25-jähriger Handball-Europameister nimmt sich Zeit für Fans

MT Melsungen: Sellin gewinnt selbst nach dem Spiel

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War der überragende Mann gegen Wetzlar: Johannes Sellin von der MT Melsungen.

Kassel. Es hatte den Anschein, als ob es für Johannes Sellin an diesem für ihn so fantastischen Abend nur in der Endphase Probleme gab. Die Partie gegen Wetzlar war längst gelaufen, der Sieg verbucht – da legte der Europameister der MT Melsungen eine Extraschicht ein.

Noch lange nach dem Spiel war er für seine Fans da. Unterschrift hier, Unterschrift dort – bis plötzlich die Autogrammkarten aufgebraucht waren. Wann hat es das je gegeben?

Mal wieder geschlagen: Andreas Wolff im Tor der Wetzlarer während des Spiels bei der MT Melsungen. Foto: Schachtschneider

Sellin meisterte aber auch diese Situation im Foyer der Rothenbach-Halle. Er schrieb schließlich einfach auf alles, was ihm so entgegengestreckt wurde: Tickets, T-Shirts, Trainingsjacken. Dazu grinste er in jedes Handy, das ihn ins Visier nahm. Das Ganze dauerte fast länger als die Partie selbst. Aber gestört hat es Sellin nicht – im Gegenteil: „Ich bin lieber zwei Stunden damit beschäftigt, als dass hier gar keiner steht.“ Sellin war der Mann des Abends. Er warf nicht nur elf Tore, sondern ihm gelang sogar ein kleines Kunststück: Er entzauberte jenen, der in letzter Zeit ganz gern als Hexer durchgegangen ist und von dem ganz Handball-Deutschland nach der Europameisterschaft angenommen hatte, er habe übernatürliche Kräfte – mindestens aber Magneten an Armen und Beinen, die den Ball anziehen.

Andreas Wolff aber ließ im Tor der Wetzlarer an diesem Abend nicht verzweifeln. Wolff verzweifelte selbst – vornehmlich an diesem Johannes Sellin, der die Siebenmeter gegen ihn ebenso unverschämt sicher verwandelte wie die vielen Tempogegenstöße und die Würfe von Rechtsaußen. Wolff sagte nachher, es sei nicht von ungefähr gekommen, dass Sellin bei der Europameisterschaft im Kader der deutschen Mannschaft gestanden habe.

Auch wenn Sellin während des Turniers in Polen nicht so viele Einsatzzeiten erhielt, scheint er mit dem Titelgewinn doch jede Menge Selbstbewusstsein mitgenommen zu haben. Dazu kommt ein exklusives Wissen über seinen Kollegen aus der Nationalmannschaft und Gegner von Samstag. Wolff sei, so sagte Sellin nachher, mitunter eben auch nur ein stinknormaler Torwart. Will heißen: Einer, der auch verwundbar ist und mal nicht so gute Tage hat.

Sellin hatte das während des Spiels nur allzu deutlich werden lassen. Dazu passt, dass am Ende beide nur noch auf der Bank saßen: Wolff, weil er genervt war, und Sellin, weil er sich im Glanze einer Galavorstellung ausruhen durfte.

Ihm gelang fast alles. Er gewann gegen den ein Jahr jüngeren Wolff sogar das Duell nach der Partie: Wolff hatte sich auch sehr viel Zeit genommen für die vielen Fans und fleißig Autogramme geschrieben. Aber als immer noch Wünsche an Sellin herangetragen wurden, war Wolff schon in der Kabine.

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