Melsungens Trainer befeuert die Diskussion

Playoffs in der Handball-Bundesliga: Pro und Kontra

Gibt bei der MT den Takt vor und ist auch bundesweit ein gefragter Gesprächspartner: Trainer Michael Roth. Foto: Fischer

Kassel. Mal bezog Kiels Meistertrainer Alfred Gislason Stellung, dann Handball-Experte Stefan Kretzschmar, jetzt Melsungens erfahrener Coach Michael Roth. Genauso wie die beiden anderen Fachleute hat sich Roth beim Internetportal Spox.com für Playoffs in der Bundesliga ausgesprochen.

„Es ist Zeit, etwas zu verändern“, bestätigte der 52-Jährige gegenüber dieser Zeitung. Als Gründe sieht er die Überbelastung im Spitzenhandball und Möglichkeiten, die Klasse noch interessanter zu machen. „Es wird immer mehr. So gibt es bei den Spielern zusehends Verschleißerscheinungen“, klagt Roth. Dazu erinnert er an die vergangene Serie, als sogar 19 Mannschaften im Oberhaus antraten, weil sich Balingen-Weilstetten nachträglich in die 1. Bundesliga geklagt hatte.

Roth glaubt, dass sich mit Auf- und Abstiegs-Playoffs in einer 16 Mannschaften umfassenden Liga die Attraktivität steigern ließe. Zum einen, weil etwa auch der Siebt- oder Achtplatzierte im Frühjahr sogar die Chance bekommen würde, um die Deutsche Meisterschaft mitzuspielen. Zum anderen, weil es viel mehr Überraschungen geben würde. Roth selbst hat es als Spieler erlebt. In der Saison 1989/90 wurde der Titelträger in einer Playoff-Runde ermittelt. Und der heutige Melsunger Trainer stieg mit Großwallstadt als Vorrundendritter ein, im späteren Finale setzten sich die Franken gegen Milbertshofen durch.

PRO: Björn Mahr (40/Sportredaktion) meint, dass es sinnvoll ist. 

Überall geht die Post ab

Wo ging in der Schlussphase der Handball-Saison 2014/15 noch die Post ab? An der Spitze, wo sich Kiel und Löwen ein packendes Duell um den Titel lieferten. Im Tabellenkeller, wo lange nicht klar war, wer absteigt. Aber der Rest? Langweilig. Außerhalb von Wetzlar selbst hat es etwa niemanden interessiert, dass die Mittelhessen nicht den neunten, sondern noch den achten Rang erreichten.

Playoffs garantieren Spannung für alle Teams. Da erzwingt der Achte ein Entscheidungsspiel gegen den Hauptrundensieger. Da muss der Zwölfte der regulären Serie plötzlich um den Ligaverbleib zittern.

Wer es nicht glaubt, kann nachfragen. Bei Basketballern, Eishockeyspielern aber auch bei Handballern in einem Land wie Dänemark. bjm@hna.de

KONTRA: Robin Lipke (39/Sportredaktion) hält die Einführung von Playoffs für falsch.

Saison wird verwässert

layoffs in der Handball-Bundesliga? Die Vorstellung ist befremdlich. Zu nordamerikanischen Sportarten wie Eishockey, Basketball und Football mögen diese Finalspiele passen. Da gehören sie einfach dazu. Das hat Tradition. Die Tradition im Handball sieht allerdings anders aus - und das ist gut so.

Denn in dieser Sportart, wie auch im Fußball, wird die Ausdauer und der lange Atem über eine gesamte Spielzeit gewürdigt. Wer nach 34 Spieltagen oben steht, ist verdient Meister. Punkt. Playoffs würden eine Saison verwässern. Verletzungspech, zwei, drei schlechte Tage in den Playoffs - und die bis dahin tolle Leistung eines knappen Jahres wäre auf einen Schlag für die Katz. Es gibt sicherlich bessere Möglichkeiten, um eine Liga attraktiver zu machen. lip@hna.de

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