Handball: Deutscher Trumpf ist der Torwart

Großer Stratege: der norwegische Mittelmann Sander Sagosen.

Kassel. Ein Sieg noch - und die deutschen Handballer haben bei der Europameisterschaft in Polen eine Medaille sicher.

Aber im Halbfinale in der Halle in Krakau warten heute (18.30 Uhr/ZDF) die überraschend starken Norweger. Der ehemalige Melsunger Bundesliga-Trainer Robert Hedin und frühere norwegische Nationalcoach hat für diese Zeitung die beiden Mannschaften genauer unter die Lupe genommen.

Der Torwart

Der Deutsche Andreas Wolff macht bei diesem Turnier eine starke Figur zwischen den Pfosten. Er steht so sicher, dass es die gegnerischen Schützen schwer haben, den Ball an ihm vorbeizubringen. Dazu hat das Team in Carsten Lichtlein einen Mann mit viel Routine. Bei den Norwegern hat lediglich Ole Erevik reichlich Erfahrung. Espen Christensen ist eine prima Ergänzung.

Vorteil: Deutschland

Die Abwehr

Meine Ex-Mannschaft verfügt inzwischen über die nötige Stabilität - ein Verdienst der bundesligaerprobten Bjarte Myrhol und Erlend Mamelund, die in der 6:0-Abwehr ganze Arbeit leisten. Es wird das letzte große Turnier der beiden alten Haudegen sein - und sie wollen unbedingt noch eine Medaille. Deshalb werden sie im Halbfinale alles in die Waagschale werfen. Die Deckung der deutschen Mannschaft besticht durch ihre Variabilität. Zudem ist es schön zu sehen, wie die junge Truppe bis zum Umfallen kämpft. Jungs wie Finn Lemke und Hendrik Pekeler haben eine gute Stimmung reingebracht.

Vorteil: Norwegen

Der Angriff

Die Deutschen kommen mit viel Schwung. Aller Ehren wert, was Steffen Fäth, Martin Strobel und Fabian Wiede nach dem verletzungsbedingten Ausscheiden von Christian Dissinger und Steffen Weinhold leisten. Allerdings besitzen die Norweger fantastische Rückraumspieler: angefangen bei Christian O’Sullivan und Sander Sagosen auf der Mitte, dann die Linkshänder Kent Robin Tönnesen und Harald Reinkind aus der Bundesliga und natürlich Espen Lie Hansen. Espen spielt bei mir in Bregenz eine starke Saison. Seine tolle Form bestätigt er zurzeit in Polen.

Vorteil: ausgeglichen

Der Trainer

Beide Kollegen verdienen meinen Respekt. Sie machen einen super Job. Bei Bundestrainer Dagur Sigurdsson sieht man, dass er lange bei dem Erstliga-Topklub in Berlin gearbeitet hat. Dort hat er viel gelernt. Gegenüber Christian Berge war ein Klasse-Bundesligaspieler in Flensburg. Das Plus der Norweger ist ihre geballte Kompetenz auf der Bank. Berge wird durch den früheren Strategen in Barcelona, Glenn Solberg, und den erfahrenen Zeljko Tomac unterstützt. Zudem sitzt mit dem früheren Flensburger Erfolgscoach Kent-Harry Andersson ein weiterer Fachmann hinter der Bank. Das ist nicht zu unterschätzen. Vorteil: Norwegen

Das Fazit

Ich freue mich riesig auf diesen Vergleich. Denn da treffen zwei Mannschaften aufeinander, die den Generationenwechsel erfolgreich geschafft haben. Beide Teams können in den nächsten Jahren noch viel erreichen. Es wird ein enges Duell, aber Norwegen wird diesmal das glücklichere Ende für sich haben.

Robert Hedin (49 Jahre) trainiert aktuell den österreichischen Erstligisten Bregenz. Zuvor war er unter anderem Cheftrainer der Norweger. In der Bundesliga war er von 2007 bis 2009 Coach der MT Melsungen. Hedin ist Vater von sechs Kindern, drei aus einer früheren Ehe.

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