Finanzvorstand gibt kein Saisonziel aus

Neuer Aufsichtsrat beim KSV: Mitglieder sahen sich ihrer Wahlfreiheit beraubt

Kassel. Während der Jahreshauptversammlung des Fußball-Regionalligisten KSV Hessen Kassel ging es mitunter heiß her. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Warum wurde es teilweise turbulent? 

Das hatte mit dem Vorschlag des Wahlausschusses zu tun, nur fünf Kandidaten für den Aufsichtsrat zu benennen - für fünf Posten. Dabei hätte das Gremium, bestehend aus Adolf Hildebrandt, Holger Brück und Holger Günther auch sechs Bewerber für eben fünf Posten vorschlagen können. Einige Mitglieder sahen sich so einer Wahlfreiheit beraubt, ein Mitglied sprach von "Diktatur" und davon, dass es die SED früher in der DDR auch so gemacht habe. Die Stimmung heizte sich auf, schließlich wurde dann aber doch abgestimmt.

Wer wurde in den Aufsichtsrat gewählt? 

Frank Greizer, der wohl auch neuer Vorsitzender wird, Matthias Hartmann und Dr. Frank Walter wurden wiedergewählt. Albrecht Striegel und Jens Lüdecke gehören dem Gremium dagegen neu an. Der 45 Jahre alte Striegel ist ein alter Bekannter beim KSV. Er war von 2008 bis 2011 im Vorstand, trat dann im Zuge einer unglücklichen Aussage über KSV-Rekordtorschütze Thorsten Bauer zurück. Striegel sagte nun: "Ich war danach nicht richtig weg, sondern weiter mit Herzblut dabei." Er soll die juristische Kompetenz im Verein stärken. Der 50 Jahre alte Lüdecke dagegen ist neu in der Verantwortung bei den Löwen. Der Espenauer betreibt ein Ingenieurbüro und hat nach eigenen Angaben 20 Sekunden gebraucht, um die Frage zu beantworten, ob er als Kandidat für den Aufsichtsrat zur Verfügung stehe.

Wer ist nicht mehr im Aufsichtsrat?

Der bisherige Vorsitzende Wolfgang Linnenbrink schied aus persönlichen Gründen aus. Matthias Uffelmann wurde vom Wahlausschuss nicht mehr vorgeschlagen. Auch wenn der Name Uffelmann nicht fiel, löste seine Nicht-Nennung die heftigen Diskussionen aus: Uffelmann war der Vertreter der Fans im Aufsichtsrat. Gut möglich, dass er nun aber nachträglich noch berufen wird. Diese Möglichkeit sieht die Satzung vor. So zählt zu dem Gremium neben den gewählten Mitgliedern derzeit auch der von Hauptsponsor VW entsandte Dr. Michael Lacher. Somit hat der Aufsichtsrat aktuell sechs Mitglieder, sieben dürfen es maximal sein. Für Uffelmann wäre also noch Platz. Der Wahlausschuss hatte allerdings den Gedanken, eine Posten freizuhalten - für den Fall, dass sich in absehbarer Zeit ein schwergewichtiger Sponsor findet.

Gab es sonst noch Aufreger während der Versammlung? 

Zwei. Zum einen mussten die Verantwortlichen eingestehen, dass sie für das letzte Kalenderjahr keinen Wirtschaftsprüfer engagiert hatten - entgegen der Satzung. Das stieß mitunter auf Unverständnis. Der scheidende Aufsichtsratsvorsitzende Wolfgang Linnenbrink entschuldigte sich für das Versäumnis. Er und seine Kollegen begründeten den Schritt damit, dass der Verein Geld sparen wollte. Nichtsdestotrotz wurden Aufsichtsrat und Vorstand entlastet. Zudem sorgte Hans Knese für Aufsehen. Er sollte ein Kandidat für den neuen Wahlausschuss sein, verkündete aber kurz vor der Wahl, dass er eine Wahl nicht annehmen würde. Er meinte, die Versammlung habe gezeigt, dass die Arbeit dieses Gremiums eine Farce sei. Wer in welche Position komme, sei von anderen programmiert.

Wie steht es um die Finanzen?

Allgemeine Antwort der Verantwortlichen: "Wir sind auf einem guten Weg." Der Weg heißt Konsolidierung. Allerdings: Der Schuldenberg hat sich im Kalenderjahr 2014 nicht wesentlich verringert, er beträgt annähernd 950.000 Euro. Finanzvorstand Dirk Lassen verweist aber darauf, dass die Vermögenswerte des Vereins leicht über den Verbindlichkeiten liegen. 2014 erwirtschaftete der Klub laut Lassen einen kleinen Überschuss von annähernd 12.000 Euro, was weniger auf Zuschauereinnahmen aus den Heimspielen als vielmehr auf Spenden zurückzuführen sei. Vor allem der ehemalige KSV-Boss Jens Rose soll sich erneut sehr großzügig gezeigt haben.

Gab es auch eine positive Nachricht?

Zumindest andeutungsweise. Vorstandsvorsitzender Hans-Jochem Weikert sagte, dass der KSV womöglich das Saisoneröffnungsspiel der Regionalliga Südwest am 31. Juli bestreitet - und zwar im Auestadion gegen Kickers Offenbach. Fest steht das aber noch nicht, auch wenn die Wahrscheinlichkeit hoch ist. Damit würden die Löwen einem heißen Sommen entgegenblicken: Testspiele gegen Paderborn und den Hamburger SV, Saisonauftakt gegen Offenbach - und dann das Pokalspiel gegen Hannover. Auch das lässt die Klubverantwontwortlichen optimistisch stimmen, dass es finanziell bergauf geht.

Was waren sonst die Hauptaussagen?

Finanzvorstand Dirk Lassen machte klar, dass es noch kein Saisonziel gebe. Diesbezüglich werde noch abgewartet, ob sich auch auf dem Transfermarkt noch etwas tut. Jugendkoordinator Karl-Heiz Wolf verwies auf die mittlerweile gute Infrastruktur, stellte aber auch klar, dass sich der Abstand zwischen U23 und Regionalligateam verringern müsse: "Wir müssen jedes Jahr ein, zwei, drei Spieler anbieten für oben."

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