Bislang mehr Zuschauer im Schnitt als kalkuliert

MT-Torwart Sjöstrand glänzt bei Sieg über Leipzig

Ein großartiger Rückhalt: MT-Torwart Johan Sjöstrand. Foto: Fischer

Kassel. Er steht nicht gern im Mittelpunkt. Falls möglich, sucht MT-Torwart Johan Sjöstrand auch schon mal recht schnell die Abgeschiedenheit der Melsunger Kabine nach einem Heimspiel.

Nach dem souveränen 31:23-Erfolg in der Handball-Bundesliga gegen den SC DHfK Leipzig war der Schwede so schnell von jungen Autogrammjägern umringt, dass er das Parkett nicht so rasch verlassen konnte. Bereitwillig ließ er sich mit jedem Kind ablichten, das ein Foto wollte. Mit ihm, dem Ausnahmekönner zwischen den Pfosten. Nicht nur das blieb von diesem Nachmittag in Erinnerung:

DER TEUFELSKERL

17 Paraden zeigte Sjöstrand und avancierte so im letzten Spiel des Kalenderjahres einmal mehr zu einem der Sieggaranten. Der gute Abschluss eines Jahres, in dem der blonde Hüne auch viele bittere Tage erlebte. Er war nach der WM im Januar in Katar an Maltafieber erkrankt, fiel monatelang aus und erlebte seinen Abschied vom Meister THW Kiel von der Tribüne aus. Bei der MT präsentiert er sich so, als hätte es diese Leidensgeschichte nie gegeben.

„Ich bin zufrieden mit meiner Leistung, fühle mich so gut wie zu meinen besten Zeiten“, sagte Sjöstrand nach seinem großartigen Auftritt gegen Leipzig, „und, nein, ich hätte nicht gedacht, dass es schon so gut laufen würde.“ Am Sonntag skandierten die Anhänger auf der Stehtribüne „Johan, Johan“, weil der 28-Jährige viele schwierige Würfe entschärfte und einige Tempogegenstöße der Gastgeber einleitete. Als er dann doch endlich Richtung Kabine schlendern durfte, riefen ihm Zuschauer wieder und wieder zu: „Fantastisch gehalten.“

Jetzt kann er ein paar Tage regenerieren: erst bei seinen Eltern in der Heimat, dann mit Freunden in Paris. Am Montag, 11. Januar, geht es für ihn und die Melsunger Kollegen ins Trainingslager nach Fuerteventura – Start in die Vorbereitung der Restrunde. Ein Quintett wird dann voraussichtlich fehlen: die beiden Deutschen Michael Allendorf und Johannes Sellin, der Serbe Momir Rnic, der Kroate Marino Maric und der Niederländer Jeffrey Bommhouwer, die mit ihren jeweiligen Nationalteams im Einsatz sind.

DER KALTSCHNÄUZIGE

Rnic, der bereits heute mit seinem Team in der EM-Testphase gegen Rumänien ranmuss, hatte zunächst vor allem die wichtigen Treffer aus dem Rückraum markiert. Nachdem Sellin einen Strafwurf vergeben hatte, übernahm der wurfgewaltige Angreifer auch von der Siebenmeterlinie aus Verantwortung.

„Michi Allendorf war ja gerade gefoult worden und hat mir gesagt, ich soll’s machen, und Philipp Müller hat mich auch ermutigt, die Siebenmeter zu werfen“, berichtete Rnic. Zudem erhielt er viel Applaus, als er sich zur entsprechenden Markierung aufmachte. Klar, die Fans hatten nicht vergessen, dass derartige Chancen gegen Hannover-Burgdorf von den Kameraden ausgelassen wurden. Der Ex-Göppinger verwandelte alle vier Strafwürfe dagegen gekonnt.

DIE BEGEISTERUNG

„Man hat auch gegen Leipzig gesehen, dass uns zum Ende des Jahres etwas die Körner ausgegangen sind“, sagte MT-Coach Michael Roth, „wir waren aber trotzdem bissig.“ Das erkannten auch die eigenen Fans an. Dabei war die Halle – fast genau acht Jahre nachdem die MT aus Rotenburg nach Kassel umgezogen ist – bereits zum dritten Mal in dieser Runde mit 4300 Besuchern ausverkauft. Das gab es zu diesem Zeitpunkt noch nie. „Die MT steht für Attraktivität“, betont Manager Axel Geerken, „die Menschen honorieren die nachhaltige, kontinuierliche Arbeit. Viel hängt natürlich mit den guten Ergebnissen zusammen.“ Im Schnitt kamen bislang 3591 Zuschauer zu den zehn Heimspielen. Kalkuliert wurde mit 3500 Fans. Ein Grund für die erfreuliche Entwicklung ist auch beim Tausendsassa im MT-Tor zu suchen.

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