Vor Ort beim MT-Topspiel

MT Melsungen gegen die Löwen: Lauter als die Musik von AC/DC

Kassel. Der rote Drache Henner hat gespürt, dass es ein großer Abend für die MT Melsungen werden würde.

„Schon als die Spieler an mir vorbei aufs Feld gelaufen sind und mich abgeklatscht haben, war da bei unseren Jungs eine ganz andere Körpersprache als sonst“, berichtet das Maskottchen des Bundesligisten, „alle haben mir nur zugerufen: einfach Vollgas.“ Vielleicht so etwas wie das Motto dieses Handball-Festtages. Und die Botschaft kommt bei allen Beteiligten an: Beim 25:23-Sieg der MT über Tabellenführer Rhein-Neckar Löwen sorgen 4300 Zuschauer in der ausverkauften Rothenbach-Halle für eine Stimmung, die alles bisher in diesem Teil der Messehallen Erlebte in den Schatten stellt. Die Stunden zwischen Entspannung und Ekstase:

LANGE VOR DEM SPIEL 

Knapp zwei Stunden vor dem Anwurf zum Handball-Gipfel: Am Einlass bilden sich bereits die ersten Schlangen. Die gibt es sonst auch, nur eben später. Etwas ist allerdings anders. Schon vor den Schranken stehen Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes – die Konsequenzen aus den Terroranschlägen von Paris. „Wir haben mehr Securitykräfte im Einsatz als sonst“, erklärt MT-Manager Axel Geerken. Wie viele genau, das will er nicht sagen. Es habe vorab viele Gespräche gegeben, damit ein ordnungsgemäßer Ablauf gewährleistet sei.

Als die Besucher hineingelassen werden, werden viele von ihnen abgetastet. Manuela Dietrich muss ihre Handtasche öffnen. „Das ist immer so“, sagt die Melsungerin, „manchmal werde ich gefragt, warum ich Trommelstöcke dabeihabe.“ Die Frage muss das Mitglied der MT-Trommler diesmal nicht beantworten. Noch schnell die Karte vor den Scanner gehalten – rein geht’s.

UNMITTELBAR VOR DEM SPIEL 

Schon seit fünf Stunden eilt Jens Müller von Raum zu Raum und von Rechner zu Rechner. Der 43-Jährige kümmert sich seit zehn Jahren für die MT um die Technik rund um ein Bundesligaspiel. 2005 benötigte er einen PC und ein, zwei Kabel. Jetzt sind es zwei Rechner, zehn Notebooks und 1800 Meter Netzwerkkabel, die er im Auge behalten muss. Wie die Melsunger Mannschaft fiebert er gerade auch dem Start der Begegnung entgegen – nur aus anderem Grund: „Wenn die Hallenuhr unter der Decke läuft, ist es super gelaufen.“ Und? Sie läuft. Spielbeginn.

WÄHREND DES SPIELS 

Weihnachten 2007, zur Melsunger Premiere in Kassel, war es mal so laut, dass man den Zuschauer direkt neben sich nicht verstehen konnte. Daraufhin wurde an der Akustik in der Halle gearbeitet. Am Samstag machen die Anhänger so viel Krach, dass keine technischen Veränderungen mehr etwas nutzen würden. Nach dem 7:6 durch MT-Kreisläufer Felix Danner wird der Song „TNT“ von AC/DC eingespielt – er geht im Jubel unter. „Das lauteste Spiel, was ich hier je erlebt habe“, bemerkt der Spielmacher der Hausherren, Timm Schneider. Es ist nur ein Vorgeschmack.

Nach einer Parade von Torwart Johan Sjöstrand gegen Alexander Petersson in der 37. Minute springen die Menschen von ihren Plätzen auf – auch Barbara Braun-Lüdicke, die Aufsichtsratsvorsitzende der MT, und Ingrid Denk, die gute Seele der Melsunger Geschäftsstelle. Kurz darauf stehen – mit Ausnahme der 200 Gäste-Fans in Block I – alle. Jetzt spüren sie es auch: Da geht was.

Und ja, es geht was: Nach Philipp Müllers Treffer zum entscheidenden 25:23 in der Schlussminute gibt es bereits kein Halten mehr. Axel Geerken ballt hinter dem Tor der Löwen die Fäuste, Rechtsaußen Johannes Sellin vollführt auf dem Feld Freudentänze, und das MT-Maskottchen feixt sich einen mit seinem Juniorpartner, dem „kleinen Henner“.

NACH DEM SPIEL 

Zu Beginn des Abends hatten sich die MT-Trommler etwas zurückgehalten. „Wir wollen es auch mit Blick auf die Schweigeminute langsam angehen lassen“, hatte Markus Martin angekündigt. Nun ist die Partie eine halbe Stunde vorbei. Getrommelt wird immer noch. Die Fans wollen die Spieler sehen, und einer nach dem anderen kommt der Aufforderung ohne lange zu überlegen nach.

In der Nähe des Kabinentrakts lehnt derweil Drache Henner an der Stahlkonstruktion, die die Haupttribüne trägt. Vor allem die kleinen Fans sollen nicht erkennen, wer in der Verkleidung steckt. Hier ist das möglich. „Ich bin klatschnass“, sagt er, als er sich dem Kopfteil seines Kostüms entledigt hat. Auch er hat alles gegeben. Vollgas nämlich.

MT Melsungen siegt gegen die Rhein-Neckar Löwen

Rubriklistenbild: © Schachtschneider

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