Allendorf bildet nach Seuchensaison mit  Sellin Super-Flügelzange

Kassel. Zehn von 16 Treffern bis zur Pause, am Ende 17 von 32 – der ersehnte erste Saisonsieg der MT geht zu einem Gutteil auf das Konto ihrer unwiderstehlichen Flügelzange.

Entsprechend ausgiebig genossen Michael Allendorf (10/7) und Johannes Sellin (7) später das Bad in der Menge, posierten schier endlos für die Selfies der jungen oder weiblichen Fans.

„Ich bin endlich wieder da“, sagt Linksaußen Allendorf einen Tag nach seinem 30. Geburtstag, und das erleichterte Strahlen weicht ihm nicht aus dem Gesicht. Muskelfaserriss, Fingerverletzung, Sehnenanrisse erst im Oberschenkel, dann in der Schulter, schließlich auch noch ein Bandscheibenvorfall - „in der vergangenen Saison hatte ich die Seuche“, blickt Allendorf zurück. „Umso mehr freue ich mich jetzt auf jedes Spiel und genieße jede Minute, die ich spielen darf.“

Lust, die ihm anzusehen war. Lust, die er in wichtige Tore ummünzte. Schon der erste Strafwurf zum 2:2 saß - und da hat es plopp gemacht, der Knoten platzte. Kumpel Sellin war gefoult worden, ein kurzer Blick, und für „Jojo“ war klar, dass er nicht werfen würde. „Ich bin froh, dass Michael wieder da ist. Beim Siebenmeter ist er der sicherste Schütze, ich bin nur zweiter Mann.“

Was Allendorf prompt bestätigte. Vom Strich blieb er ohne Fehlwurf, und als er aus dem Feld die erste Fahrkarte schoss und nach zwei sofort nachfolgenden zunächst prompt für Jeffrey Boomhouwer Platz machen musste, da schienen beim 19:13 (37.) die Weichen bereits auf Sieg gestellt.

„Bei den Niederlagen gegen Coburg und in Erlangen war ich noch nicht dabei. Vielleicht war ich deswegen jetzt unbefangener, im Kopf freier als einzelne Kollegen“, sinnierte Allendorf. Nervenstark hämmerte er den Ball ins Netz - vom Strich, von außen mit Wucht über den Kopf der Torhüter und filigran in die Ecken, ja sogar als Einläufer vom Kreis.

„Ich habe den Sommer über fast durchtrainiert. Jetzt fühle ich mich körperlich wieder so stark wie in der Saison 2014/15“, sagt Allendorf. „Jeder hat gesehen, wie sehr wir alle heute diesen Sieg wollten. Allen Unkenrufen zum Trotz halten wir auch zusammen, wenn es nicht so gut läuft. Auf uns kann man sich verlassen. Wir haben noch in 30 Spielen die Chance, den verpatzten Start vergessen zu machen. So, dass am Ende der Saison keiner mehr von den Auftaktniederlagen redet.“

Dafür freilich sind auch von Johannes Sellin weitere Sternstunden wie diesmal nötig. „Coburg habe ich nicht ernst genug genommen, da war ich im Kopf nicht da“, gesteht der Rechtsaußen ein. Andere waren’s auch nicht. Gegen Gummersbach aber und Nationalteam-Kollege Carsten Lichtlein schoss der Linkshänder nun nur eine Fahrkarte, war insbesondere im Tempogegenstoß konzentriert und treffsicher. „Wir haben heute in allen Mannschaftsteilen noch ein paar Prozent mehr gebracht als gegen die Löwen am Mittwoch“, bilanziert Sellin.

Da schon sei der Knoten bei der MT geplatzt, „jetzt stimmt endlich auch das Ergebnis und es geht wieder aufwärts“. Zum Glück nicht nur bei der Flügelzange.

Von Gerald Schaumburg

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