Superbanner

Interview mit Biathlon-Olympiasiegerin Magdalena Neuner

Interview mit Biathlon-Olympiasiegerin Magdalena Neuner

Olympiastar Magdalena Neuner in Kassel: „Habe gelernt, Nein zu sagen“

    • recommendbutton_count100
    • 9
    • 0

Kassel. Am Wochenende gastierte Biathlon-Olympiasiegerin Magdalena bei einer Veranstaltung ihres Sponsors Holz Jordan in Kassel. Am Rande sprachen wir mit ihr über Motivation und Zukunft.

Frau Neuner, freut es Sie eigentlich, dass der FC Bayern München Deutscher Fußball-Meister geworden ist?

Neuner: Natürlich, auch wenn ich nicht der ganz große Fußball-Fan bin. Klar ist aber, dass ich in der Frage patriotisch bin und nicht etwa dem FC Schalke die Daumen drücke.

Der FC Bayern sammelt Titel wie Sie Medaillen. Können Sie noch etwas lernen vom Rekordmeister?

Neuner: Lernen in dem Sinne nicht, weil man Biathlon nicht mit Fußball vergleichen kann. Aber auf alle Fälle verbindet mich das tolle Erlebnis mit dem FC Bayern, zumindest einmal wie die Fußballer auf dem Balkon des Münchner Rathauses gestanden zu haben und von den Fans empfangen worden zu sein. Das war klasse. Der FC Bayern ist bekannt dafür, dass er nie genug bekommen kann an Titeln.

Ist das bei Ihnen auch so, oder merken Sie schon, dass die Motivation nachlässt?

Neuner: Ich habe nie ein Problem, mich zu motivieren, weil ich Spaß an meinem Sport habe. Biathlon ist für mich ein Traumberuf, der mir immer wieder schöne Momente beschert. Und nach jedem Sieg weiß ich, wofür ich so viel trainiere.

Sie haben alles erreicht, und trotzdem kommt die Motivation immer wieder ganz automatisch?

Neuner: Ja, weil es immer wieder neue Reize gibt. Wenn ein Rennen knapp ist, dann ist es egal, wie viele Siege du vorher errungen hast. Du willst dann nur diesen Sieg. Insofern ist jeder Sieg anders, und für jeden lohnt es sich zu kämpfen.

Und das gilt auch nach dem Triumph bei den Olympischen Spielen?

Neuner: Da war ich natürlich froh, dass ich mal eine Zeitlang wirklich nichts mit Biathlon zu tun hatte. Aber nach der vierten Woche ohne echtes Training hat es schon wieder gekribbelt. Und als ich dann meinen Vater gesehen habe, der jeden Tag ins Büro musste, war ich auch wieder sehr glücklich, einer Tätigkeit nachgehen zu können, bei der ich mich bewegen darf.

Welcher Art ist Ihre Motivation: Möchten Sie in erster Linie noch weitere Titel gewinnen oder bestimmte Ereignisse miterleben?

Neuner: Fest steht, dass mit den Olympiasiegen viel Spannung von mir abgefallen ist. Deshalb habe ich nicht das Ziel, ein ganz spezielles Rennen oder eine ganz spezielle Medaille zu gewinnen. Ich freue mich in erster Linie auf Ereignisse wie die Heim-Weltmeisterschaft in Ruhpolding 2012.

Haben Sie Angst, dass irgendwann die Motivation einfach nicht mehr da ist?

Neuner: Das sehe ich ganz gelassen, weil ich weiß, dass es noch andere Dinge als den Sport gibt: meine Familie, meinen Freund, einen Job nach dem Biathlon, der am Besten etwas mit Kindern zu tun hat – und das alles in meinem Heimatort Wallgau. Wallgau ist der Inbegriff Ihrer Bodenständigkeit. Bodenständig zu sein, ist das eine, es zu bleiben, das andere.

Fällt Ihnen das schwer bei all dem Ruhm?

Neuner: Ich weiß, dass die Erfolge Privilegien mitbringen. Ich war zum Beispiel beim Auftaktspiel zur Eishockey-WM in der Arena auf Schalke und durfte dort in einer Loge sitzen. Das ist schön, ich weiß das zu schätzen. Aber ich sehne mich danach auch wieder, im Zug nach Wallgau zu sitzen und ein Wochenende voll Normalität vor mir zu haben.

Sie haben im vergangenen Jahr geklagt, dass der Rummel um Ihre Person zu groß wird. Gehen Sie nun anders damit um?

Neuner: Ich war mit 19, 20 Jahren schon sehr erfolgreich. Das hat dazu geführt, dass sehr früh sehr viele etwas von mir wollten. Das ist irgendwann zu viel geworden. Und ich habe gelernt, Nein zu sagen. Das hat mir im vergangenen Jahr geholfen, mich optimal auf die Olympischen Spiele vorbereiten zu können. Ich habe viele Termine abgesagt. Jetzt versuche ich, etwas für das Verständnis zurückzugeben, indem ich etwa viele Sponsorentermine wahrnehme. Das mache ich auch sehr gern.

Und weil Sie gelernt haben, Nein zu sagen, haben Sie auch auf den Start in der Staffel verzichtet, was zu vielen Diskussionen geführt hat?

Neuner: Naja, ganz allein habe ich die Entscheidung nicht gefällt. Darauf hat mich auch der Trainer gebracht. Ich wäre gern gelaufen, aber es war nicht möglich. Und als ich eine Nacht darüber geschlafen habe, bin ich zu dem Ergebnis gekommen, dass es besser ist zu verzichten.

Haben Sie die Meisterfeier der Bayern auf dem Marienplatz verfolgt?

Neuner: Ich habe es im Fernsehen verfolgt und mich daran erinnert, wie toll das ist, dort oben auf dem Balkon zu stehen. Ich weiß ja jetzt, wie das ist für die Jungs vom FC Bayern.

von Florian Hagemann

Zur Person

Magdalena Neuner ist 23 Jahre und kommt aus dem bayerischen Wallgau. Sie ist die derzeit erfolgreichste deutsche Biathletin. Bereits mit knapp 20 Jahren gewann sie bei der Weltmeisterschaft in Antholz drei Goldmedaillen. Vier WM-Siege folgten.

Bei den Olympischen Winterspielen nun in Vancouver holte sie zwei Goldmedaillen und eine Silbermedaille. Sie ist mit dem Seppi aus der Wallgauer Musikkapelle zusammen.

zurück zur Übersicht: Sport

Kommentare

Sport aktuell

Red Bull verstärkt Sicherheitsmaßnahmen

Red Bull verstärkt Sicherheitsmaßnahmen

Monte Carlo - Das Formel-1-Team Red Bull um Weltmeister Sebastian Vettel hat nach dem verheerenden Boxenbrand beim Rivalen Williams in Barcelona seine Sicherheitsvorkehrungen verstärkt.Mehr...

Formel 1: Herrenloser Koffer in Monte Carlo gesprengt

Formel 1: Herrenloser Koffer in Monte Carlo gesprengt

Monte Carlo - Eine gebrochene Tribüne und die Sprengung eines herrenlosen Koffers haben am Rande des Formel-1-Rennens in Monaco für Aufregung gesorgt.Mehr...

Meist gelesen

  • Heute
  • Letzte 7 Tage
  • Themen

Mensing holt EM-Gold - Koch wird Zweiter

Debrecen - Rückenschwimmerin Jenny Mensing hat bei den Europameisterschaften in Ungarn die Goldmedaille gewonnen. Knapp verpasst hat diese Brustschwimmer Marco Koch. Er war einem Ungarn unterlegen.Mehr...

Russland zum 26. Mal Eishockey-Weltmeister

Helsinki - NHL-Topstar Alexander Sjomin hat Rekordweltmeister Russland mit zwei Toren gegen die Slowakei zum 26. WM-Titel geführt. Der Topfavorit gab sich am Sonntag im WM-Finale in Helsinki keine Blöße.Mehr...

Artikel lizenziert durch © hna
Weitere Lizenzierungen exklusiv über http://www.hna.de

Neues Passwort zusenden

Bitte geben Sie ihre E-Mail Adresse an, wir senden Ihnen ein neues Passwort zu.

Bitte warten

Es wird etwas gemacht.

  • recommendbutton_count100
Schließen

Druckvorschau

Artikel:

Schließen

Artikel Empfehlen

Empfehlen Sie diesen Artikel Ihren Freunden und Bekannten!

Fehleranzeige ausblenden

Es sind Fehler aufgetreten!

  • Fehlertext

Bitte berichtigen Sie oben aufgeführte Fehler und klicken danach noch einmal auf den Absenden Button.

Fehleranzeige ausblenden

Schwere Fehler sind aufgetreten!

  • Fehlertext

Bitte setzen Sie sich mit der technischen Abteilung in Verbindung.

  • Fehlertext

Achtung!

  • Fehlertext

Nicht alle Aufgaben konnten abgearbeitet werden.

SkyScraper