Er versüßt sich die freie Zeit

Allendorf von der MT: Hochzeit statt WM

Da geben sie sich das Ja-Wort: Melsungens Linksaußen Michael Allendorf (rechts), der uns dieses Foto zur Verfügung gestellt hat, heiratet im Kasseler Rathaus seine Freundin Natalie. Foto:  privat/nh

Kassel. Michael Allendorf von Handball-Bundesligist MT Melsungen wurde kurz vor der WM aus dem Kader sortiert. Er hat sich die freie Zeit versüßt und seine Freundin geheiratet.

So kurz davor, aber dann doch nicht dabei. Die deutschen Handballer sorgen bei der Weltmeisterschaft in Katar für Furore - Michael Allendorf ist zum Zuschauen verdammt. Dabei gehörte der Linksaußen von Bundesligist MT Melsungen bis kurz vor Weihnachten zum erweiterten Kader, wurde aber von Bundestrainer Dagur Sigurdsson aussortiert. Er verfolge die Spiele, sagt Allendorf, „aber es fällt mir sehr schwer.“ Die Enttäuschung sitzt immer noch tief.

Doch statt in Selbstmitleid zu zerfließen, habe er sich die freie Zeit versüßt, wie der 28-Jährige berichtet. Hochzeit statt WM. Denn während die Nationalmannschaft bei einem Lehrgang schwitzte, heiratete Allendorf am 30. Dezember im Kasseler Rathaus seine Freundin Natalie. Den Termin hätten sie bereits früher geblockt gehabt, erklärt der Handballer. Dann ging alles ratzfatz. Gefeiert wurde im kleinen Kreis beim Spanier El Erni in Kassel. „Die große Feier steigt im Mai in der Orangerie“, verrät Allendorf.

Anruf von Musche

Mit seinen Melsunger Teamkollegen quält er sich aktuell durch die Vorbereitung - das sei eine gute Ablenkung. Gleichwohl macht er keinen Hehl aus seiner Niedergeschlagenheit. Zumal er überhaupt nicht damit gerechnet hatte, dass Matthias Musche den Vorzug erhält. Allendorf sagt: „Ich war topfit, die Form stimmte. Ich hab einfach gedacht, es hätte gereicht, als zweiter Linksaußen hinter Gensheimer dabei zu sein.“

So aber gab’s den kurzen und bitteren Anruf vom Bundestrainer, und kurz danach meldete sich sogar Magdeburgs Linksaußen Musche. „Er wollte hören, ob ich sauer auf ihn sei. Er sagte, es sei ihm mega-peinlich, dass er nun nach Katar fliegen dürfe“, erzählt Allendorf. Auch andere Nationalspieler hätten Kontakt aufgenommen, sobald Sigurdsson die Einladungen verschickt hatte. Kapitän Uwe Gensheimer zum Beispiel und Jens Schöngarth - sie hätten sich erkundigt, „was denn los sei, ob ich verletzt sei“.

Im Alltag im Kreis der MT-Kollegen sei die Sache inzwischen kein Thema mehr. Anfangs schon. Michael Roth habe mit ihm ein langes Gespräch geführt. Der Melsunger Trainer habe ihm versichert, dass er die Entscheidung nicht verstehen könne. Und die Teamkollegen? „Die haben vorsichtig gefragt, ob ich mit ihnen die WM-Spiele gucken will“, sagt Allendorf. Hat er ja auch. Aber es sei ein komisches Gefühl. Er freue sich über die Erfolge. Für ihn sei es aber nur ärgerlich.

Theoretisch könnte der Melsunger sogar nachrücken, falls sich Spieler verletzen. Er solle sich fit halten, habe der Bundestrainer gesagt. Abgeschlossen hat Allendorf mit der WM noch nicht. „Dank der Vorbereitung bin ich fit und jederzeit bereit.“ Mit einem Anruf rechnet er aber nicht.

Neben der Hochzeit hatte die Nicht-Berücksichtigung einen weiteren positiven Effekt, und das wird Allendorfs Trainer Roth gern hören. Der frisch Vermählte sagt: „Ich hab jetzt noch mehr Motivation für die Restrunde.“ Nach dem Motto: Jetzt erst recht.

Von Robin Lipke

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