Interview

MT: Manager Geerken vermisst den Spaß bei einigen Spielern

Auf dem Boden gelandet: Diese Szene mit MT-Kreisläufer Felix Danner steht sinnbildlich für den verpatzten Saisonstart des heimischen Handball-Bundesligisten. Foto:  Fischer

Kassel. Die Melsunger Bundesliga-Handballer stecken in einer Krise. Vor dem Heimspiel am Sonntag gegen TVB Stuttgart (17.15 Uhr) sprachen wir mit Manager Axel Geerken.

Herr Geerken, wie ist es in Zeiten einer Krise um Ihr Nervenkostüm bestellt?

Axel Geerken: Ich neige generell nicht zu großen Gefühlsschwankungen - egal ob in positiver oder negativer Richtung. So ist es auch jetzt. Wir sind in einer sportlich schwierigen Phase. Aber wir haben in den vergangenen Jahren immer gesagt, dass es Rückschläge geben kann. Wir analysieren die Lage genau und drehen an den richtigen Schrauben.

Welche Schrauben?

Geerken: Es geht darum, uns zu überprüfen: Machen wir alles richtig? Das betrifft alle: Spieler, Trainer und Management. Wir versuchen nun, neue Reize zu setzen. Und da geht es nicht immer freundlich, aber dennoch sachlich zu.

Was ist damit gemeint?

Geerken: In den vergangenen Jahren ging es mit der MT sportlich stetig nach oben. Parallel dazu haben wir ein perfektes Umfeld geschaffen, in dem sich die Spieler voll auf ihre Aufgaben konzentrieren können. Das war normal. Dahinter steckt aber auch eine Gefahr. Deswegen wollen wir die Spieler aus der gewohnten Normalität herausholen. Das sind nur kleine Dinge. Zum Beispiel achten wir jetzt stark auf Disziplin wie beispielsweise Pünktlichkeit.

Das klingt ja so, als hätte der Schlendrian Einzug erhalten?

Geerken: Nein. Es wurde weiter konzentriert gearbeitet. Aber wir reden hier von der Bundesliga. Wenn da nur ein, zwei Prozent fehlen, geht es nach hinten los.

Sie haben an der Deutschen Sporthochschule in Köln den Studiengang zum „European Handball Manager“ als Jahrgangsbester abgeschlossen. Nutzt das Erlernte in diesen Tagen etwas?

Geerken: In der aktuellen Situation lebe ich viel von meiner Erfahrung als Spieler und Manager. Ich sträube mich dagegen, nur schwarz und weiß zu sehen. Alles, was zuletzt gelobt wurde, ist ja nicht auf einmal komplett schlecht. Klar ist aber auch: Das ist keine spaßige Situation. Wir nehmen die Lage sehr ernst.

Aber warum wirkt das Team so verunsichert?

Geerken: Das Schlüsselerlebnis war das erste Spiel gegen Coburg. Da waren wir zu unkonzentriert. Danach ist eine Art Schock eingetreten, und dann hat sich diese Unruhe fortgesetzt. Die Erwartungen wurden enttäuscht - so etwas steckt in den Köpfen der Spieler. Wir haben nicht so große Erfahrung als Topteam. Mit dem vierten Platz der Vorsaison müssen einige Spieler erst noch lernen umzugehen.

Wie ist denn aktuell die Stimmung im Team?

Geerken: Klar ist, dass wir dringend ein positives Erlebnis brauchen. Der Wille bei den Jungs ist da. Ich stehe aber auch nicht jeden Tag im Training und gebe schlaue Sprüche von mir. Der Mannschaft muss es gelingen, das festgefahrene Rad zu lösen. Und das funktioniert nur über Leidenschaft und Engagement.

Fehlt es an Typen, die voran marschieren und die Mannschaft mitziehen?

Geerken: Wir haben genügend erfahrene Spieler, die Verantwortung übernehmen können. Aber ich vermisse bei einigen den Spaß an der Sache - dafür habe ich keine Erklärung. Wir hatten eine tolle Saison, die Halle ist voller denn je, da muss ich mich als Spieler darauf freuen und brennen.

Hat Trainer Michael Roth womöglich Fehler gemacht?

Geerken: Wenn, dann klären wir das intern. Aber wie ich schon sagte: Wir hinterfragen uns derzeit alle kritisch.

Spielen da auch Gedanken hinein, dass die Neuzugänge zu früh bekannt gegeben wurden?

Geerken: Ich bin fest davon überzeugt, dass die schlechten Leistungen nichts mit den Verpflichtungen zu tun haben. Im Gegenteil. Ich finde es absolut richtig, die Spieler so früh wie möglich zu informieren. Das ist für mich respektvoller Umgang mit Angestellten. Das hat auch etwas mit Fürsorge zu tun.

Was stimmt Sie zuversichtlich, dass die MT aus der Krise herauskommt?

Geerken: Wir stellen unser Konzept nicht infrage und arbeiten ruhig und sachlich weiter. Es wäre falsch, in Panik zu verfallen.

Was erwarten Sie nach der internen Aussprache?

Geerken: Natürlich erwarte ich am Sonntag einen Sieg. Wir können viele Gespräche führen in allen Konstellationen - schön und gut. Aber letztlich muss die Mannschaft das alles auf dem Feld umsetzen.

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