Für und Wider:

Sicherheit – oder falsches Signal? MT stellt Weichen für kommende Saison

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Er steht bereits als Neuzugang für Melsungen fest: Tobias Reichmann (hier im deutschen Nationaltrikot) kommt im nächsten Sommer aus Kielce/Polen.

Kassel. Die Saison in der Handball-Bundesliga ist gerade einmal fünf Spieltage alt, da bastelt die MT Melsungen schon fleißig an der Mannschaft – für die kommende Saison.

Die Verpflichtung von Nationalspieler Tobias Reichmann für Sommer 2017 wurde bereits vor der Serie verkündet, am Donnerstag gaben die Melsungen nun bekannt, dass auch Europameister Finn Lemke im kommenden Jahr zur MT stoßen wird.

Das Vorgehen wirft die Frage auf, wie eine solch frühzeitige Kaderplanung zu bewerten ist – und welche Folgen sie hat. Melsungens Trainer Michael Roth ist Planungssicherheit für beide Seiten ganz wichtig: „Wenn ein Entschluss gefallen ist, gibt es bei mir kein Taktieren.“ Er räumt ein, dass es manchmal harte Entscheidungen gibt – wie bei Johannes Sellin und Momir Rnic, die im nächsten Sommer für Reichmann und Lemke gehen müssen.

Mit der Thematik an sich beschäftigt sich Roth nicht. „Wenn ich das täte“, erläutert der Coach, „würde ich am Charakter der Spieler zweifeln. Und ich weiß, dass sich alle Jungs bis zum letzten Tag voll reinhängen werden.“

Im folgenden haben wir einmal Argumente für und gegen die MT-Vorgehensweise zusammengestellt.

DAS FÜR:

Die Möglichkeit der ungestörten Vorbereitung:  Fußballer Hanno Balitsch hat als ZDF-Experte kürzlich die frühen Trainerentlassungen in der Fußball-Bundesliga damit begründet, dass die Mannschaften immer später zusammengestellt würden und ein Trainer vor dem Saisonstart immer weniger Zeit bekäme, ein Team mit all den Neuzugängen zu formen. Im Umkehrschluss bedeutet das: Je früher eine Mannschaft steht, desto besser ist das für Trainer und Training. Insofern macht die MT alles richtig, wenn sie dem Trend entgegnet, der zumindest im Fußball offenkundig ist, und alles regelt, bevor die Vorbereitung startet. Die kann dann ungestört von Vertragsverhandlungen und Gerüchten über weitere Neuverpflichtungen ablaufen.

Der faire Umgang mit den Spielern: So hart das auch für jene ist, die keinen neuen Vertrag bekommen und jetzt schon wissen, dass sie durch jemand anderen ersetzt werden: Die frühzeitige Planung macht das Leben auch für die Abgänge leichter. Sie haben lange Zeit, sich einen neuen Verein zu suchen und sich durch gute Leistungen zu empfehlen.

Der Faktor Prestige: Wer zu einem frühen Zeitpunkt der Saison mit solchen Personalien aufhorchen lässt, zeigt der Konkurrenz: Wir wollen uns weiter verbessern. Noch dazu sind Namen nun einmal Nachrichten. Der Spielplan der Handball-Bundesliga ist teilweise so angelegt, dass es schon in den ersten Wochen unfreiwillige Pausen gibt. Diese müssen sinnvoll gefüllt werden: Wer Verträge verkündet, über den wird geredet – und die Fans lechzen nach interessanten Informationen aus dem Lager ihres Lieblingsklubs.

DAS WIDER:

Das falsche Signal: Mit der frühzeitigen Planung lenkt die MT den Fokus zwangsläufig auf die neue Saison. Die Verpflichtungen der Europameister Reichmann und Lemke sorgen jetzt schon für eine große mediale Aufmerksamkeit, obwohl beide erst in knapp einem Jahr kommen. So entsteht der Eindruck, die aktuelle Serie sei nur eine Art Übergang. Dazu passen die bisherigen Ergebnisse, die nicht gerade darauf schließen lassen, die MT würde eine ähnlich gute Rolle spielen wie in der vergangenen Saison mit Platz vier.

Das Problem mit Motivation und Identifikation:  Guter Charakter hin, guter Charakter her – wenn ein Spieler weiß, dass ihn der Verein für die Zukunft nicht mehr für gut genug hält, ist das nicht gerade förderlich für die Motivation. Am Ende könnten gerade die paar Prozent fehlen, die in einem engen Spiel den Unterschied machen. Mit dem Wissen um das sichere Ende schwindet letztlich auch die Identifikation mit Verein und Umfeld.

Die Unruhe im Umfeld: Natürlich wird hinter verschlossenen Türen verhandelt. Doch die Gespräche mit potenziellen Neuerwerbungen bleiben auf diesem Niveau nicht im Verborgenen. Auch Gönner und Zuschauer bekommen etwas mit und konfrontieren die Spieler, deren Verträge erst nach der Saison auslaufen, mit diesen Informationen. Das sorgt durchaus für Aufruhr in der Mannschaft.

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