MT erstmals die Nummer eins

MT Melsungen mit mehr Zuschauern als Huskies und Löwen, aber nur im Schnitt

Kassel. Eine Wachablösung im nordhessischen Spitzensport ist es nicht. Aber die Handballer der MT Melsungen sind nun nicht nur sportlich, sondern nun auch bei den Fans erstmals die Nummer eins in der Region - beim Zuschauerschnitt.

Mit 3835 Besuchern in der Kasseler Rothenbach-Halle führt der Bundesligist mit Europapokal-Qualifikation nun die Rangliste an vor Zweitliga-Eishockeymeister Kassel Huskies (3646) und Fußball-Viertligist KSV Hessen Kassel (2109). Insgesamt aber bleiben die Huskies mit 120 315 Besuchern in 33 Heimspielen ganz klar die Nummer eins übers Jahr gesehen mit doppelt so vielen Fans wie die MT (61 360) und mehr als dreimal so vielen wie der KSV (35 857). Eine Bestandsaufnahme und Analyse.

MT Melsungen

2005 bestritt die MT Melsungen noch in Rotenburg ihr Bundesliga-Debüt, seit Dezember 2007 ist das Team in Kassel aktiv. Die Premiere gegen Kiel war mit 4300 Zuschauern auf Anhieb ausverkauft, doch danach dauerte es sehr lange, bis die sportliche Steigerung der MT von den Sportfans der Region angenommen wurde und sich die kontinuierliche Aufbauarbeit in Struktur und Umfeld auszahlte. 2280 nur betrug der Zuschauerschnitt 2010/11, und der Aufschwung und die Mobilisierung der Fans bedurfte vielfältiger Aktionen, großen Durchhaltevermögens, kostete viel Mühe und noch mehr Freikarten.

In dieser Saison aber zahlt sich das nun aus. Der Zuschauerschnitt wurde von 3039 um 796 gesteigert auf 3835 - ein Plus von 26 Prozent! Nur Berlin (+805) steht in der Bundesliga noch besser da, Gummersbach (+745) und Hannover (+612) haben ähnliche Zuwächse. Seit dem ausverkauften Heimspiel gegen die Löwen am 21. November kamen beständig mehr als 4000 Fans zu den Heimspielen der MT, insgesamt achtmal (!) und sogar gegen „graue Mäuse“ der Liga wie Balingen war die Rothenbach-Halle voll besetzt. Insgesamt kamen 61 360 Besucher zu den 16 Heimspielen.

Kassel Huskies

Die sportliche Entwicklung der Huskies schon im zweiten Jahr nach dem Aufstieg in die DEL2 ist sensationell. Die Zuschauerzahlen aber gehen damit nicht ganz einher. Zu den 26 Heimspielen der Hauptrunde kamen insgesamt 84 595 Besucher, das sind 6435 weniger als im Jahr zuvor. Der Schnitt sank von 3501 auf 3254. In den Playoffs zog das Interesse naturgemäß stark an auf einen Schnitt von 5103 Besucher, sodass die Saisonbilanz mit 104 061 und 3646 gegenüber dem Vorjahr noch ein leichtes Plus ausweist (3588 / +58).

Auffällig bei den Huskies: Für die Oberliga-Runde 12/13 haben die damaligen Macher um Stefan Traut einen Schnitt von 4035 Besuchern ausgewiesen. Damals scheiterte das Team im Playoff-Finale gegen Bad Nauheim. Damals war die Eissporthalle in acht Spielen (fünfmal gegen Frankfurt, dreimal gegen Bad Nauheim) voll besetzt. Jetzt, in der vergangenen DEL2-Meisterrunde, war immerhin eine Partie ausverkauft - das letzte Finalspiel gegen Bietigheim.

KSV Hessen Kassel

Keine Frage, die Löwen sind der große Verlierer der letzten Jahre. Noch in der Saison 2012/13 war der KSV Hessen mit einem Schnitt von 3489 Besuchern pro Heimspiel im Auestadion und insgesamt 62 800 die Nummer eins der Fußball-Regionalliga. In der Runde 2014/15 kamen nur noch die Hälfte: 1796 im Schnitt und 30 534 pro Spiel. Vor diesem Hintergrund ging es zuletzt sogar aufwärts beim jahrzehntelangen Nordhessen-Krösus mit 2109 und 35 857 Zuschauern. Im Schnitt immerhin ein Plus von 313.

Und: Die Löwen hatten auch zum Überleben existenziell wichtigen Zahltage - im DFB-Pokal gegen Hannover (18 482), in den Freundschaftsspielen gegen den HSV (12 000) und gegen Köln (5104).

Perspektive

Der KSV Hessen galt viele Jahre als schlafender Riese. Wie soll man ihn nun bezeichnen? Obwohl er als einziger des Nordhessen-Trios eine von der öffentlichen Hand betriebene Sportstätte nutzt, lässt die unsichere sportliche Zukunft bei den Einnahmen keine Besserung erwarten.

Die Huskies arbeiten solide, kontinuierlich sowie nun auch ohne Skandale in ihrem Fünfjahresplan - und eilen der Vorgabe sogar voraus. Ihr Problem sind die überalterte Halle, die höchsten Ticketpreise, die Fragen nach der wirtschaftlichen und sportlichen Perspektive.

Die MT Melsungen ist in der Struktur, beim Personal und auch wirtschaftlich nicht zuletzt dank Barbara Braun-Lüdicke und ihrer Kontakte am besten aufgestellt - professionell. Und: Im Europapokal kann die Euphorie weiter gehen.

Reaktionen der Verantwortlichen

Geerken: Stolz auf Entwicklung

Axel Geerken, Vorstand der MT Melsungen: „Das ist eine schöne Entwicklung, und natürlich sind wir auch stolz darauf. Eine Steigerung von fast 26 Prozent in dieser Saison ist phänomenal. Der sportliche Erfolg ist eben der absolut wichtigste Indikator, wenn es zum die Akzeptanz der Fans geht.

Aber jetzt werden wir auch belohnt für die kontinuierliche Arbeit und die vielen Investitionen in den letzten Jahren. Das geht weit über Monetäres hinaus, betrifft Manpower, Strategien, Strukturen und die Außendarstellung. Ja, wir sind schon recht präsent in Nordhessen, die Menschen nehmen uns mehr und mehr wahr. Und sie merken, dass wir viel drumherum tun.“

Gibbs: Sind sehr zufrieden

Joe Gibbs, Geschäftsführer der Kassel Huskies: „Wir hatten die vergangene Saison mit 3000 Zuschauern im Schnitt kalkuliert, nun liegen wir weit darüber. Also können wir sehr zufrieden sein mit dem Zuspruch unserer tollen Fans. Für uns macht der Vergleich des Zuschauerschnitts nicht viel her, das ist ein Vergleich von Äpfeln mit Birnen - auch aufgrund der offenbar eingerechneten Freikarten.

Für uns ist die Zahl am Ende der Saison entscheidend. Und die stimmt, da stehen wir mit großem Vorsprung auch weiterhin als die Nummer eins in Nordhessen da. Wir bieten ein gutes Produkt an, und das wird von unseren Fans absolut honoriert.“

Pfennig: Ziehe Hut vor Melsungen

Torsten Pfennig, Geschäftsstellenleiter des KSV Hessen Kassel: „Ich ziehe den Hut vor den Melsungern, sie sind absolut professionell, gegen Vollgas und sind super aufgetsellt. Es hat mir leid getan, dass ihr Erfolg über so lange Zeit in Nordhessen nicht angekommen ist. Unsere Möglichkeiten beim KSV sind weitaus beschränkter, dennoch haben wir inder letzten Saison etwas bewegt. Bis zum Herbst hatten wir noch einen Schnitt von 3000 Zuschauern, aber dann waren wir wie in den Jahren zuvor wieder zu früh im Niemandsland der Tabelle und damit erneut zu weit entfernt vom Erreichen unserer Ziele. Zudem fehlen dieser Regionalliga die Zugpferde und die Spannung.“

Rubriklistenbild: © Fischer/HNA

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