Auch Momir Rnic abgemeldet

Hessenderby: 25:28-Pleite offenbart eklatante Melsunger Angriffsschwächen

Abwehr mit Textiltest: Melsungens Momir Rnic (rechts) wird in dieser Szene von Wetzlars Evars Klesniks (links) am Torwurf gehindert, der auch noch Marino Maric (Mitte) am Kreis in Schach hält. Foto: Schachtschneider

Kassel. Keine Frage, er hatte das Zeug zum Derbyhelden, zum Comeback ins Rampenlicht. Als René Villadsen den indisponierten, weil grippegeschwächten Johan Sjöstrand nach 37 Minuten ersetzte und der Däne prompt zwei Bälle abwehrte, ging das Signal noch nach vorne los.

„Ja, da konnte das Spiel kippen“, blickte der ehemalige Eisenacher, zwischenzeitlich zur Nummer drei im Tor der MT Melsungen degradiert, etwas wehmütig zurück.

Denn Marino Maric und Johannes Sellin veredelten seine Paraden zum 17:17-Ausgleich, und Nenad Vuckovic schaffte in Unterzahl sogar die zweite Führung für den heimischen Handball-Bundesligisten. Der aber gab sie prompt wieder aus der Hand. In Überzahl.

Als der MT-Schlussmann beim 21:23 gegen Philipp Weber parierte (49.), kam zumindest die Halle noch mal zurück. Nicht aber seine Vorderleute. Die HSG Wetzlar ließ sich, wie ihr Trainer Kai Wandschneider lobend erwähnte, „nicht aus der Ruhe bringen“ - und brachte den Sieg im Hessenduell mit 28:25 relativ sicher nach Hause. So konnte sich statt Villadsen sein HSG-Kollege Benjamin Buric mit 16 Paraden als Matchwinner feiern lassen.

„Ich hätte einfach noch ein paar Bälle mehr halten müssen“, mutmaßte Zwei-Meter-Mann Villadsen. Doch ob das angesichts eines ziemlich verunsicherten MT-Teams gereicht hätte? Wohl kaum. „Wir haben es selbst verbockt“, wusste Rückraumrecke Michael Müller. Genauer: der eigene Angriff. „Wir hatten in der Vorwärtsbewegung viel zu viele Fehler“, kritisierte Melsungens Trainer Roth.

Dadurch blieb die in der ersten Hälfte durchaus zufriedenstellende Abwehrleistung weitgehend unbelohnt, brachten es die Gastgeber bis zur Pause gerade mal auf einen erfolgreichen Tempogegenstoß. Immer wenn die Post hätte abgehen können, blieb der Tabellenvierte der letzten Saison in den Startlöchern hängen.    

„Wir haben die Bälle, wenn wir dran waren, viel zu schnell weggeschmissen“, ärgerte sich Aufbauspieler Nenad Vuckovic. Etwa bei der ersten Führung zum 11:10, als daraus innerhalb weniger Sekunden ein 11:12-Pausenrückstand wurde.

Ohne den sonstigen Trumpf einer dynamischen ersten und zweiten Welle lastete der gesamte Druck auf dem Positionsangriff, der dem nie gerecht wurde. Bis auf die Flügelzange Allendorf/Sellin wechselte Michael Roth munter durch, doch einen Joker zog er nicht. Auf der Mitte bekam zunächst Timm Schneider das Spiel nicht in den Griff, ehe es mit Patrik Fahlgren etwas besser wurde, ohne dass die „Halben“ davon profitieren konnten. Momir Rnic wurde von Stefan Cavor fast abgemeldet, Michael Müller mühte sich redlich, aber vergeblich. Dener Jaanimaa machte nach seiner Einwechslung ein sehenswertes Tor und ging dann mit unter.

Die Schlussfolgerung des MT-Coaches: „Bei uns laufen im Moment alle Spieler ihrer Form hinterher.“ Warum? Weil offenbar die Schlappe in Balingen („Roth: Die hat eingeschlagen wie eine Bombe“) die kaum verheilten Wunden des kapitalen Fehlstarts wieder aufgerissen hatte.

Umso respektabler war die Reaktion der Fans. Fast 60 Minuten lautstarke Unterstützung und sogar nach der Niederlage noch spärlicher Applaus statt durchaus berechtigter Pfiffe. „Bei uns sind derzeit nur die Zuschauer in Topform“, sagt der Melsunger Trainer. In der Hoffnung, dass sich seine Schützlinge so bald wie möglich ein Beispiel daran nehmen.

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