In der ausverkauften Rothenbachhalle

Sellin entzaubert den Hexer: MT Melsungen schlägt Wetzlar 29:22

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Kassel. Die MT Melsungen hat ihren vierten Platz in der Handball-Bundesliga eindrucksvoll untermauert.

Im Hessenderby gegen Wetzlar gab es vor 4300 Zuschauern in der ausverkauften Rothenbachhalle nach einer klasse Vorstellung einen 29:22-Sieg. Der Schnellcheck.

Wie war die Partie in der Kasseler Rothenbachhalle?

Richtig gut, was vor allem an der MT Melsungen lag, die mit einer massiven und starken Abwehr den Grundstein für einen verdienten und deutlichen Erfolg legte. Nur mal so: Die Wetzlarer kamen nach zwei Siebenmetertoren erst in der elften Minute zu ihrem ersten Feldtor. Allerdings traf Joao Ferraz da auch zur einzigen Führung der Gäste im gesamten Spiel: 3:2.

Melsungen spielte sich danach in einen wahren Rausch. Die Tore fielen schablonenhaft. Immer wieder war Johannes Sellin nach Tempogegenstößen erfolgreich. Nach 20 Minuten stand es 10:5.

Interessant: Trainer Michael Roth vertraute zunächst etwas überraschend auf Linksaußen Jeffrey Boomhouwer und im linken Rückraum auf Momir Rnic. Am Kreis kam der unter der Woche angeschlagene Felix Danner zum Zug. Das funktionierte alles, zumal Jeffrey Boomhouwer nach anfänglicher Nervosität auch prima ins Spiel fand. Die Halbzeitführung von 15:11 war mehr als korrekt.

In der zweiten Halbzeit knüpfte die MT an die Leistung der ersten Halbzeit an. Es war eine Demonstration der Stärke - immerhin gegen den Tabellensechsten der Liga. Jetzt glänzte auch einer, der im ersten Duchgang gar nicht sonderlich gefordert wurde: Torhüter Johan Sjöstrand. Am Ende fehlte diesem Derby so nur eines: Spannung. Aber das kann den Melsungern so was von egal sein.

Was machten die Europameister?

Wurden zunächst geehrt – und zwar von der Landesregierung. Es gab? Viel Anerkennung, eine Menge Applaus und jeweils eine Ahle Wurscht für den Melsunger Johannes Sellin und die Wetzlarer Andreas Wolff, Jannik Kohlbacher und Steffen Fäth. Richtig gut schmecken wird die in den nächsten Tagen aber wohl nur Johannes Sellin, der nicht nur gewann, sondern auch der Mann des Abends war. Fast jeder Wurf ein Treffer. Ihm zuzuschauen, war allein schon eine Attraktion. Er machte allein elf Treffer. Interessant: Seinen ersten Fehlwurf leistete er sich bei einem Siebenmeter in Halbzeit zwei, als einmal nicht Andreas Wolff, sondern Nikolai Weber im Wetzlarer Tor stand.

Hexte der Hexer wieder?

Nun ja. Andreas Wolff im Tor der Wetzlarer spielte sicher nicht ganz schlecht, längst aber nicht so überragend wie während der Europameisterschaft. Einmal zeigte er eine seiner typischen Wolff-Paraden, als er nach einem Wurf von Michael Müller sein rechtes Bein so in die Höhe schnellen ließ, dass der Eindruck entstand, dieses Bein würde noch über die Hallendecke hinausragen. Kurz vor der Halbzeit leitete Wolff einen Tempogegenstoß im Sitzen ein. Das war schon gut – aber auch fast schon alles.

Der wahre Hexer hieß an diesem Abend Johannes Sellin. Wolff ließ sich aber nicht nur von ihm ärgern, sondern auch von Marino Maric, der mit dem Rücken zum Tor es einfach mal probierte. Drin war der Ball zum 21.14 – das kam einer Europameistertorhüterbeleidigung gleich. Kurz danach überließ Wolff Nikolai Weber das Feld.

Gab es eine Kuriosität?

In der Tat. In der 15. Minute war plötzlich die Luft raus – also aus dem Ball. Er sah aus wie ein zerrupftes Huhn. Gut, dass die Spieler mehr Puste als der Handball hatten. Ihnen wurde auch ein neues Spielgerät zur Verfügung gestellt. Puh.

Kurios im Übrigen auch der Treffer zum 10:5 für Melsungen durch Marino Maric. Als alle schon dachten, die Wetzlarer würden einen Angriff starten, schnappte sich der Kreisläufer nach einem Abpraller den Ball und warf ihn einfach ins Tor. Kann man mal so machen.

Wie war die Atmosphäre?

Eines Derby würdig. Und eines ersten Heimspiels nach dem Europameistertitel würdig. Die Rothenbachhalle war mit 4300 Zuschauern ausverkauft – und die machten richtig Stimmung. Interessant: Schon lange vor dem Anpfiff war die Halle gut gefüllt und die Neugierde groß – vor allem auf die Europameister. Handball zieht. Die MT zieht. Sie ist oben dabei – und macht richtig Spaß.

Wie geht es weiter?

Die MT tritt bereits am Donnerstag in Mannheim bei den Rhein-Neckar Löwen an. Es ist dann ein echtes Spitzenspiel - und Melsungen kommt mit dem Rückenwind eines Derbysieges zu den Löwen.

Die MT-Tore: Sellin 11, Boomhouwer 5, Maric 4, Fahlgren 2, Rnic 3, Philipp Müller 2, Danner 1, Forstbauer 1

MT Melsungen schlägt Wetzlar im Hessenderby 29:22

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