MT-Zwillinge im Interview

Michael und Philipp Müller: „Wir verlieren äußerst ungern“

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Unverkennbar Zwillinge: Die MT-Handballer Michael (links) und Philipp Müller.

Kassel. Michael und Philipp Müller gehen in ihre vierte Bundesliga-Saison mit der MT Melsungen. Im Interview sprechen die Zwillinge über ihre Karriere und die anstehende Spielzeit.

Es geht wieder los. Mit der ersten Runde im DHB-Pokal endet für die Handballer der MT Melsungen die Vorbereitungszeit. Eine Woche später folgt der Auftakt in der Bundesliga. Mit dabei sind natürlich Michael und Philipp Müller. Die Zwillinge sind aus dem Team von Trainer Michael Roth nicht mehr wegzudenken. Außerdem feiern die Brüder in dieser Saison ein kleines Jubiläum.

Wissen Sie noch, was vor zehn Jahren war?

Michael Müller: Keine Ahnung. Ist die MT da in die erste Liga aufgestiegen?

Da begann Ihre Karriere in der Bundesliga ...

Philipp Müller: Ist das jetzt schon zehn Jahre her?

Michael Müller: Die Zeit verging wirklich ratzfatz. Allein die drei Jahre bei der MT verliefen rasend. Ich möchte das alles nicht missen. Wir haben viele Erfahrungen gesammelt, waren an vielen Orten, hatten viel Spaß. Das Gute daran: Die Zeit ist noch nicht zu Ende.

Philipp Müller: Man merkt schon, dass man ein Weilchen dabei ist. Vor allem dann, wenn junge Kollegen wie Johannes Golla einem vor Augen führen, dass da im Grunde zwei Generationen auf der Platte stehen.

Was hat sich seit Ihrem Start in Großwallstadt geändert?

Philipp Müller: Früher ging’s ruppiger zu. Das hatte manchmal etwas von Hauruck. Handball ist technischer geworden und mehr von Taktik geprägt.

Michael Müller: Und das Spiel ist athletischer geworden. In Großwallstadt hatten wir zwar denselben Trainer wie heute. Aber der Handball ist professioneller geworden. Nehmen wir unsere Vorbereitung. Früher galt das Motto: Mehr ist mehr. Heute wird gezielter und damit auch effektiver trainiert.

Eine große Veränderung gibt es bei Philipp. Da sitzt mit Sohn Lasse ein Familienmitglied mehr auf der Tribüne, oder nicht?

Philipp Müller: Na ja, Lasse ist noch nicht mal ein Jahr alt und hat bislang kein Spiel komplett geguckt. Entweder war er eingenickt, oder es war ihm zu laut. Aber es ist schön, einen Fan mehr zu haben.

Wird er auch mal Handballer?

Philipp Müller: Bei der Familie ist es naheliegend. Aber das soll er selbst entscheiden.

Michael, inwieweit hat sich Ihr Bruder verändert, seit er Vater ist?

Michael Müller: Er war immer ein gern gesehener Gast bei unserem Stammtisch, aber da hat er nun wichtigere Aufgaben. Seine Prioritäten haben sich etwas verschoben. Und auf dem Feld ist er weniger Hitzkopf, als er es vorher war.

Einige Fans sagen: Ohne die Müllers stünde die MT nicht so gut da. Was sagen Sie selbst?

Michael Müller: Wir können kein Spiel zu zweit gewinnen. Aber in den drei Jahren, in denen wir hier sind, haben wir eine Mentalität mitentwickelt. Das heißt: Wir geben nie auf und kämpfen bis zum Schluss. Wir verlieren äußerst ungern - selbst beim Fußball im Training. Das leben wir.

Inwieweit passt die Bezeichnung Integrationsbeauftragte?

Philipp Müller: Früher wurden wir an die Hand genommen, nun ist es für uns selbstverständlich, etwas zurückzugeben. Wir sind zudem gesellige Vertreter. Ich hasse es, wenn neue Spieler in die Kabine kommen, und dann peinliches Schweigen herrscht. Zu uns kann jeder kommen.

Es ist Ihre vierte Saison. Werden Sie noch verwechselt?

Michael Müller: Gerade eben erst. Wenn man allein vor der Wohnung des Bruders steht, wird man herzlich begrüßt. Meistens kann man uns aber ganz gut auseinanderhalten.

Zwillingen wird ein besonderes Verhältnis nachgesagt. Wie ist das bei Ihnen?

Michael Müller: Das gibt es wirklich. Man leidet schon mehr mit dem kleinen Bruder, wenn es ihm schlecht geht.

Philipp Müller: Wenn wir zusammen auf dem Feld stehen, sehe ich, was er macht, und weiß genau, was ich machen muss. Das erkennen Außenstehende gar nicht. Wir spielen allerdings auch schon 20 Jahre zusammen.

Nächste Woche beginnt die Bundesliga-Saison. Welche Erwartungen haben Sie?

Philipp Müller: Erst einmal müssen wir auf Johan Sjöstrand und Marino Maric verzichten. Unser Auftaktprogramm finde ich auch eher schlecht: Wir starten gegen die Aufsteiger Coburg und Erlangen, die werden vor Leidenschaft brennen. Nichtsdestotrotz sind wir die Favoriten. Wir brauchen einen guten Start. Aus der Vorsaison wissen wir: Sobald einige Spieler ausfallen, kann es schnell in eine andere Richtung gehen.

Apropos: Die Vorsaison war die erfolgreichste der Klubgeschichte. Steigt da der Druck, oder gibt das sogar Auftrieb?

Michael Müller: Man muss ein bisschen Druck aus dem Kessel nehmen. Platz vier war sensationell, und ich freue mich riesig auf Europa. Aber man muss sehen: Zwischen den Rängen vier und neun ist der Abstand nicht so groß. Natürlich kann man sagen, dass man den Europacup oder den DHB-Pokal gewinnen möchte. Ich halte von solchen Aussagen aber nichts. Es ist verdammt schwer, über eine ganze Saison ein Top-Niveau zu halten.

Los geht es am Samstag im Pokal. Wie stehen die Chancen?

Michael Müller: Wir haben vergangene Saison gezeigt, dass wir gegen Teams, die hinter uns stehen, konzentriert zu Werke gehen. Ich mache mir keine großen Sorgen - wir sind sehr gefestigt und gut drauf.

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