TV-Kritik: Sport 1 punktet auf ganzer Linie

Top-Quote: 520.000 sahen KSV-Spiel im Fernsehen

Experte bei Sport 1: Ex-KSVer Lothar Sippel. Foto:  Fischer

Kassel. „Willkommen im Auestadion. Und das liegt nicht etwa in Aue, sondern in Kassel.“ So beginnt sie, die Fernsehübertragung vom Regionalligaspiel des KSV Hessen gegen Waldhof Mannheim.

Die Worte von Sport1-Moderator Martin Quast machen sofort deutlich: Es wird ein launiger, ein unterhaltsamer Abend, an dem sich der Sender auf die vierte Liga einlässt, vor allem aber auf Geschichten und Marotten abseits des sportlichen Geschehens.

Als Experte fungiert Lothar Sippel, Ex-KSVer aus der Zeit von 1985 bis 1989. Er nimmt sofort die lockere Moderation auf, erzählt, dass die Bremse oberhalb seiner Lippe längst weg ist, und dass er in seiner Dortmunder Zeit einen Frauenfanclub hatte. Dann blättert er gemeinsam mit Quast in einem Ordner alter Zeitungsartikel, die sein Vater gesammelt hat. Fotos von Saunabesuchen des KSV, von glorreichen Löwen-Trainern wie Lorenz-Günther Köstner und Jörg Berger - schon jetzt geht das Sendekonzept voll auf.

Und dann kommt Jörg Dahlmann. Der Kommentator. Der die Löwen aufgrund ihrer sportlichen Vergangenheit als Pechmariechen des deutschen Fußballs bezeichnet und sofort mal den Unterschied zwischen Kasselaner, Kasseler und Kasseläner erklärt. Damit punktet er. Richtig unterhaltsam wird es immer, wenn sich Dahlmann über die KSV-Spieler auslässt. „Maximilian Sauer sieht aus wie Marco Reus, ist er aber nicht“, oder „Tobias Becker, Spitzname Becks, kann nichts aus der Ruhe bringen“, oder auch „Stefan Müller heißt nur Stemü, fällt im Bus mit riesengroßen Kopfhörern auf und blockiert vor den Spielen länger die Toilette.“

Dahlmanns Informant ist Bobo Mayer, wie er zuvor schon im HNA-Interview verraten hat. Ob das allen so gefällt? Gerade die Mannschaft ist sonst stets darauf bedacht, dass keine Interna nach außen dringen, sie igelt sich förmlich ein. Dass Dahlmann mal eine Gelbe Karte falsch zuordnet oder Spieler verwechselt, fällt kaum ins Gewicht. Er sieht dafür Details: „Jetzt schickt Jörn Großkopf seinen Co-Trainer los, weil die Auswechselspieler nur so rumstehen. Die bekommen nun einen Einlauf. Und siehe da, jetzt hopsen und hüpfen sie wieder.“

Für Moderator Quast stehen während des Spiels die Ex-Trainer und -spieler Matthias Hamann und Holger Brück Rede und Antwort. Zwei Interviews auf der Tribüne, mitten unter den Fans – das Fernsehen ist am Montagabend ganz nah dran an der Regionalliga. Im Auestadion von Kassel.

• Im Schnitt sahen die Partie 340 000 Zuschauer, in der Spitze 520.000 und damit im vierten übertragenen Spiel erstmals über eine halbe Million. Das entspricht einem Marktanteil von 1,8 Prozent.

Von Torsten Kohlhaase

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