Bad Hersfelderin betreut das Team Tinkoff bei der Tour de France

In Aktion: Während der Rennen reicht Linda Hohtanz den Fahrern ihres Teams Verpflegung.

Bad Hersfeld. Ein böser Sturz, seine Spätfolgen – und auf einen Schlag war der Traum von der Radsportkarriere dahin. Was damals zu Krokodilstränen führte, war aus heutiger Sicht eine große Chance.

„Im Nachhinein bin ich froh, dass es so kam“, sagt Linda Hohtanz sieben Jahre später. „Vorher hatte ich immer diesen Tunnelblick, aber eigentlich hat man als Frau im Radsport wenig Perspektive.“

Anstatt selbst als Fahrerin im Sattel zu sitzen, begleitet die Wahl-Hersfelderin nun eines der weltweit besten Radsport-Teams. Gerade ist sie bei der heute startenden Tour de France dabei, dem wichtigsten Etappenrennen auf der Welt.

Rundum-Betreuerin

160 Tage im Jahr ist die 27-Jährige für das Team Tinkoff im Einsatz, hat in diesem Jahr schon zahlreiche Rennen in ganz Europa, darunter beispielsweise auch den großen Giro d’Italia erlebt. Die ausgebildete Physiotherapeutin ist ein sogenannter „Soigneur“. Zu ihren Aufgaben zählen neben der Arbeit im Physio-Bereich auch das Vorbereiten von Snacks und Trinkflaschen, das Waschen der Wäsche oder die Betreuung der Fahrer rund um die Rennen. Drei bis vier solcher Betreuer stehen bei einer Rennveranstaltung parat und kümmern sich gemeinsam um sechs bis acht Fahrer.

Zu der Stelle gekommen ist Hohtanz mehr aus Zufall. „Mein Vertrag bei meinem alten Team ist Ende 2015 ausgelaufen und weil Tinkoff noch eine weibliche Besetzung gesucht hat und ich jemanden im Team kannte, haben sie mich spontan gefragt“, erzählt sie. Kurz vor Weihnachten habe dann in Luxemburg ein Bewerbungsgespräch stattgefunden und zack – ab Januar hatte sie einen neuen Job.

Wie unglaublich diese ganze Geschichte für sie selbst manchmal noch ist, versucht die 27-Jährige erst gar nicht zu verbergen. Und wenn sie von der Freundlichkeit und Aufgeschlossenheit im Team oder vom Gruppengefühl und gemeinsamen Siegesabenden schwärmt, entdeckt man wirklich das berühmte Flackern in den Augen. „Im Dezember musste ich spontan entscheiden: Mach‘ ich das jetzt oder nicht?“, erinnert sie sich. „Ich bin so froh, dass ich es gemacht habe. Ich glaube besser als das was ich jetzt habe, geht es gar nicht.“

Entsprechend wenig Wehmut schwingt mit, wenn sie erzählt, dass sie für die neue Stelle ihr Lehramt-Studium schmeißen musste. Vollzeitjob und Uni seien zusammen nicht machbar, dafür habe sie inzwischen ein Fernstudium im Fach Sportbusinessmanagement begonnen, berichtet sie. Geht es nach ihr, bleibt sie auch künftig dem Radsport treu. Während der Studienzeit würde sie gern in der Branche Fuß fassen, vorstellen könnte sie sich zum Beispiel die Arbeit im Sponsorenmanagement.

Bevor es soweit ist, will sie die Zeit inmitten des Teams allerdings so gut es geht genießen – auch wenn die mitunter sehr stressig ist. Erholung sucht sie entsprechend während ihrer Heimatbesuche. „Ich verbringe dann viel Zeit mit meinem Freund und meinem Hund und versuche zu entspannen“, sagt sie und lacht: „Ich führe hier dann einfach ein normales Leben.“

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