„Finale wäre Traum“

Leichtathlet aus Treysa bei Olympia: Orth kritisiert Verband

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Daumen hoch für Rio: Florian Orth ist gestern gut im Olympischen Dorf angekommen. Im Hintergrund links: Die Unterkunft der deutschen Athleten.

Kassel. Er ist am Donnerstag in Rio de Janeiro gelandet: Der aus Treysa stammende Florian Orth spricht im Interview über Vorfreude und ein wenig Ärger rund um Olympia.

Am Mittwoch steht sein Vorlauf über 5000 Meter auf dem Programm.

Herr Orth, mit welchen Gefühlen im Gepäck sind Sie nach Rio geflogen? 

Orth: Mit gemischten. Natürlich freue ich mich auf die Teilnahme. Andererseits bin ich nach allem, was ich über das Olympische Dorf gehört habe, gespannt, was ich dort vorfinde. Es ist mein erster Einsatz bei einer ganz großen Meisterschaft. Alles wird riesig und neu sein. Ich hoffe, dass ich mich vom Olympischen Feuer anstecken lasse und in meinem Lauf möglichst die beste Leistung abrufen kann. Das Finale zu erreichen, wäre mein Traum.

Ihre Lebensgefährtin Maren Kock ist kurzfristig gestrichen worden. Wie haben Sie das erlebt? 

Orth: Das Hin- und Her war sehr ärgerlich. Sie hatte die Norm nicht. Dann gab es ein Hintertürchen über Quotenplätze. Aber dieser Quotenplatz ist vom Weltverband nicht bestätigt worden und sie wurde wieder ausgeladen. Das war eine wahnsinnige Achterbahnfahrt. Aber das ist der Sport, der manchmal eben grausame Geschichten schreiben kann. Es ist auch von Verbandsseite aus unglücklich gelaufen. Die Leidtragenden sind wir Sportler. Wir sind keine Nummern, sondern Menschen. Das wünscht man keinem, Nominierung ja, Nominierung nein. Zumal Olympische Spiele auch etwas Besonderes sind und nur alle vier Jahre stattfinden.

Immerhin sind Sie früher angereist als die anderen Leichtathleten. 

Orth: Das ist dem Hin und Her um Maren geschuldet. Ich hatte meine Reisepläne ändern lassen. Wenn ich wie alle anderen Leichtathleten vier Tage vor meinem Wettkampf angereist wäre, hätte ich Marens Lauf aus der Ferne gesehen oder hätte im Flugzeug gesessen. Diese knappe Anreise finde ich auch schade. Sie sagen, es reicht von der Anpassung. Ich sage, man kann auch die Athleten selbst entscheiden lassen, was sie für Erfahrungen haben. Ein wenig werden wir so auch um den Moment der Olympischen Spiele gebracht. Klar, sagen sie, man soll nicht so lange im Olympischen Dorf bleiben. Das wäre ein Partydorf und nicht wirklich der Leistung zuträglich. Klar, das sehe ich auch so. Aber andererseits sind es eben auch Olympische Spiele, und die sind einmalig. Ich habe mich schon geärgert, dass ich mir die Eröffnungsfeier meiner Olympischen Spiele im Fernsehen hätte angucken müssen – ich habe mir tags drauf die Aufzeichnung in der Mediathek angeschaut. Trotzdem ist es ja das, was auch die Olympischen Spiele ausmacht: Eröffnungsfeier, Einmarsch, andere Sportarten zu sehen und kennenzulernen. Ich kann mich nun einen Tick besser einleben und ein bisschen mehr mitnehmen von Olympia.

Das heißt, Sie hätten sich vom DLV ein anderes Entgegenkommen gewünscht? 

Orth: Ja, es wurde gesagt, dass die Anreise in Abstimmung von Trainern und medizinischer Abteilung erfolgt ist. Aber dann fragt doch trotzdem mal die Athleten, was die möchten. Es geht ja nicht darum, als Tourist nach Rio zu reisen.

Trübt das Hickhack im Vorfeld Ihre Vorfreude?

Orth: Nein, dadurch sollte man sich jetzt nicht betrüben lassen, sondern seine Zeit genießen. Ein Lauf bei Olympischen Spielen in einem Olympia-Stadion, darauf freue ich mich am meisten. Die Rückreise ist für den Montag nach der Schlussfeier geplant. Ich hoffe nicht, dass der Verband auf die Idee kommt, mir zu sagen, dass, wenn ich im Vorlauf rausfliege, zwei Tage später zurückfliegen muss und ich dann die Schlussfeier verpasse. Dann werde ich wirklich knatschig.

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