Knitido-Zehensocke und doppellagige WrightSock

In die Strümpfe, fertig, los… - Laufsocken im Test

+
Knitido-Laufsocke: Jeder Zeh spielt eine Rolle.

Los geht’s. Raus in die Natur. Laufen. Viele Kilometer. Rein in die Schuhe – und dann nichts wie ab. Moment! Der Teufel liegt, wie so oft, im Detail. Bei Läufern ist das die Kleidung zwischen Haut und Schuh: die Laufsocke.

Es gibt viele Sportler, die schmerzhaft einsehen mussten, dass sie dem schnöden Strumpf in der Vergangenheit doch besser etwas mehr Aufmerksamkeit gewidmet hätten. Am Tag nach dem Marathon ist es am Frühstückstisch nicht gerade das leckerste Thema, wessen Zehennägel blauer sind und wessen Blutblase größer ist. 

Doch ist ein Nagel erst einmal abgefallen, wird er nie mehr so schön nachwachsen wie einst, als er in voller Blüte in die Laufsocke schlüpfte.

Klar: Läufer, insbesondere die Langstreckler unter ihnen, belasten ihre bodennaheste Extremität deutlich heftiger als Coachpotatoes. Aber deswegen gleich hässliche Füße haben? Muss nicht sein.

Zunächst einmal ist natürlich der richtige Schuh entscheidend. Da der Fuß beim Laufen anschwillt, wählt man ihn mindestens eine Nummer größer. Bequem und auf den Laufstil angepasst sein sollte er sowieso. Support your local dealer: Eine Beratung durch einen Experten im Fachgeschäft ist mehr Gold wert, als man am Ende bei einem Schnäppchenkauf im Internet sparen kann.

Wer den Kopf noch weiter einschaltet, denkt am anderen Ende des Körpers dann auch an die richtige Laufsocke. Ich habe zwei Modelle getestet.

Socken für die langen Läufe

Mein Laufprojekt 2016 ist der Ultralauf. Im vergangenen Jahr ging es darum, die Sub3 zu knacken, also einen Marathon unter drei Stunden zu laufen. In diesem Jahr geht es weniger um die Zeit denn um die Länge der gelaufenen Strecke: Im Mai steht der Rennsteiglauf-Supermarathon über 72,7 Kilometer mit knapp 1700 Höhenmetern an, im Oktober dann der Taubertal-Lauf über 100 Kilometer. So etwas will geplant sein. Und dabei spielt die Socke eine entscheidende Rolle.

Der erfahrene Ultraläufer Hubert Beck empfiehlt in seinem Standardwerk „Das große Buch vom Ultramarathon“* im Kapitel zur Ausrüstung zwei Modelle: Zum einen Zehensocken des Anbieters Knitido, zum anderen doppellagige Laufsocken des Herstellers WrightSock. Beide Unternehmen haben mir für einen Test Socken zur Verfügung gestellt – auf die Bewertung hat das keinen Einfluss.

Es handelt sich bei den getestesten Modellen nicht um Kompressionssocken, die durch ihr enges, elastisches Material Druck ausüben, dadurch die Muskulatur entspannen und die Durchblutung verbessern sollen. Ich habe bei Wettkämpfen keine schlechten Erfahrungen mit solchen Socken gemacht. Jedoch habe ich auch keinen besonders leistungssteigernden Einfluss bemerkt, wie er ihnen gern zugeschrieben wird. Persönlich bevorzuge ich in Rennen und im Training andere Exemplare, trage danach aber Kompressionssocken sehr gern zur Regeneration.

Knitido-Zehensocken: Fingerhandschuh für die Füße

Zehensocken sind im Grunde genommen so etwas wie Fingerhandschuh für die Füße. Durch ihre Konzeption wird vermieden, dass Feuchtigkeit zwischen den Zehen entsteht und sich so Blasen bilden. Jeder Zeh bleibt trocken und für sich geschützt, ohne am benachbarten Zeh zu reiben. Das Prinzip ist, die Hautreibung auf den Stoff zu verlagern, der die Zehen einfasst.

In den vergangenen Monaten habe ich das über den Knöchel reichende Modell Marathon TS bei meinen langen Läufen an den Wochenenden getragen – insgesamt rund 200 Kilometer, Maximaldistanz: ein Marathon.

Fast wie neu: Zehensocken von Knitido nach fast 200 gelaufenen Kilometern.

Begeistert bin ich zunächst einmal aus einem ganz profanen Grund: Die Socken sehen nach wie vor fast aus wie neu – und das, obwohl sie empfindliche Stellen haben und ich einen Laufstil, bei dem ich häufig mit dem linken Knöchel gegen den rechten stoße, wo dann an der Innenseite schnell ein Loch entsteht. Wenn man viel Geld für Laufsocken ausgibt, wünscht man sich natürlich auch, dass diese möglichst lange intakt bleiben. Die Dralon-Faser, aus der die Zehensocken gefertigt sind, ist da ganz offenbar besonders strapazierfähig.

Die gute Verarbeitung zeigt sich auch darin, dass eine empfindliche eingebaute Netzzone direkt nach den Zehentrennern – diese soll Temperatur und Feuchtigkeit regulieren - noch völlig intakt ist. Das liegt zum einen sicher daran, dass ich beim Anziehen der Socken besonders vorsichtig (und auch etwas geduldig) bin. Denn mit Ziehen und Strecken kommt man bei den Zehensocken nicht weit. Jeder Zeh muss einzeln eingeführt und der Stoff in die Zehenzwischenräume gedrückt werden. Da braucht man schon etwas Geduld, bis alles sitzt. Hervorragend ist hier die komplett nahtlose Verarbeitung im Zehenbereich.

Zunächst ist es ein etwas ungewohntes Gefühl, einzeln „verpackt“ loszulaufen, das aber mit den ersten Kilometern schnell verschwindet. Mehr noch: Je länger der Lauf dauert, desto angenehmer wird das Gefühl im Schuh. Die Socke lässt über die Netzzone Luft an den Fuß und sorgt auch dafür, dass die Feuchtigkeit gut entweicht. 

Zudem soll eine Antirutschbeschichtung aus Silikon im Vorderfußbereich und an der Ferse gerade bei längeren Läufen und dabei unsauberer werdenden Bewegungsabläufen dafür sorgen, dass der Fuß im Schuh nicht zu sehr hin und her bzw. nach vorn rutscht, was schnell zu blauen Zehen und der eingangs erwähnten Zehennagelablösung führen kann. Wir erinnern uns: Ist der Fuß erst ruiniert…

Inwieweit der Antirutscheffekt tatsächlich greift, kann ich nicht genau beurteilen. Fest steht allerdings, dass ich jederzeit das Gefühl hatte, dass ich einen festen Stand im Schuh habe und die Socke richtig fest „sitzt“, ohne Falten zu bilden, die wiederum für Blasen sorgen könnten. 

Eine Mittelfußstütze soll einer frühzeitigen Ermüdung entgegenwirken, was ich allerdings nicht bewusst feststellen konnte: Nach 35 oder mehr gelaufenen Kilometern sind so oder so nicht nur meine Füße müde…

Für den Sommer gibt es eine Ultralite-Variante der Marathon TS-Zehensocke mit einer dünneren Coolmax-Faser, die besonders kühlend sein soll, die ich aber noch nicht testen konnte.

Mein Fazit: Für mich macht das Knitido-Konzept Sinn - und das nicht nur, weil ich auch Fan sogenannter Zehenschuhe bin. Blasen oder blaue Zehennägel, mit denen ich schon öfter zu kämpfen hatte, waren sicher auch dank der hervorragenden Verarbeitung kein Thema während der Testmonate. Der Strumpf ist zu meiner Lieblingssocke auf der Langdistanz geworden und wird meine Füße auch auf den geplanten Ultras unterstützen.

Preis: ab 19,90 Euro, die Ultralite-Variante kostet zwei Euro mehr, erhältlich bei Knitido.de*

WrightSock: die Doppelsocke in einer

Die WrightSock-Modelle, die komplett in den USA gefertigt werden, unterscheiden sich zunächst einmal von den Knitido-Zehensocken dadurch, dass sie ebenso einfach und schnell anzuziehen sind wie „normale“ Socken.

Das Konzept der doppellagigen Laufsocke soll Blasen dadurch verhindern, dass „zwei unterschiedliche, übereinanderliegende Materialien fest miteinander“ verbunden werden, wie Hubert Beck schreibt. Er erklärt weiter: „Nicht bemerkbar für den Läufer bewegen sich beide Lagen gegeneinander. Die auftretende Reibung tritt zwischen den Sockenlagen auf, die Fußhaut wird dadurch verschont. Somit wird die Reibung verhindert und der Läufer ist vor Blasenbildung geschützt.

Soweit die Theorie. In der Praxis durfte ich zunächst einmal feststellen, dass ich schon längst in WrightSock-Exemplaren laufe – ohne das überhaupt gewusst bzw. besonders darauf geachtet zu haben. 

Vier Testmodelle: Sowohl die Stride als auch die Coolmesh-Variante der WrightSock sind aus dem Trainingsalltag nicht mehr wegzudenken.

Nachdem ich Anfang des vergangenen Jahres mit ein paar Blasenproblemen an den Tretern zu kämpfen hatte, war ich in einem Fachgeschäft auf eine Socke gestoßen, für die groß mit „Blister-free“ (blasenfrei) geworben wurde. Die zwei Paar (WrightSocks), die ich mir seinerzeit zulegte, sind mittlerweile zwar etwas runtergelaufen, jedoch auch nach vielen hundert Kilometern immer noch im Einsatz, da sie sich so bravourös im Praxiseinsatz bewährt haben.

Die lange Laufzeit lässt mein erstes Testergebnis bereits erahnen: Auch die WrightSock ist hervorragend verarbeitet. Ich habe das mitteldicke und über den Knöchel reichende Modell Stride im Winter insbesondere bei Läufen zwischen 15 und 25 Kilometer getragen, aber auch bei einigen langen Läufen bis zu 35 Kilometer. An einem Exemplar sind am rechten inneren Knöchel leichte Abnutzungserscheinungen zu erkennen, was aber an meinem Laufstil liegt (siehe weiter oben) und der vollen Funktionalität der Socke keinen Abbruch tut.

Herausragend ist die Atmungsaktivität der Socke, deren Zusammensetzung sich bei Innen- und Außensocke leicht unterscheidet: Innen 70 % Polyester, 26 % Nylon und 4 % Elasthan, außen mehr Elasthan (8 %), dafür weniger Nylon (24 %) und Polyester (68 %). Wolle ist in keiner der beiden Socken enthalten – und hervorzuheben ist, dass die innere Lage ungebleicht und ungefärbt ist.

Der Feuchtigkeitstransport zwischen den beiden Lagen sorgt dafür, dass der Fuß schön trocken bleibt. Was auch der schnell trocknenden Polyester-Faser zu verdanken ist: WrightSock selbst gibt an, dass ihre Faser Dri-Wright durch „Kanäle“ auf der Faseroberfläche deutlich besser Fußfeuchtigkeit abführe als herkömmliche Polyesterfasern. 

Wissenschaftlich messen konnte ich das nicht. Aber der Fuß hat sich stets trocken angefühlt, mal abgesehen davon, wenn er durch die Regenläufe im Herbst ohnehin pitsche-patsche nass war. Selbst dabei aber blieben Blasen Gottlob Fehlanzeige.

Damit die beiden Socken nicht hin und her reiben, sorgt eine patentierte Naht im Ristbereich für einen sicheren Halt des Fußes. Wer allerdings an dieser Stelle besonders empfindlich ist, kann unter Umständen ein paar Probleme kriegen. Wobei diese, wie der Kasseler Läufer Martin Sauer in seinem Blog Runomatic schildert, offenbar lediglich mit der richtigen Kombination Schuh und Socke zu tun haben.

Ich hatte und habe Glück, egal, in welcher Konstellation: Es gab keinen Lauf, in dem ich mich unwohl in den WrightSock fühlte. Jegliche Probleme mit Blasen sind bereits seit Mitte letzten Jahres Vergangenheit. War keine vernünftige andere Socke vorhanden, habe ich selbst im Winter bewusst zu dem dünneren Coolmesh-Modell gegriffen, ohne das Gefühl zu haben, Gefahr zu laufen, dass mir die Zehen abfrieren. 

Mein Fazit: Während ich die Knitido-Socke eigentlich nur bei langen Läufen anziehe, sind die WrightSock erste Wahl für jegliche Trainingseinheit - und ohne Weiteres natürlich auch für Wettkämpfe geeignet. Gerade bei Laufsocken sollte man nicht am falschen Ende sparen. Und im Grunde erhält man für sein gutes Geld mit einer WrightSock ja auch zwei Strümpfe... 

Preis: ab 18,95 Euro, erhältlich bei WrightSock.de*

Wichtig: Bei Socken muss es passen

Im Gegensatz zu Laufschuhen sollten Socken immer genau passen, da sie sonst Falten werfen - wodurch leicht Blasen entstehen können. Die Socke sollte fest ansitzen und eher zu klein als groß sein. Vor allem aber sollte das Material atmungsaktiv sein und den Schweiß aufnehmen, was etwa reine Baumwollsocken, die die Nässe wie ein Schwamm aufsaugen, völlig ungeeignet macht. 

* Hinweis in eigener Sache: Es handelt sich um einen Service-Link. Die HNA oder der Autor des Artikels erhalten keine Provision für verkaufte Artikel der Anbieter.

Über den Autor

"Mensch läuft" ist die Kolumne eines Läufers für andere Läufer – und solche, die es noch werden wollen. Jens Nähler (*1973) ist Online-Ressortleiter der HNA und erst mit 39 über eine Redaktionsstaffel beim Kassel Marathon zum Laufen gekommen. Mittlerweile trainiert er für seine vierte Teilnahme auf die volle Distanz in Kassel und bereitet sich auf seinen ersten 100-Kilometer-Ultralauf im Oktober vor.

Jeden Dienstag erzählt er auf HNA.de Schritt für Schritt, wie’s läuft – und betreut das Team „HNA Roadrunners“ im Kilometerspiel

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.