Spiel am Mittwoch

Ein Jahr nach dem Sieg gegen Flensburg: Schafft es die MT noch mal?

So jubelten sie vor einem Jahr in Flensburg: Die MT-Spieler (von links) Michael Müller, Timm Schneider, Johannes Sellin, Felix Danner und Marino Maric. Archivfoto: Kirschner

Kassel. Bis zum Samstag blickten die Handball-Fans hierzulande mit großer Verwunderung auf die MT Melsungen.

Der Vorjahresvierte der Bundesliga hatte bis zum 32:28-Erfolg gegen Gummersbach vor allem in den Auftaktpartien gegen die Aufsteiger Coburg und Erlangen wenig von der Begeisterung erkennen lassen, die ihn in der Serie 2015/16 auszeichnete.

Am Mittwoch rückt das Team aus anderen Grunden in den Fokus: Melsungen gastiert ab 19 Uhr in der Flens-Arena beim verlustpunktfreien Spitzenreiter SG Flensburg-Handewitt. Das Spiel wird live bei Sport 1 im TV gezeigt, und die Nordhessen versuchen als fünftes Team in dieser Runde, dem großen Meisterschaftsfavoriten ein Bein zu stellen. Ob die MT einen Coup landen kann?

Was dafür spricht

• Die Erinnerung: Manche Bundesliga-Handballer spielen mehr als ein halbes Dutzend Mal in ihrer Karriere in Flensburg – und holen dort nicht einen einzigen Punkt. Die MT feierte ihren bislang einzigen Sieg über die SG vor fast genau einem Jahr in der Flens-Arena: 33:32. „Wir dürfen nicht an unsere 2:6 Punkte, sondern an letztes Jahr denken“, sagt Rechtsaußen Johannes Sellin. Auch der Melsunger Trainer zieht in seine Vorbereitung die Partie aus dem September des Vorjahres bewusst mit ein. „Es wäre fahrlässig, dies nicht zu tun“, sagt Michael Roth, „wir haben uns damals taktisch sehr gut verhalten.“

• Das Selbstbewusstsein der MT: Nein, die Melsunger haben nicht nach einem einzigen Sieg schon wieder die Bodenhaftung verloren. Aber sie wissen eben auch, welches Potenzial im Team steckt. „Wir sind krasser Außenseiter, und normalerweise verliert Flensburg-Handewitt kein Heimspiel“, erklärt Roth, „aber wir haben auch keine Zeit, Geschenke zu verteilen.“

• Das vorherige SG-Heimspiel: Gegen den SC Magdeburg stand Flensburg dicht vor einer Pleite. Erst in der letzten Sekunde fiel vergangenen Mittwoch das Siegtor der Norddeutschen zum 26:25. „Die Magdeburger haben bewiesen, dass in der Arena etwas möglich ist“, verdeutlicht Melsungens Rückraumakteur Philipp Müller, „wir können dort punkten.“

Was dagegen spricht

• Die Erinnerung: Das Top-Team von der Förde hat von 24 Pflichtspielen 20 gegen Melsungen gewonnen – teilweise so deutlich, dass die Vermutung nahe lag, die MT wäre mit einer besseren Reservemannschaft angetreten. Eine Erkenntnis Roths nach unzähligen Niederlagen gegen den Champions-League-Sieger von 2014 lautet: „Wenn du in Flensburg schlecht im Angriff bist, hast du keine Chance.“

• Das Selbstbewusstsein der SG: Im Pokal ungefährdet weiter, in der Liga ungeschlagen – der Start der Flensburger, die zurzeit bis auf Rasmus Lauge und Jim Gottfridsson alle Mann an Bord haben, war perfekt. Zumal sie vergangenen Samstag beim Meister Rhein-Neckar Löwen 21:17 gewannen – eine Demonstration der Stärke. „Wir haben eine starke Abwehr und ein super Torwart-Duo. Da hat es jeder Gegner schwer“, sagt Ljubomir Vranjes, der Coach des Tabellenführers. Wer an Abwehrstrategen wie Tobias Karlsson und Henrik Toft Hansen vorbei und die Schlussleute Mattias Andersson und Kevin Möller überwinden will, braucht einen guten Plan.

• Der Flensburger Coach: Vranjes ist nicht so blauäugig, dass er die MT an ihrem Serienstart misst. „Es gibt in dieser Klasse keine Selbstläufer. Melsungen hat eine gute Mannschaft“, warnt der Schwede, egal, ob es ein Müller, ein Rnic oder ein Fahlgren ist.“ Landsmann Patrik Fahlgren hatte er einst selbst bei der SG unter seinen Fittichen. „Falle kann nicht nur ein Spiel steuern, sondern auch selbst Tore werfen.“ Dass die SG von den Trainern in der Bundesliga schon jetzt zum Top-Favoriten auf den Titel erklärt wird, amüsiert Vranjes mehr, als dass es ihn stört: „Wir haben ein Team, dem die Meisterschaft zuzutrauen ist. Aber: Wir haben gerade einmal vier Spieltage hinter uns.“

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