MT Melsungen mischt oben kräftig mit

Wieder an der Spitze mit dem THW Kiel: Trainer Alfred Gislason. Fotos:  dpa

Kassel. Die MT Melsungen hat sich in der Spitzengruppe der Handball-Bundesliga festgesetzt. Plötzlich mischen die Nordhessen im Titelrennen mit. Ist die MT reif für die Meisterschaft?

Bereits im Dezember war sich Stefan Kretzschmar sicher: Mit den Melsunger Handballern sei zu rechnen. „Der vierte Platz ist realistisch“, sagte der Ex-Nationalspieler seinerzeit im Interview dieser Zeitung. Der Experte sollte recht behalten. Spätestens seit dem famosen Derbysieg gegen Wetzlar am Samstag mischt die MT in der Bundesliga oben kräftig mit. Die Mannschaft von Trainer Michael Roth hat sich in den Top vier festgesetzt.

Die MT Melsungen plötzlich im Titelrennen? Der Blick auf die Tabelle verrät zumindest, dass sich die Nordhessen in bester Lauerstellung befinden. Gerade einmal vier Punkte sind es bis zur Tabellenspitze. Auf jeden Fall können sie im Kampf um die Meisterschaft das Zünglein an der Waage sein. Denn die drei weiteren Anwärter haben es allesamt noch mit der MT zu tun. Im Mai gastiert erst die SG Flensburg-Handewitt und dann der THW Kiel in der Kasseler Rothenbach-Halle. Und bereits an diesem Donnerstag reisen die Melsunger nach Mannheim zum Topspiel gegen die Rhein-Neckar Löwen.

Von daher stellt sich die Frage: Ist die MT schon reif für die Meisterschaft? Was dafür und was dagegen spricht:

Dafür

• Die Defensive: Sowohl MT-Schlussmann Johan Sjöstrand als auch die Abwehr präsentieren sich in bestechender Form. Die Abstimmung zwischen Deckung und Torwart läuft nahezu reibungslos. Entweder blocken Felix Danner, Philipp Müller und Co. die gegnerischen Würfe reihenweise ab, und wenn doch ein Ball durchkommt, ist der Schwede zur Stelle. Mit einer Quote von 36 Prozent gehaltener Balle führt Sjöstrand die Ligastatistik dieser Saison vor Europameister Andreas Wolff an.

• Der Lauf: Ein starker Auftritt in Berlin, ein bärenstarker in Lemgo und die Galavorstellung gegen Wetzlar - Melsungen hat nach der EM-Pause einen beeindruckenden Start hingelegt. Das Team hat einen Lauf. Selbst das Viertelfinal-Aus im Pokal am vergangenen Mittwoch warf die MT nicht aus der Bahn. Nur drei Tage später spielte sie sich im Hessenderby in einen regelrechten Rausch.

• Die Außenseiterrolle: Die MT Melsungen kann befreit aufspielen. Im Rennen um die Qualifikation für den Europapokal läuft es bestens. Alles Weitere über das anvisierte Saisonziel hinaus ist Bonus. Melsungen ist Außenseiter, spürt keinen Druck und hat zudem keine Doppelbelastung wie die drei anderen Titelanwärter.

Dagegen

• Die Unerfahrenheit: Die Melsunger Mannschaft hat noch nicht so oft um einen wichtigen Titel mitgespielt. Im Pokal ist das Team von Trainer Michael Roth zweimal im Halbfinale gescheitert, im Europacup war im Viertelfinale Endstation. Für Kiel und Flensburg sind diese Drucksituationen indes nichts Neues mehr. Auch die Löwen haben mittlerweile eine gewisse Routine bekommen, auch wenn es für sie noch immer nicht den großen Erfolg zu feiern gab.

• Der fehlende Ausnahmekönner: Zwar hat die MT in Kapitän Michael Müller und Patrik Fahlgren hervorragende Strategen. Was dem Team aber noch fehlt, ist ein Rückraumspieler, der an einem Tag auch mal den Unterschied machen kann. Kiel hat Domagoj Duvnjak, bei den Löwen hält der Schweizer Regisseur Andy Schmid alle Fäden in der Hand, und Flensburg kann sich auf Rasmus Lauge Schmidt verlassen.

• Die lange Pause: Nach der Partie gegen Magdeburg Mitte März wird Melsungen viereinhalb Wochen ohne Pflichtspiel sein. Trotz einiger freundschaftlicher Vergleiche wird es dann schwer werden, im Rhythmus zu bleiben.

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