Bundesligist Melsungen lässt sich von ungefährdetem Pokalerfolg nicht blenden

Sieg gegen Minden: Die MT hat den inneren Schweinehund besiegt

Einer der stärksten Spieler im MT-Team: Linksaußen Michael Allendorf erzielte zehn Tore. Foto: Fischer

Kassel. Das war seine Chance. Eine perfekte Ausgangsposition für den inneren Schweinehund, den Spielern der MT Melsungen einzuflüstern, das „Rückspiel“ gegen GWD Minden vielleicht einen Tick lockerer anzugehen.

Denn was sollte gegen einen Gegner zu Hause in der Meisterschaft schief gehen, den der heimische Handball-Bundesligist gerade erst im Pokal in der Höhle des Löwen eindeutig beherrscht hatte? 

Es wäre wohl schief gegangen, hätten sie dieser Versuchung nachgegeben. Taten sie aber nicht. „Klar hat der innere Schweinehund gelauert, doch wir haben ihn besiegt“, konnte MT-Trainer Roth nach dem letztlich souveränen 30:24-Erfolg mit Fug und Recht behaupten. Gegen einen Gegner, der sich stark verbessert präsentiert hatte. Und beim Europapokalteilnehmer bis zum 23:22 (46.) dank seiner geduldig und klug herausgespielten Tore mithielt.

Bis dahin hatte Michael Roth bei seinen Schützlingen zumindest „die allerletzte Konzentration“ noch gefehlt. Bei einigen vergebenen Tempogegenstoßchancen etwa. Oder in der Abwehr, die nach dem Wechsel für einige Minuten den Zugriff verloren hatte. „Wir waren überlegen, haben uns aber nicht belohnt“, ärgerte sich Michael Müller. Der Linkshänder, der nach der Auszeit die Anweisungen seines Chefs, „die Entscheidung notfalls zu erzwingen“, vorbildlich mit seinen unwiderstehlichen Durchbrüchen umsetzte. Gleichzeitig rührte seine Deckung Beton an, besorgte Torwart Johan Sjöstrand den Rest und leitete mit seinen Paraden die spielentscheidenden Tempogegenstöße ein.

Dass das trotz mehrerer Möglichkeiten erst relativ spät gelang, wollte der zehnfache Torschütze Michael Allendorf keinesfalls dem Ansinnen des inneren Schweinehunds zur Last legen: „Nein, nein. Wir wussten ganz genau, dass wir nach dem verpatzten Start jeden Gegner in jeder Situation ernst nehmen müssen.“ Der Linksaußen selbst hielt sich insbesondere bei seinen sechs sicher verwandelten Siebenmetern daran und ließ dabei auch die ästhetisch anspruchsvollen, aber keineswegs risikolosen Heber weg.

All das wird den 60 zum Spiel eingeladenen Teilnehmern eines A-Trainer-Lehrgangs in Baunatal, auf dem der Melsunger Coach als Referent auftrat, nicht entgangen sein. Thema seines Vortrags waren die Wege aus einer (in diesem Fall selbst erlebten) sportlichen Krise. Und natürlich wurde Michael Roth auch gefragt, wie er nach dem klaren Pokalerfolg im zweiten Spiel gegen Minden innerhalb von nur drei Tagen einer möglichen „Überheblichkeit“ vorbeugen würde. Seine Antwort: „Darüber reden.“ Mit einer Mannschaft, die zu Saisonbeginn einige Punkte hatte liegen lassen, aber immerhin aus diesem Schaden klug wurde.

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