Reportage

MT-Jungs feiern in Joe's Garage den Final-Einzug der deutschen Handballer

MT-Tross in Joe’s Garage: Torwart René Villadsen (von links), Teamarzt Dr. Gerd Rauch, Physiotherapeutin Jenny Bajerke, Timm Schneider, MT-Fan Kathrin Walmanns, Kapitän Michael Müller, Nachwuchs-Keeper Maurice Paske und Michael Allendorf. Foto: Hedler

Kassel. In diesen Tagen wird viel von Handball-Euphorie geredet. Wer am Freitagabend in der Kasseler Kultkneipe „Joe’s Garage“ zu Gast ist, macht hautnah die Erfahrung, was genau hinter diesem Begriff steckt. Die Lokalität platzt aus allen Nähten. Die Luft ist zum Schneiden. Sitzplätze? Fehlanzeige.

Wer nicht rechtzeitig eintrudelt, muss sich das Halbfinale der deutschen Handballer gegen Norwegen bei der Europameisterschaft in Polen im Stehen angucken. Aber wer will schon sitzen an diesem Abend?

Für die Bundesliga-Handballer der MT Melsungen gibt es einen reservierten Bereich. „Wir sind stolz, dass die MT heute hier ist“, sagt Dirk van der Werf, der Inhaber des Rock-Cafes, und fügt augenzwinkernd hinzu: „Die Jungs sind vorbildlich und trinken nur alkoholfreie Getränke.“ Naja. Die Gläser und Flaschen auf den Tischen sprechen da eine andere Sprache. Aber wer will diesen Abend schon ohne ein Bierchen durchstehen? Die MT-Jungs jedenfalls nicht. Und die zahlreichen Fans in der Garage erst recht nicht. Deutschland-Schals, Trikots und ganz viel Anspannung - hier herrscht eine Atmosphäre wie zu Zeiten einer Fußball-WM.

Aus den Lautsprechern dröhnt die Band De Höhner mit ihrem WM-Song von 2007 „Wenn nicht jetzt, wann dann“. Ein gutes Omen? Auf jeden Fall zieht das deutscheTeam Mitte der ersten Halbzeit erst mal davon. Als Rune Dahmke zum 7:5 trifft, nickt Michael Allendorf anerkennend. Wäre er nicht verletzt, hätte der Melsunger womöglich in diesem Moment in Krakau auf der Platte gestanden. „Ich gebe zu, dass es manchmal schon ein bisschen wehtut, die Jungs da zu sehen“, sagt der MT-Linksaußen. Gleichwohl freue er sich riesig für die junge Truppe.

Wie Allendorf fiebern alle MT-Jungs mit. „Ich bin schon ziemlich angespannt“, sagt Kapitän Michael Müller und nimmt einen kräftigen Schluck. René Villadsen hingegen - er ist Däne - kann diese Partie gelassener verfolgen. Nach der Niederlage seiner Landsleute gegen die DHB-Auswahl am Mittwoch sagt der MT-Torwart: „Jetzt soll Deutschland Europameister werden. Verdient hätten es die Jungs. Sie spielen ein tolles Turnier.“

Gegen Norwegen machen es die besagten Jungs an diesem Freitagabend allerdings besonders spannend. Und dieses Kribbeln während des Halbfinal-Krimis lässt sich an den MT-Spielern förmlich ablesen. Allendorf haut auf den Tisch, Müller kratzt sich am Bart, und Timm Schneider ordert erst mal ein neues Getränk. Nerven beruhigen. Funktioniert aber nicht wirklich bei diesem packenden Spiel. Melsungens Hallensprecher Bernd Kaiser hält es gar nicht mehr aus und verbringt die Verlängerung vor der Tür.

Spieler und Trainer der MT Melsungen schauen Handball-Halbfinale in Joes Garage

Dann trifft Kai Häfner. Norwegen nicht mehr. Deutschland steht im Finale, und Joe’s Garage Kopf. „We are the Champions“ scheppert durch die Kneipe, die einen beginnen zu feiern, andere schauen sich noch ungläubig an. Auch in der MT-Ecke löst sich die Anspannung, Müller pustet ordentlich durch, Schneider umarmt seine Frau Mona. Der Schlusskommentar gehört allerdings Michael Allendorf. Der sagt nur: „Wahnsinn!“

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