Handball-Bundesliga

MT-Trainer Michael Roth zieht Saisonbilanz

Blickt auf eine „phänomenale“ Saison zurück: Melsungens Trainer Michael Roth. Foto:  Fischer

Kassel. Für die Handballer der MT Melsungen endet am Sonntag mit dem Heimspiel gegen den ThSV Eisenach die Saison.

Anwurf ist um 15 Uhr. Bereits vor dieser abschließenden Partie blicken die Nordhessen auf die erfolgreichste Spielzeit ihrer Bundesliga-Geschichte zurück. Platz vier, direkte Qualifikation für den Europapokal - logisch, dass der Trainer zufrieden ist: „Wir wollen das jetzt erst mal genießen“, sagt Michael Roth. Im Redaktionsgespräch zieht der 54-Jährige Bilanz.

Michael Roth über ... 

... eine perfekte Saison: „Was heißt perfekt? Sagen wir lieber phänomenal. Wir haben uns weiter entwickelt. Zuallererst natürlich im sportlichen Bereich. Was mich besonders freut, ist, dass es nur zwei Spiele gab, in denen wir chancenlos waren - in Mannheim und zu Hause gegen Flensburg. Ansonsten waren wir bei den Niederlagen bis zum Schluss dran und hätten auch gewinnen können. Und nicht nur sportlich gab es einen Schritt nach vorn. Die MT hat sich auch in der Außendarstellung weiter entwickelt. Das Image hat sich verbessert.“

... den Charakter der Mannschaft: „Wir haben gesehen, dass sich Kontinuität auszahlt. Die Mannschaft ist zusammengewachsen. Die Spieler haben sich mental weiter entwickelt und sind reifer geworden. Vor allem auswärts sind wir stärker und abgeklärter aufgetreten und haben oft deutliche Siege eingefahren. Und nicht vergessen: Heimniederlagen wie gegen Gummersbach und Hannover haben keine Krise ausgelöst. Früher wären wir ins Koma gefallen. In dieser Saison haben wir solche negativen Erlebnisse ohne Probleme weggesteckt.“

... Schwächen der MT: „Wir arbeiten aus dem Kollektiv heraus und müssen immer 100 Prozent geben. Wenn nur ein Gang runter geschaltet wurde, ging es in die Hose. Was uns noch fehlt? Nehmen wir das Heimspiel gegen Hannover. Da führen wir zwischenzeitlich mit vier Toren. Vor eigenem Publikum verliert ein echtes Spitzenteam so ein Spiel dann nicht mehr.“

... über lange Spielpausen: „Das war eine ganz schlimme Zeit. Nach der EM kamen wir klasse aus den Startlöchern. Danach gab es gleich wieder eine Pause. Dann ging’s weiter, und schon wieder eine Unterbrechung. Als Trainer versuchst du da, den Spielern die Zeit so angenehm wie möglich zu machen. Aber wie will man in einen Wettkampfmodus kommen, wenn das nächste Spiel erst Wochen später ist. Im Nachhinein habe ich von unserem Psychologen Gernot Emberger erfahren, dass die Jungs ziemlich genervt waren - zum Teil auch, weil der Trainer nicht so gut gelaunt war.“

... den einen Moment: „Ganz klar: Der Sieg in Flensburg war der Höhepunkt. Da hatte ich als Trainer noch nie gewonnen. Die Partie wurde vorab zum Spitzenspiel erklärt. Zwischendurch lagen wir mit drei Toren zurück. Für gewöhnlich geht dann dort jede Mannschaft unter. Aber wir kamen zurück. Uns ist da etwas Außergewöhnliches gelungen. Und alle haben gemerkt: Das war kein Zufall. Da steckt eine neue Qualität in der Melsunger Mannschaft.“

... einen Tiefpunkt: „Im Grunde habe ich nichts zu meckern. Von Krisen sind wir verschont geblieben. Und verletzungsbedingte Ausfälle wie die von Michael Allendorf, Johan Sjöstrand und Malte Schröder haben wir weggesteckt - ohne zu jammern.“

... den Spieler der Saison: „Wir leben vom Kollektiv. Trotzdem ist für mich Michael Müller der Spieler der Saison. Nach dem Ausfall von Schröder hatte er auf halbrechts die Last allein zu tragen. Außerdem hat er die Rolle als Kapitän sehr gut ausgefüllt.“

... die Entwicklung in Kassel: „Auch dazu passt das Wort phänomenal. Ich hatte von Anfang an gesagt, dass es dauern wird, bis das Vertrauen da ist. Mittlerweile hat es sich in Kassel und Nordhessen herumgesprochen, dass in der Rothenbach-Halle Handball mit Herz und Leidenschaft geboten wird. Das ist die beste Werbung für die Truppe. Darüber hinaus haben wir fernab des Parketts viele Aktionen gestartet und die Nähe zu den Fans gesucht. Das Negative, was die MT in früheren Jahren begleitet hat, ist abgelegt. Die Stimmung in der Halle ist bombastisch - und das hat sich die Mannschaft verdient.“

... Druck in der nächsten Saison: „Uns ist klar, dass die Erwartungshaltung steigt. Natürlich haben wir den Ehrgeiz, diese Platzierung zu wiederholen. Uns ist aber auch klar, dass Rückschläge kommen können. Personell sind wir jedenfalls gewappnet für die Doppelbelastung. Jetzt wollen wir alles erst mal genießen.“

... das letzte Heimspiel: „Wir wollen noch einmal das auf die Platte bringen, was uns diese Saison ausgezeichnet hat. Im besten Fall wird die Begegnung gegen Eisenach das Vorspiel zu der großen Party im Anschluss. Wir wollen mit unseren Fans feiern. Das haben sich alle verdient nach dieser Saison.“

MT lädt zur Party

Kassel. Direkt nach dem Spiel der Melsunger Handballer gegen Eisenach werden auf dem Spielfeld der Rothenbach-Halle die drei scheidenden MT-Profis Malte Schröder (nach Emsdetten), Christian Hildebrand (Abschied vom Leistungssport) und Jan Forstbauer (Hamburg) durch die Aufsichtsratsvorsitzende Barbara Braun-Lüdicke und Manager Axel Geerken gebührend verabschiedet. Das Trio wird vom Verein, von den Mannschaftskollegen, aber auch von den Melsunger Fanklubs Geschenke erhalten.

Im Anschluss geht die Saisonabschluss-Party vor der Halle weiter. Es gibt von den MT-Partnern Waldhoff und Licher Freigetränke für die Fans, FFH-Moderator Felix Moese sorgt als DJ für Stimmung. Ein Höhepunkt wird die Bekanntgabe zur Wahl des Spielers der Saison sein. Wer diese Auszeichnung bekommt, wird erst am Sonntag mitgeteilt. Geehrt wird auch der beste Torschütze.

Zudem planen FFH und Ausstatter Salming Gewinnspiele. Für die jüngsten Melsunger Anhänger gibt es ein Kinderanimationsprogramm. Wer von den Spielern getragene Trikots, Shirts und weitere Kleidungsstücke erstehen möchte, kann dies ebenfalls tun. (bjm)

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