Flensburgs Trainer Vranjes: Spielzüge sind sein absolutes Leibgericht

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Energisch, entschlossen, erfolgreich: Trainer Ljubomir Vranjes ist ein Glücksgriff für die SG Flensburg-Handewitt.

Flensburg. Eigentlich war das so nicht geplant. Vielmehr wollte Ljubomir Vranjes nach dem Ende seiner Spielerkarriere mit seiner Familie zurück nach Schweden gehen.

Dort wollte er den Erstligisten IFK Skövde übernehmen. Doch dazu kam es nicht.

Stattdessen blieb der ehemalige Weltklasse-Kreisläufer bei der SG Flensburg/Handewitt. Übernahm 2009 den Posten des Teammanagers und 2010 den des Trainers (von Per Carlén). Und avancierte mittlerweile zu einer wahren Institution beim nördlichsten Handball-Bundesligisten, der im sportlichen Bereich ganz auf das Kommando des gebürtigen Göteburgers mit serbischen Wurzeln hört. „Flensburg ist so etwas wie meine Heimat geworden“, sagt der Weltbürger, der in drei verschiedenen Ländern spielte und fünf Sprachen spricht.

Sein dauerhaftes Engagement hat sich für die Nordlichter gelohnt. Mit ihm wurden sie Europapokalsieger der Pokalsieger (2012) und Champions-League-Sieger (2014), holten den Supercup (2013) und den DHB-Pokal (2015). Nur die Meisterschaft fehlt noch in Vranjes‘ Trophäensammlung. Genau die ist nach dem Berlin-Ausrutscher von Tabellenführer Rhein-Neckar Löwen wieder möglich, womit das Gastspiel bei der MT Melsungen ( Mi, 19.45 Uhr Rothenbachhalle, live bei Radio HNA ) für die SG nun noch wichtiger wird, sie zum Siegen verdammt ist.

Doch seine Mannschaft zusätzlich unter Druck setzen ist Vranjes‘ Sache nicht. Der kennt seine Pappenheimer, ihren Kampfgeist, ihre Moral, die sie erst beim letzten Sieg - dem 32:25 gegen Göppingen - wieder unter Beweis stellten. Nur wenige Tage nach einem Doppelrückschlag, dem äußerst unglücklichen Ausscheiden im Viertelfinale der Champions-League in Kielce und der Niederlage im DHB-Pokalfinale gegen Magdeburg. „Ich weiß, wie schwer es ist, nach solch‘ einer Enttäuschung wieder aufzulaufen. Unter diesen Umständen hat das meine Mannschaft ganz hervorragend gemacht“, lobt der Flensburger Coach seine Schützlinge.

Was nichts an dessen persönlichen Ehrgeiz ändert, an seinem unbändigen Willen, sich selbst und die Seinen weiter zu entwickeln. Eine Charaktereigenschaft, die laut seiner Biografie, die bald erscheinen soll, seine Rettung war. Aufgewachsen in einem sozialen Brennpunkt Göteborgs ließ sich er sich nicht unterkriegen, setzte sich - nicht gerade mit einem Gardemaß (1,66 m) ausgestattet - auch auf dem Feld durch. Als wendiger, mit ganz viel Spielwitz aufwartender Regisseur, der mit Redbergslids IK fünfmal schwedischer Meister wurde, um danach sein Glück in Spanien (Granollers) und Deutschland (Nordhorn und Flensburg) zu suchen. Und zu finden. Mit dem Drei-Kronen-Team wurde der 164-fache Natrionalspieler darüber hinaus einmal Welt- und dreimal Europameister.

Alles Geschichte, denn Ljubomir Vranjes will „immer weiter“. Überliefert ist, dass der 42-Jährige selbst beim Essen neue Spielzüge entwickelt - mit Hilfe dessen, was auf dem Teller ist. Taktische Kniffe sind sein Leibgericht und dank der spielstarken Neuzugänge (unter anderem die Spielmacher Kentin Mahé und Rasmus Lauge Schmidt) hat der „Welttrainer 2014“ speziell in dieser Saison auch die nötigen Zutaten. Was sich in eine bis auf ganz wenige Ausnahmen überragende Spielzeit seiner Mannen niederschlug.

Eine dieser Ausnahmen: die 32:33-Heimniederlage gegen Melsungen. Also ist nun Revanche angesagt. Das sagt der SG-Coach aber nicht, denn der ist im Zeitalter der Vulkane an der Linie immer ruhiger und souveräner geworden. Meister werden will er trotzdem. Unbedingt.

Ljubomir Vranjes, geboren am 3. Oktober in Göteborg, bestritt 164 Spiele für die schwedische Nationalmannschaft. Nach zwei Stationen in Schweden wechselte er 1999 nach BM Granollers (Spanien), wo er bis 2001 spielte. Danach setzte er seine Karriere als Spieler bei der HSG Nordhorn (2001-2006) und der SG Flensburg-Handewitt (2006 bis 2009) fort. Nach einem kurzen Intermezzo als Teammanager übernahm er 2010 das Traineramt von Per Carlén, gewann mit der Mannschaft 2012 den Europapokal der Pokalsieger. 2014 - im Jahr des Champions-League-Triumphes - wurden er von der IHF zum „Welttrainer des Jahres“ gewählt.

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