„Bin total entspannt und genieße das“

Interview: Neuer Magdeburger Trainer bei der MT Melsungen

Gibt beim SC Magdeburg den Ton an: Der vom Jugendkoordinator zum Cheftrainer beförderte Bennet Wiegert (links), der hier den Ex-Melsunger Jens Schöngarth (Mitte) und Kreisläufer Jacob Bagersted einstimmt. Foto: dpa

Magdeburg. Nein, es läuft nicht rund beim SC Magdeburg, dem kommenden Gegner der MT Melsungen (Mittwoch, 19 Uhr, Rothenbach-Halle). Zumindest in der Handball-Bundesliga nicht.

Wie’s scheint, ist der ehemalige Champions-League-Sieger Opfer seiner von ihm selbst geweckten Erwartungen geworden. „Eine Niveaustabilisierung, die weiteres Wachstum ermöglicht“, gab Manager Marc Schmedt nach dem starken vierten Platz der letzten Spielzeit als Saisonziel aus – von dem die Bördestädter als Zehnter derzeit meilenweit entfernt sind. Also musste nach 17 Spieltagen der einstige Erfolgstrainer Geir Sveinsson gehen.

Wir sprachen vor dem SCM-Gastspiel in Kassel mit dem Mann, der es nun richten soll: Bennet Wiegert, ein Mann mit reichlich Stallgeruch, der als Spieler die erfolgreichste Magdeburger Ära nach der Wende mitgestaltete.

Vom Jugendkoordinator zum Cheftrainer eines ehemaligen Deutschen Meisters und Champion-League-Siegers. Wurden Sie von dieser enormen Beförderung überrascht? 

Bennet Wiegert: Natürlich, diese Situation war nicht planbar. Ich musste mich da relativ schnell entscheiden. Und habe auch keinen Moment gezögert, diese tolle Aufgabe zu übernehmen.

Welche Sofortmaßnahmen haben Sie ergriffen? 

Wiegert: Ich habe das Abwehrsystem umgestellt, um im Sinne meiner Philosophie wieder mehr über das Tempospiel zu kommen. Damit sollten auch alte Tugenden wiederbelebt werden.

Was ja gleich bei Ihrem ersten Spiel super geklappt hat, immerhin ist das Team mit dem 29:25-Pokalsieg gegen Göppingen ins Final Four eingezogen. 

Wiegert: Das war kein Hexenwerk, denn ich hatte gerade mal zwei Tage für die Vorbereitung. Ich denke, das war gerade im Hinblick auf die Motivation eines der leichteren Spiele. Der Reiz des neuen Trainer kann da viel bewegen.

In der Bundesliga lief es danach allerdings nicht so vielversprechend. Unter Ihrer Leitung hat die Mannschaft bisher 5:7-Punkte geholt. Stellt Sie diese bisherige Zwischenbilanz zufrieden? 

Wiegert: Nein, natürlich nicht. Zum einen ist es mein Naturell, immer den maximalen Erfolg anzustreben. Zum anderen war für uns viel mehr drin. Die Heimniederlage gegen Leipzig war ein echter Nackenschlag und in Hannover und Balingen haben wir nach klarer Führung Punkte liegen lassen.

Woran liegt es, dass Ihr Team in dieser Bundesliga-Saison offensichtlich nicht so recht auf Touren kommt? 

Wiegert: Wenn ich das mal so genau sagen könnte. Augenscheinlich ist, dass es der Mannschaft an Konstanz mangelt, dass sie immer wieder unnötige Aussetzer hat. Außerdem verliert sie in Stress-Situationen oft ihre Linie, die Spieler müssten da einfach mehr an sich glauben.

Leiden Sie noch unter den Altlasten Ihres Vorgängers Sveinsson? 

Wiegert: Dazu äußere ich mich nicht. Mein Blick geht nach vorn, nicht zurück.

Lässt sich die aktuelle Saison noch retten? 

Wiegert: Auf jeden Fall. Wir tanzen ja noch auf drei Hochzeiten, sind im Pokal beim Final-Four-Turnier in Hamburg dabei, haben im EHF-Pokal gute Karten und werden in der Bundesliga um jede Platzierung kämpfen. Für uns geht’s keineswegs nur um die goldene Ananas, wenn wir uns da noch um ein oder zwei Plätze verbessern können.

Was rechnen Sie sich mit Ihrer Mannschaft bei der MT Melsungen aus? 

Wiegert: Wir wissen, dass uns ein sehr, sehr schwieriges Spiel erwartet, denn Melsungen spielt bisher eine überragende Saison. Das wird ein heißer Tanz, bei dem wir aber keineswegs chancenlos sind. Wir wollen uns auf jeden Fall bestmöglich präsentieren.

Was sind Ihre persönlichen Ziele? Lockt die Aussicht auf eine Trainerkarriere in der 1. Liga, nachdem Sie als Spieler ja fast alles erreicht haben? 

Wiegert: Ich bin da total entspannt. Schließlich bin ich nicht vom Büro- auf den Trainerstuhl gewechselt, habe schon mit der 2. Mannschaft des SCM als Coach große Erfolge gefeiert. Ich habe bis zum Saisonende die Verantwortung und genieße das, versuche aus dieser Erfahrung in der stärksten Liga der Welt möglichst viel zu lernen. Egal was danach passiert, ich werde meinen Traum Handball weiter leben, denn der ist ligaunabhängig.

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