Analyse: MT besticht durch einen guten Charakter

In Partylaune: Die Melsunger Spieler (von links) Michael Allendorf, Michael Müller, René Villadsen, Philipp Müller, Felix Danner, Patrik Fahlgren und Johan Sjöstrand hüpfen nach der Humba wie kleine Kinder übers Parkett. Foto: Fischer

Kassel. 47 Punkte und Platz vier – die MT Melsungen hat in dieser Saison der Handball-Bundesliga so gut abgeschnitten wie noch nie seit dem Aufstieg 2005. Eine Bestandsaufnahme:

Die Bilanz

• Abschneiden: In seiner Karriere hat Michael Müller viel erlebt. Auch an die erfolgreichen Jahre beispielsweise bei den Rhein-Neckar Löwen erinnert er sich gern zurück. Dennoch: „Dieses Jahr in Melsungen war eine geile Saison“, sagt der 31-Jährige, „außerdem war ich ja nicht nur ein kleiner Teil des Ganzen.“ Im Gegenteil: Vor Rundenbeginn war er als Nachfolger von Nenad Vuckovic zum Kapitän bestimmt worden. Müller war darüber hinaus Rückraumstratege, Torjäger und Abwehrrecke.

• Mentalität: Das Selbstverständnis eines THW Kiel hat die MT freilich noch nicht. Doch die Mannschaft besitzt einen guten Charakter. „Es hat sich etwas getan“, lobt Spielführer Michael Müller, „wir geben Spiele nicht mehr so leicht her.“ Manager Axel Geerken sprach seiner Mannschaft ein dickes Kompliment aus: „Wir haben aus der Saison im Europapokal 2014/15 richtig viel gelernt.“

• Rückhalt: Die Zuschauerrolle hatte Schlussmann Johan Sjöstrand wegen eines Haarrisses im Handwurzelknochen in der Rückserie in etlichen Partien. Beim 31:25 am Sonntag gegen Eisenach am letzten Spieltag hätte er zwar gekonnt, wurde aber nicht gebraucht. René Villadsen machte einen guten Job, seine Beine schnellten hoch, als die Schützen frei vor ihm auftauchten. „Die Abstimmung mit seinen Vorderleuten klappt besser, er kommuniziert jetzt auch mehr mit den beiden Müllers und Felix Danner“, betont Melsungens Co-Trainer Mile Malesevic, der für die Torhüter zuständig ist: „René hat gezeigt, dass er bereit ist.“

Die Begeisterung

• Saisonabschluss: Wer schon längere Zeit nicht mehr bei einem Heimspiel der Melsunger war, wird nach der Partie gegen Eisenach überrascht gewesen sein: Die MT und ihre Anhänger können ganz schön laut sein. „Das Einlaufen war heute unglaublich“, sagte Kapitän Müller. Dabei war das nur ein Vorgeschmack auf das, was erst noch nach dem Spiel folgen sollte. Denn: Pressesprecher Bernd Kaiser drückte Manuel Dietrich von den MT-Trommlern das Mikrofon in die Hand – und der stimmte in der ausverkauften Kasseler Rothenbach-Halle die Humba an. Das Verrückte: Alle Spieler, sämtliche Verantwortlichen, die eingefleischten Fans und die Zuschauer auf den Haupttribünen machten mit. „Das hat sich das Team nach diesem Jahr verdient“, stellte Dietrich fest.

• Unterstützung: Zu fast allen Auswärtsbegegnungen in dieser Saison reisten die Fans mit großer Gruppe. „Der Andrang war riesengroß. Das gab es noch nie, dass nicht einmal ein Platz im Bus frei blieb“, erklärt MT-Trommler Markus Martin.

Die Perspektive

• Platzierung: Ein realistisches Ziel für die nächste Saison ist ein Rang zwischen vier und sechs. „Wenn wir den vierten Platz bestätigen und uns wieder für den Europapokal qualifizieren können, wäre das klasse“, sagt Rückraumspieler Philipp Müller. Dass der Kader trotz der bevorstehenden Teilnahme im EHF-Cup nicht vergrößert wird, hält der 31-Jährige für richtig: „Wenn du Leute dann auf gleichem Niveau nicht einsetzen kannst, ist dies schlecht für die Stimmung im Team.“

• Kader: Nach Melsungen werden die Linkshänder Gabor Langhans (aus Lübbecke) und Arjan Haenen (aus Lemgo) kommen. Den 16. Platz im Aufgebot erhält der 18 Jahre alte Kreisläufer Johannes Golla, der eine Woche nach seinem Erstliga-Debüt in Wuppertal gegen den Bergischen HC nun seine ersten beiden Treffer für das Team von Trainer Michael Roth erzielte. „Letzten Samstag war ich schon ein bisschen aufgeregter. Es hat heute viel Spaß gemacht“, sagte Golla.

• Weiterentwicklung: Stammkräfte wie Regisseur Patrik Fahlgren und Linksaußen Michael Allendorf fielen in dieser Saison über einige Monate komplett aus. „Wir können im spielerischen Bereich noch einiges verfeinern“, findet Roth. Speziell im Rückraum sieht er noch Potenzial – klar, bei drei Mittelleuten und zwei Halben auf jeder Seite.

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.