Mit einem Zentimeter Vorsprung: Gold für "Bonsai"

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Niko Kappel gewann im Kugelstoßen die erste Goldmedaille für das deutsche Team. Foto: Kay Nietfeld

Die deutsche Mannschaft hat in Rio de Janeiro die erste Goldmedaille gewonnen. Verantwortlich dafür: Ein kleinwüchsiger Kugelstoßer, der zum ersten Mal überhaupt bei Paralympics dabei ist.

Rio de Janeiro (dpa) - So eine Goldmedaille kann manchmal auch nerven. Niko Kappel musste sie nach seinem spektakulären Erfolg im Kugelstoßen gleich mehrfach abnehmen. Beim Essen, bei der Dopingkontrolle: "Da stört sie nur", sagte der bloß 1,40 Meter kleine Leichtathlet.

Kappel hat mit dieser Situation noch keine Erfahrung. Es sind die ersten Paralympischen Spiele für den kleinwüchsigen Leichtathleten - und da holte er in Rio de Janeiro gleich die erste Goldmedaille für das deutsche Team. "Das ist ein absolutes Highlight. Bei mir ist das immer noch nicht so richtig angekommen", sagte Kappel bei einer Pressekonferenz im deutschen Haus. "Ich genieße jetzt hier jeden Moment."

Sein Spitzname ist Bonsai, wie der Baum. "Weil ich ein kleiner Mann bin und für einen kleinen Mann so viel Kraft habe." Kugelstoßen ist so ziemlich das Letzte, was man mit kleinwüchsigen Menschen in Verbindung bringt. Beim Kugelstoßen denkt jeder an große, massige Athleten, hinter denen sich jemand wie Kappel bequem umziehen könnte.

Doch im Olympiastadion von Rio trat er in den Ring und entwickelte aus seiner schnellen Drehung heraus eine derart explosive Kraft, dass die Kugel 13,57 Meter weit flog. Das war viel weiter als bei seinem bisherigen persönlichen Rekord (13,26). Und vor allem die Winzigkeit von nur einem Zentimeter weiter als der beste Versuch des Welt- und Europameisters Bartosz Tyszkowski aus Polen (13,56).

"Ich wollte natürlich eine Medaille holen, klar", sagte Kappel. Aber Gold? Das schien selbst bis zur Hälfte dieses Wettbewerbs außerhalb seiner Möglichkeiten zu liegen, weil der Pole Tyszkowski in den vergangenen vier Jahren jeden EM- und WM-Titel gewann und auch diesmal zunächst klar in Führung lag.

Doch dann steigerte sich Kappel, 13,38 Meter im vierten und 13,57 Meter im fünften Durchgang. "Ich wusste, wenn ich ihn unter Druck setzen kann, dann habe ich eine Chance. Denn das ist er nicht gewohnt", erklärte der Athlet des VfL Sindelfingen. "Er hat das Kugelstoßen bei uns über Jahre dominiert. Aber als ich an ihm vorbeigezogen war, konnte er nicht mehr kontern."

Niko Kappel und der Speerwerfer Mathias Mester sind so etwas wie die Stimmungskanonen im deutschen Team. Beide sind klein, beide haben Humor. Dazu gibt die erste Goldmedaille bei einem großen Sportereignis allen anderen auch immer noch einen zusätzlichen Schub. "Es waren heute so viele Kollegen hier und haben mich angefeuert", erzählte Kappel. "Jetzt will ich das umgekehrt genauso machen: Ins Stadion gehen, Stimmung machen, rumbrüllen."

Der kleine Kugelstoßer ist erst 21 Jahre alt, aber er ist schon ausgebildeter Bankkaufmann, sitzt für die CDU im Gemeinderat seiner Heimatstadt Welzheim bei Stuttgart - und hat jetzt eine paralympische Goldmedaille. Bislang waren seine größten Erfolge jeweils Silber bei der WM 2016 und der EM 2015 gewesen.

Und was kann jetzt noch kommen? "Es haben mir nur sieben Zentimeter bis zum Weltrekord gefehlt", meinte Kappel - der liegt bei 13,64 Metern. "Ich bin noch jung, habe seit 2015 eine super Entwicklung genommen - mal sehen, was meine Karriere noch alles bringt."

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