in Offenbach Anfang April aufgetreten sind.

Und nun sind Sie plötzlich Teammanager der Löwen. Wie kam es dazu?

Friedrich: Der Verein ist schon auf mich zugekommen, als sportlich alles noch in den Sternen stand. Unser Trainer Tobias Cramer hatte einen großen Anteil an der Vertragsverlängerung. Er hat sich sehr für mich eingesetzt. Ich habe mich sehr darüber gefreut und bin froh, dass mir der Verein so den Rücken gestärkt hat. Dass es nun eine Doppelfunktion geworden ist, ist umso schöner. Denn ich bin dem Verein sehr verbunden und hätte, wenn der KSV nicht auf mich zugekommen wäre, von mir aus das Angebot gemacht, eine Aufgabe bei den Löwen zu übernehmen. Denn so einfach verabschieden nach dem Ende meines letzten Vertrags wollte ich mich nicht. Ich hatte am Donnerstag übrigens meinen ersten Tag.

Was war denn Ihre erste Aufgabe?

Friedrich: Erstmal habe ich mich überall vorgestellt. Es waren tolle Reaktionen: Jeder hat mir gesagt: Schön, dass du im Verein bleibst. Inhaltlich steht erstmal die Organisation von Auswärtsfahrten und Bussen auf dem Programm. Außerdem bin ich für die Vernetzung von Team, Trainer, Geschäftsstelle und Vorstand zuständig. Ich möchte auf jeden Fall möglichst viel Zeit auf dem Trainingsgelände verbringen. Wie zeitintensiv meine neue Aufgabe sein wird, hängt auch davon ab, was meine Gesundheit zulässt. Es ist aber auf jeden Fall der erste Schritt zurück in den Fußball.

Wie sehr hat die Krankengeschichte Ihr Studium beeinflusst? Sie studieren an der Universität Kassel im vierten Semester Sport, Politik und Wirtschaft auf Lehramt.

Friedrich: Im vergangenen Semester bin ich schon eingeschränkt gewesen, auch durch meine Krankenhausaufenthalte. Das Studium war deshalb auch eher Nebensache. Ich möchte es auf jeden Fall fortsetzen. Denn es gibt auch bestimmt Lehrer mit Defibrilator. Aber das wird die Zukunft zeigen.

Gibt es denn schon einen Plan, wann der Fußballer Friedrich zurückkehrt?

Friedrich: Nein, auch da werde ich alles auf mich zukommen lassen. Ich werde es probieren, aber mein Leben nicht noch einmal auf die Probe stellen. Das Wichtigste ist, möglichst schnell gesund zu werden. Und sportlich dann irgendwann möglichst viel zum Erfolg beizutragen. 

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Rubriklistenbild: © Hedler

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