Nächtlicher Aufenthalt auf Raststätte

MT Melsungen setzt mit Sieg in Berlin dickes Ausrufezeichen

Drei gegen einen: Die Melsunger (von links) Momir Rnic, Marino Maric und Felix Danner nehmen sich hier dem Berliner Kreisläufer Jesper Nielsen an. Foto: Wende

Kassel. Zweimal mussten die Melsunger Handballer am Sonntag die Nerven behalten: Zuerst in der heißen Phase des Bundesliga-Spiels bei den Füchsen Berlin, als sie nach 22:19-Führung mit 22:23 ins Hintertreffen geraten waren.

Spät in der Nacht dann noch einmal, als der Mannschaftsbus auf der Autobahn A 2 eine Panne hatte und das Team einen unfreiwilligen mehrstündigen Aufenthalt auf dem Rasthof im niedersächsischen Helmstedt hatte. Beide Situationen haben die Nordhessen gemeistert.

„Die Stimmung soll angesichts des 24:23-Erfolges nicht allzu schlecht gewesen“, ließ sich Axel Geerken sagen, der mit Spielern und Verantwortlichen in ständigem Kontakt stand. Der MT-Manager war vorab im Auto aus der Hauptstadt in die Heimat gereist. „Der Keilriemen der Lichtmaschine war gerissen“, erklärte Geerken. Ein Ersatzfahrzeug beförderte das Team noch zurück nach Kassel beziehungsweise Melsungen. „So etwas kann immer mal passieren“, sagte der Manager, „ich habe das während meiner Karriere selbst oft genug erlebt.“

Eine Erklärung, weshalb die Melsunger übermüdet, aber gestählt aus diesem Abend herausgekommen sind:

Die mannschaftliche Stärke

Im vergangenen September feierten die Melsunger den ersten Sieg der Vereinsgeschichte in Flensburg: 33:32. „Jetzt haben wir wieder ein dickes Ausrufezeichen gesetzt. Dieser Erfolg gibt Selbstvertrauen“, stellte Rückraumschütze Momir Rnic nach dem Coup beim Fünftplatzierten zufrieden fest. Das konnte Coach Michael Roth nur unterstreichen, der sich zudem über die Punktverluste der weiteren Verfolger Göppingen, Wetzlar und Hannover freute: „Ein guter Spieltag.“

Die psychische Stärke

Der Druck, der auf der MT in den letzten Spielminuten lastete, war gewaltig. Die Gäste hatten nicht nur sieben Spieler gegen sich, sondern auch noch 9000 Zuschauer in der Berliner Max-Schmeling-Halle. „Wir haben ruhig und taktisch diszipliniert weitergespielt“, lobte Trainer Roth. Ein bisschen Glück war in den Schlusssekunden auch dabei. Erst hatte Rnic vom Siebenmeterpunkt gegen Torwart Petr Stochl das 25:23 verpasst: „Ich wollte es so machen wie in Flensburg damals.“ Dann aber parierte der überragende MT-Schlussmann Johan Sjöstrand den Ball von Petar Nenadic so gerade mit der Fußspitze.

Die physische Stärke

So richtig wussten die Melsunger natürlich nicht, wo sie nach der langen EM-Pause stehen – aber dass Athletiktrainer Lutz Anders mit ihnen gut gearbeitet haben muss, steht spätestens seit dem Auftritt an der Spree fest. Da einige Akteure ausgefallen beziehungsweise gesundheitlich angeschlagen waren, musste die MT praktisch mit sechs Feldspielern auskommen – und offenbarte nie wirklich Schwächen. Kapitän Michael Müller und seine Mitstreiter kämpften verbissen bis zur Schlusssirene.

Tausendsassa Sjöstrand strich die Abwehr heraus: „Wir haben zwar einige Kontertore kassiert, aber im Sechs-gegen-Sechs waren wir kaum zu überwinden.“ Die Wechsel zwischen 6:0- und 5:1-Deckung klappten mühelos.

Die taktische Stärke

Marino Maric auf linksaußen? Einige staunten nicht schlecht, als Roth den EM-Dritten aus Kroatien dorthin beorderte. Wiederholt rückte der 25-Jährige aus dieser Position an die Seite von Felix Danner – Einsatz mit zwei Kreisläufern. Die Füchse hatten damit so ihre Probleme, zumal die Melsunger Strategen Michael Müller und Patrik Fahlgren mehrfach gefährliche Pässe in die Angriffszone brachten. Als die Berliner dadurch nicht mehr so weit herausrückten, schlug die Stunde von MT-Torjäger Rnic. Ihm gelangen acht Treffer. So hatten die Gäste allen Grund zum Feiern. Auf den 54. Geburtstag Roths wurde am späten Abend aber nicht mehr angestoßen. Der war die Nacht noch in Berlin geblieben. Womit ihm einiges erspart blieb.

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