Lange Pause für das Opfer

Das brutale Foul des Mainzers Rodriguez und die Folgen

Bitterer Moment: Augsburgs Dominik Kohr wird nach dem Foul des Mainzers José Rodriguez verletzt vom Platz getragen. Foto: dpa

Kassel. In der Regel stehen nach einem Spieltag der Fußball-Bundesliga spektakuläre Tore im Mittelpunkt. Oder Krisen. Nach dem dritten Spieltag ist das anders.

Das große Thema ist ein übles Foul. Die Aufregung ist groß, nachdem der eingewechselte Mainzer José Rodriguez am Sonntag in der Nachspielzeit den Augsburger Dominik Kohr äußerst brutal von den Beinen geholt hatte – beim Stande von 3:1 für die eigene Mannschaft. Die Folgen und ein Blick zurück.

DER GEFOULTE

Der 22-jährige Kohr zog sich bei dem Tritt ein Weichteiltrauma mit tiefer, offener und etwa 14 Zentimeter großer Wunde am freiliegenden Unterschenkelknochen zu. Er wurde am Sonntag noch operiert. Immerhin: Der Mittelfeldspieler erlitt keine Knochenbrüche. Allerdings fällt er auch so wochenlang aus. Ein Zitat von ihm ist schon übermittelt. Kohr sagte: „Ich hoffe, dass ich so schnell wie möglich wieder fit werde.“

DER FOULENDE 

José Rodriguez

José Rodriguez entschuldigte sich gestern via Internet-Eintrag. „Dass Dominik sich verletzt hat, tut mir unendlich leid“, erklärte der Mainzer Neuzugang, der im Sommer für 2,2 Millionen Euro von Galatasaray Istanbul gekommen war und gegen Augsburg seine ersten Bundesligaminuten bestritt.

Nun muss er erst einmal büßen. Der Verein verhängte eine Geldstrafe und machte damit noch einmal deutlich, dass er solch ein Verhalten eines Spielers nicht duldet. Zudem wird Rodriguez nach seiner Roten Karte natürlich gesperrt. Wie lange die Zwangspause dauern wird, stand gestern noch nicht fest. Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes traf bisher keine Entscheidung.

Chefankläger Anton Nachrainer erklärte gegenüber dem Fernsehsender Sport 1, dass an Rodriguez kein Exempel statuiert werde. Eine Rekordstrafe von mehreren Monaten wird es daher nicht geben. Nachrainer sagte: „Diese Fouls sind alle Wahnsinn, aber leider auch nicht so ganz unproblematisch, weil wir bei Berufsfußballern auch über Eingriffe in die Berufsfreiheit reden.“

DIE REAKTIONEN 

In den Medien ist die Szene großes Thema. Vom Brutalo-Foul ist die Rede, vom Horror. Augsburgs Manager Stefan Reuter äußerte, was alle wünschten: „Wir drücken Dominik alle Daumen, dass der Heilungsprozess so gut und so schnell wie möglich verläuft.“

Die Augsburger Spieler waren nach der Aktion aufgebracht: „Das ist unfassbar“, erklärte Kapitän Paul Verhaegh. „Mit so einer Aktion gefährdest du die Karriere von einem Spieler.“ Torwart Marwin Hitz, der aus seinem Tor gestürmt war, äußerte erbost: „Wenn man das Bein sieht, wenn man das Blut sieht, kann man nicht ruhig bleiben.“

DIE ERINNERUNG 

Brutale Fouls in der Fußball-Bundesliga? Da erinnert sich fast jeder an den aufgeschlitzten Oberschenkel des Bielefelders Ewald Lienen in der Saison 1981/82. Heute unfassbar: Bremens Norbert Siegmann kam als Übeltäter damals fast ohne Strafe davon. Schiedsrichter Mardadus Luca zeigte ihm nur die Gelbe Karte. (mit dpa)

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