Melsunger Handballer: Schon besser, teils müssen sie sich aber noch steigern

Hielt sich die Löwen vom Hals: Melsungens Youngster Johannes Golla (Mitte) markierte insgesamt drei Tore. Hier bekommt er es mit Nationalspieler Hendrik Pekeler (links) und Gedeon Guardiola zu tun. Foto: Fischer

Kassel. Die Hoffnung auf die ersten Punkte in dieser Bundesliga-Saison erfüllte sich nicht. Doch die Handballer der MT Melsungen lieferten dem Meister Rhein-Neckar Löwen beim 26:30 einen großen Kampf.

Acht Fakten zum Spiel der Melsunger.

1. Die Mannschaft hat die Zeichen der Zeit erkannt. Über die gesamten 60 Minuten betrieben die Melsunger gehörigen Aufwand. „Jeder hat gesehen, dass wir als Team in dieser schwierigen Situation hundertprozentig zusammenstehen“, erklärte MT-Spielmacher Patrik Fahlgren, der die kämpferische Leistung der Mannschaft hervorhob: „Es geht nur über harte Arbeit. Die haben wir gezeigt.“

2. Die Fans waren der achte Mann. Ganz sicher konnten sich die Hausherren ja nicht sein, ob sie von den Fans in der Kasseler Rothenbach-Halle bedingungslos unterstützt werden würden – nach zwei unerwarteten Pleiten inklusive des schwachen Auftritts zehn Tage zuvor an selber Stätte gegen Aufsteiger Coburg. Als Johannes Sellin mit zwei Treffern von 6:9 auf 8:9 verkürzt hatte, erhoben sich die Melsunger Anhänger von ihren Plätzen und trieben das Team mit „Melsungen, Melsungen“-Sprechchören lautstark nach vorn. Bis zur letzten Sekunde honorierten die Zuschauer die engagierte Vorstellung der Gastgeber.

3. Die Melsunger bereiteten Löwen-Trainer Nikolaj Jacobsen einiges Kopfzerbrechen. Also: Gegen MT-Rückraumschütze Momir Rnic, der zur Pause eingewechselt wurde, fanden die Mannheimer kein probates Mittel. Der Serbe war so zielsicher, dass er wohl auch beim Melsunger Stadt- und Heimatfest an der Schießbude viele Preise abgeräumt hätte. „Ich hätte lieber zwei Punkte geholt“, meinte Rnic, „immerhin haben wir im Kollektiv einen großen Schritt nach vorn gemacht. Am Samstag muss es endlich scheppern und zwei Punkte geben.“ Dann steht ab 19 Uhr das nächste Heimspiel gegen den VfL Gummersbach auf dem Programm.

4. Der Meister wurde seinem Ruf als Spitzenmannschaft gerecht. Nicht ein einziges Mal gerieten die Badener in Rückstand – allein diese Tatsache beweist die Klasse des Champions-League-Teilnehmers. Noch dazu hat er den zurzeit wohl weltbesten Spielmacher im Kader: Andy Schmid. Nachdem der Schweizer einen Ball unbedrängt ins Seitenaus statt zum Mitspieler befördert hatte (25.), hielt ihm Jacobsen am Spielfeldrand eine Standpauke. Was immer mal wieder passiert und oft eine Leistungsexplosion des Routiniers zur Folge hat: Auch diesmal avancierte Schmid zum Mann des Abends. Er warf noch sieben Treffer.

5. Der MT fehlte eine überzeugende Torwartleistung. René Villadsen und Svetislav Verkic waren erneut nicht imstande, den Ausfall des zurzeit verletzten Johan Sjöstrand vergessen zu machen. „Es fehlt von dieser Seite ein Impuls an die Kollegen“, bedauerte Trainer Michael Roth.

6. Der Vorjahresvierte sucht noch nach seiner Bestform. Im Angriff wurden speziell in der ersten Hälfte einige Chancen leichtfertig vergeben. „Es ist noch nicht alles optimal“, räumte Fahlgren ein.

7. Der Youngster Johannes Golla bereitet viel Freude. Durch die Rote Karte gegen Philipp Müller wurde der U-20-Vizeeuropameister früh im Deckungszentrum gebraucht. Die Aufgabe an der Seite von Felix Danner erfüllte der 18-Jährige bravourös, und am gegnerischen Kreis gelangen ihm drei blitzsaubere Treffer. „Der Junge ist klasse“, lobte Roth.

8. Es war das erwartet hitzige Duell. Mitte der ersten Hälfte drohte den Unparteiischen Christoph Immel und Ronald Klein, die bereits das Pokalduell der beiden Klubs im vergangenen Dezember zum Skandal machten, die kampfbetonte Partie aus den Händen zu gleiten. Teilweise hatten beide Teams nur noch vier Feldspieler auf dem Parkett – und das bei Temperaturen von fast 30 Grad unterm Hallendach. „Für die Spieler war es heute die Hölle“, meinte Roth. Sein dänischer Gegenüber Jacobsen begann die Pressekonferenz in einem anderen Bereich der Halle gar mit dem Satz: „Ich freue mich, dass es hier noch einen kühlen Raum gibt.“

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