Flensburger Durchbrüche Gift für wankelmütige Deckung

MT nicht auf den Punkt da -Applaus der Melsunger Fans trotz Niederlage

So blicken Verlierer drein: Der Gesichtsausdruck der Melsunger (von links) Momir Rnic, Michael Müller, Johannes Sellin, Johan Sjöstrand (hinter der Bank) und Patrik Fahlgren spricht Bände. Foto: Schachtschneider

Kassel. „Durchbrüche“ war das Wort des Abends. Die SG Flensburg-Handewitt exerzierte sie und Michael Roth, Trainer der MT Melsungen, ärgerte sich darüber.

„Wir haben einfach viel zu viele leichte Tore gekriegt, konnten die erste, zweite und dritte Welle des Gegners nicht verteidigen“, fand er schnell eine (schlüssige) Erklärung für die 25:32-Heimniederlage des heimischen Handball-Bundesligisten gegen den Titelanwärter.

„Spielerische Lösungen“ nannte Thomas Mogensen seine „Durchbrüche“, seinem Tanz durch die Melsunger Abwehrreihen, der von elf Treffern über außen durch Lasse Svan (7), Kentin Mahé (3) und Bogdan Radivojevic komplettiert wurde. Eine Spezialität des verletzten MT-Torwarts Johan Sjöstrand, der entsprechend vermisst wurde, nicht aber seines Vertreters René Villadsen, der von seinen Vorderleuten aber auch im Stich gelassen wurde. Weil sie die entscheidenden Zweikämpfen verloren. Weil sie, wie ihr Coach gestand, „nicht auf den Punkt da waren“.

So schien nur bis zum 9:9 (16.) das erhoffte Duell auf Augenhöhe möglich, ehe es zunehmend einseitiger wurde. Auch aufgrund der Tatsache, dass Flensburgs Schlussmann Mattias Andersson die Offensive der Gastgeber mit insgesamt 21 Paraden entnervte. Etwa Momir Rnic, der stark begann, dann aber „den Faden verlor“ (Roth).

Nur einem Melsunger schienen die bärenstarken Nordlichter zu liegen: Kreisläufer Marino Maric. Neun Treffer im Hin- und sechs im Rückspiel sind eine respektable Ausbeute, die den kroatischen Kreisläufer indes nicht glücklich machten: „Es lief einfach nicht. Nach dem guten Start haben wir die Ruhe und die Übersicht verloren.“ Das tat Maric insbesondere für die Fans leid, „die uns so fantastisch unterstützt haben“. In der Anfangsphase machten sie einen „unglaublichen Alarm“. Und in der 59. Minute, gerade als Nenad Vuckovic einen Angriffsversuch abgebrochen hatte, huldigten sie ihren Helden im Stehen. Christian Hildebrands Tor zum Endstand wurde danach fast wie ein Siegtreffer gefeiert.

„Fachkundig“ fand dies Roth, denn die Zuschauer hatten erkannt, dass ihre Mannschaft, die zumindest kämpferisch überzeugte, an einem überragenden Gegner gescheitert war. Der Gast war so fokussiert auf Ball und Gegner, dass er noch nicht einmal die Durchsage von Kiels Niederlage in Magdeburg mitbekam.

„Und wenn einer danach geklatscht hätte, hätte ich ihn ausgewechselt“, sagte SG-Trainer Ljubomir Vranjes. Der im übrigen von einem „Durchbruch“ im Titelkampf ob der Schlappe des Kontrahenten nichts wissen wollte. Aber lächelnd die Wünsche seines Kollegen zur Kenntnis nahm, dass Flensburg doch bitte als „lachender Dritter“ über die Ziellinie gehen solle. Weil sie eine „geile Mannschaft haben“. Was sie bei der MT eindrucksvoll unter Beweis stellten.

Schützenhilfe für Melsungen im Kampf um Europapokal-Qualifikation

Eigentlich war nichts passiert. Trotz der unerwartet hohen Heimniederlage gegen Flensburg-Handewitt. Denn Hannover-Burgdorf tat der MT Melsungen den Gefallen, die Füchse Berlin mit 25:22 zu schlagen. Damit hatte der heimische Handball-Bundesligist nicht nur seinen vierten Platz, der zur angestrebten Qualifikation für den EHF-Pokal nötig ist, sondern auch seinen Vier-Punkte-Vorsprung auf die Hauptstädter verteidigt.

„Das freut uns natürlich, doch wir können uns nicht immer auf die Konkurrenz verlassen“, erklärte MT-Trainer Michael Roth. Und fordert nun ein beherztes Auftreten inklusive des 19. Saisonsieges beim TVB Stuttgart (Sonntag, 17.15 Uhr). Wie sein Spielmacher Patrik Fahlgren: „Den gebrauchten Tag gegen Flensburg abhaken und ganz schnell nach vorn schauen.“

Die SG Flensburg-Handewitt, plötzlich wieder im Titelrennen, dürfte das leichter fallen. Einerseits. Andererseits hängen beim THW Kiel (Sonntag, 17.30 Uhr) die Trauben noch höher. Tabellenführer Rhein-Neckar Löwen schaut derweil zu, wer sein ärgster Verfolger wird.

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