Melsungen siegt vor 4018 Fans mit 37:25

Schnellcheck: MT-Handballer werfen sich Frust von der Seele

+
Der Mann des Spiels beim Torjubel: Johannes Sellin. Melsungens Rechtsaußen erzielte 16 Treffer, nur zwei davon per Siebenmeter.   

Kassel. Da ist er, der ersehnte Befreiungsschlag. Handball-Bundesligist MT Melsungen hat sich beim 37:25 (18:12) gegen TVB Stuttgart aus der Krise geworfen. Unser Schnellcheck:

Wie war das Spiel in der Kasseler Rothenbach-Halle?

Aus MT-Sicht: hervorragend. War da mal etwas mit einer Krise? Die Mannschaft von Trainer Michael Roth bestimmte von Beginn an das Geschehen. Nur einmal lagen die Hausherren zurück - nach Tobias Schimmelbauers Treffer zum 2:1 für die Gäste (6. Minute). Ansonsten marschierten die Melsunger voran und bauten nach und nach ihre Führung aus.

Die Melsunger 6:0-Deckung blockte Stuttgarter Würfe am Fließband, wenn doch ein Ball durchkam, war MT-Torwart Johan Sjöstrand zur Stelle, und vorn – da hielten die Nordhessen die Fehlerquote auf einem Minimum. Mehr noch: Die MT war in Torlaune und schoss sich den Frust der vergangenen Wochen regelrecht von der Seele. Vor allem der bestens aufgelegte Johannes Sellin sprühte vor Spielfreude und Torhunger. Als der Rechtsaußen in der 14. Minute den Ball selbst ergatterte, gestesgegenwärtig reagierte und über das gesamte Feld in den leeren TVB-Kasten zum 9:4 für die MT traf, stand die Halle kopf. Das war bereits der sechste Treffer des 25-Jährigen, und sollten sogar noch weitere vier im ersten Durchgang folgen. 

Ob über die erste Welle, über außen wie das 13:8 von Michael Allendorf (24.) oder durch klasse Einzelaktionen wie das 14:9 durch Momir Rnic (25.) – es machte richtig Spaß, dieser MT zuzusehen. So bauten die Gastgeber ihre Führung bis zur Pause auf 18:12 aus. Der zweite Abschnitt begann gleich mal so, wie der erste aufgehört hat. Es traf – na, klar: Johannes Sellin, und zwar zum 19:12 (31). Und die MT ließ nicht locker, als wollte sie demonstrieren, dass der verpatzte Saisonstart abgehakt ist. Was dann nämlich folgte, lässt sich gut und gern als Rausch bezeichnen. Denn die Gastgeber bauten weiter ihre Führung aus, ließen den Stuttgartern nicht den Hauch einer Chance. 

Auch Torwart Sjöstrand trug sich als Torschütze ein, als er zum 21:15 traf (36.). Es lief. Beweise gefällig? Youngster Johannes Golla erzielte mit seinem ersten Ballkontakt das 25:17 (41.) und sorgte kurze Zeit später mit seinem Treffer zum 28:18 ersmals für eine Zehn-Tore-Führung. Auch Neuzugang Dener Jaanimaa hatte Grund zum Jubeln. Das 35:24 (56.) war sein Premierentreffer in der Rothenbach-Halle. Kurzum: Die MT hatte und machte Spaß.

Gab es eigentlich einen Aufreger in der Partie?

Nur einen. In ersten Halbzeit wurden erst Sellin und dann Allendorf (22.) gefoult und am Torwurf gehindert. Es gab Pfiffe und Buhrufe der Zuschauer, aber keinen Siebemeter für die MT. Immerhin musste Stuttgarts Teo Coric für zwei Minuten raus. Ansonsten machte das Schiedsrichter-Gespann Fabian und Christian vom Dorff einen prima Job.

Melsunger Handballer schießen sich gegen Stuttgart den Frust von der Seele

Wer war der Spieler des Abends? 

Keine Frage: Johannes Sellin. 16 Tore erzielte Melsungens Rechtsaußen. SECHZEHN, und davon nur zwei Siebenmeter. Das ist spitzenklasse.

War bei der MT denn noch etwas von der Verunsicherung der vergangenen Spiele zu sehen? 

Verunsicherung? Nicht die Bohne. Die Melsunger traten als Team auf. Mit ihrer Körpersprache machten sie sofort deutlich: Wir wollen unbedingt. Geblockte Würfe der Stuttgarter wurden bejubelt, die MT-Jungs feuerten sich permanent an - da stand ein ganz anderes Team auf der Platte als noch vor einer Woche in Leipzig. Wie heißt der MT-Slogan so schön: 60 Minuten Vollgas. Und genau das bekamen die Zuschauer am Sonntag geboten.

Apropos: Wie war denn die Stimmung am Sonntag? 

Angesichts des Spielverlaufs natürlich extrem euphorisch. Dem Publikum in Kassel muss ein dickes Kompliment gemacht werden. Da zeigt die MT in den vergangenen Wochen recht dürftige Leistungen, und trotzdem kamen am Sonntag 4018 Zuschauer in die Rothenbach-Halle gegen einen Gegner, der – mit Verlaub – nicht unbedingt zu den attraktivsten in der Liga zählt. Und von Beginn an waren die Fans da, unterstützten ihr Team und trugen so ihren Teil zu einem rundum gelungenen Handball-Fest bei. Am Ende sangen sie: Oh, wie ist das schön. Dem ist nichts hinzufügen.

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.