MT-Handballer: „Stehen nicht ohne Grund da oben“

Kämpferisch: der Melsunger Timm Schneider Foto: Hübner

Magdeburg. Wer wissen will, wie der Gemütszustand der Spieler nach einem echten Handball-Krimi ist, der riskiert einen Blick in den langen Kabinengang der Magdeburger Getec-Arena.

Als die deutsche Nationalmannschaft 2014 die direkte Qualifikation für die WM in Katar verpasst hatte, lehnte der damalige Bundestrainer Martin Heuberger mit feuchten Augen an der Wand. Geheult haben sie am Sonntag freilich nicht, die Bundesliga-Profis der MT Melsungen. Doch ihre Mundwinkel passten zur Uhrzeit, als sie vor ihrer Umkleide auf dem Boden kauerten: Es war 20 vor 5 am Nachmittag.

„Das ist heute noch schlimmer als damals mit dem Nationalteam“, erklärte Felix Danner fassungslos. Zwar hatten die Nordhessen mit dem 28:28-Unentschieden beim SC Magdeburg einen Punkt geholt und damit den Nimbus der Unbesiegbarkeit in fremden Hallen gewahrt. Die Erkenntnis aber, dass sie gefühlt schon 30 Zentimeter vor der Ziellinie waren und dann gerade einmal zeitgleich mit dem Gastgeber ankamen, schmerzte zunächst gewaltig. „Ich bin extrem enttäuscht“, sagte Mannschaftsführer Michael Müller, „in der letzten Minute muss man so lange spielen, bis der Schiedsrichter den Arm hebt und Zeitspiel droht.“

Wenn die Melsunger beim Stand von 28:26 nur einmal ein Foul des Gegners provoziert hätten, wären es zwei Punkte für den Tabellendritten geworden. Wäre die Rückkehr auf den zweiten Rang gelungen. Vor allem aber hätten sie den gerechten Lohn für einen über weite Strecken couragierten und engagierten Auftritt erhalten. „Die Leute an den Bildschirmen haben gesehen, dass wir nicht ohne Grund da oben stehen“, stellte Roth klar und hob als einer der ersten wieder den Kopf. Klar: Sein Team hatte die bessere Torwartleistung, eine großartige zweite Hälfte geboten und sich auch von den vielen Zeitstrafen nicht aus dem Rhythmus bringen lassen. „Wenn ich Melsungen mit der Mannschaft vom letzten Jahr vergleiche, dann steht da ein richtig starkes Team auf dem Feld“, lobte sogar SCM-Geir Sveinsson den Kontrahenten. Bezeichnend für den überzeugenden Auftritt der MT war das Tor von Marino Maric zum zwischenzeitlichen 20:16, als Regisseur Timm Schneider den Ball trotz drohenden Zeitspiels gekonnt zum Kreisläufer beförderte (36.).

Ihre Auswärtsstärke wollen die Melsunger auch am Mittwoch ab 19 Uhr im DHB-Pokalachtelfinale bei der TSV Hannover-Burgdorf unter Beweis stellen. „Wir spielen in diesem Jahr nur in zwei Wettbewerben und wollen wieder nach Hamburg“, betont Michael Müller. Es fehlen nur noch zwei Siege, um zum vierten Mal in der Vereinsgeschichte beim Finalturnier an der Alster dabei zu sein. Bleibt nur die Frage, wie lange es dauert, bis der Punktverlust in Magdeburg verdaut ist. „Bis Montagabend“, mutmaßte Danner, „sollte das Erlebnis aus den Köpfen sein.“

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