MT-Trainer Roth zur Startpleite: "Kollektiv versagt"

Enttäuschung pur: Philipp Müller von der MT Melsungen. Foto:  Schachtschneider

Kassel. Die Auftaktniederlage in der Bundesliga gegen Coburg sitzt bei den Handballen der MT Melsungen immer noch tief. Trainer Michael Roth spricht von kollektivem Versagen.

Wer am Sonntag in die Gesichter der Melsunger Handballer blicke, sah sofort, dass etwas mächtig schiefgelaufen war. Bereits wenige Minuten vor dem Ende der Bundesligapartie zwischen der MT und dem HSC Coburg hatte Philipp Müller seinem Frust freien Lauf gelassen - der Melsunger trat an den eigenen Torpfosten. Die Nordhessen präsentierten sich beim 20:25 (10:11) gegen den Aufsteiger aus Oberfranken in erschreckendem Zustand. Kein Wunder, dass MT-Trainer Michael Roth von einem „kollektiven Versagen“ sprach.

Auch einen Tag nach diesem Auftakt mit Schrecken befand sich der Melsunger Coach in einer Art Schockzustand. Roth sagt: „Das Aufwachen am Morgen danach ist das Schlimmste. Da fragst du dich: Ist das wirklich passiert?“ Und ob das passiert ist. Eine Bestandsaufnahme:

In der Defensive manchmal zu naiv

Natürlich wäre es einfach, die Schuld bei den Torhütern zu suchen. Sowohl Neuzugang Svetislav Verkic in der ersten als auch René Villadsen in der zweiten Hälfte erlebten nicht gerade einen Sahnetag. „Sie wurden oft kalt erwischt, sahen in manchen Situationen unglücklich aus“, sagt Roth. An den Schlussleuten habe es aber nicht gelegen. Den Trainer störte, dass sich seine Abwehrreihe manchmal zu naiv verhielt - vor allem bei den Zuspielen an den Kreis.

Ungeachtet dessen kassierten die Hausherren vor 3268 Zuschauern in der Rothenbach-Halle lediglich elf Treffer im ersten und 14 im zweiten Durchgang. „Damit kann man leben“, sagt Roth. Nur: Dann müssten seine Jungs eben drei bis vier Tore pro Halbzeit mehr erzielen als Coburg.

In der Offensive meistens zu fahrlässig

Damit sind wir beim Kernproblem. Aus dem Positionsangriff erzeugten die Melsunger nicht den Hauch von Gefahr. Der zählt ja ohnehin nicht zu ihrer Spezialität. Und selbst das sonst so gefürchtete Tempospiel führte nicht zum Erfolg. Sie seien nicht aus dem Quark gekommen, sagte Philipp Müller: „Und wenn es mal schnell wurde, sind wir mit klaren Chancen fahrlässig umgegangen.“ Nicht zuletzt erwischte Coburgs Jan Kulhanek genau jenen Supertag, auf den die Melsunger Torhüter vergeblich warteten.

Mehr als zehn Minuten benötigte die MT für ihr erstes Tor. „Eine Katastrophe“, sagt Roth, „so wächst beim Gegner das Gefühl: Hier geht was.“ Dabei waren die Oberfranken alles andere als unschlagbar. „Aber wir haben rumgeeiert und waren nicht in der Lage, mit unserer Qualität und Erfahrung das Spiel für uns zu entscheiden“, sagt Roth.

Sämtliche Probleme münden in einer Erkenntnis. „Der Grund für diesen Auftritt ist im mentalen Bereich zu suchen“, fasst der MT-Trainer zusammen. Vorbereitung gut verlaufen, verletzungsbedingte Ausfälle weggesteckt - ein Sieg wäre Pflicht gewesen, aber sie seien nicht voll konzentriert gewesen, lautet das Fazit des 54-Jährigen: „Vielleicht haben wir den Gegner auf die leichte Schulter genommen, vielleicht waren wir zu überheblich. Wir müssen uns jetzt alle hinterfragen.“

Die Euphorie, die vor dem Saisonstart herrschte, ist erst mal ausgebremst. Vor dem zweiten Spiel in Erlangen am Samstag steht die MT unter Druck. Noch so ein Auftritt, dann wird aus dem Auftakt mit Schrecken ein übler Fehlstart. Roth sagt: „Gegen Coburg hatten wir einen Blackout.“ Zumindest war das Spiel ein echter Weckruf.

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