Hallensprecher erzählt von seinen Erfahrungen

Interview zur Handball-EM: „Team ist für Wow-Effekt gut“

Einsatz im Wüstenstaat: Bernd Kaiser als Hallensprecher bei der Weltmeisterschaft vor einem Jahr in Katar. 201 Länderspiele hat der Nordhesse bereits gemeistert. Foto: privat

Kassel. Die deutschen Handballer treffen bei der EM in Polen am Samstag um 18.30 Uhr auf Spanien. Einer, der das Geschehen auch interessiert verfolgen wird, ist Bernd Kaiser.

Das Spiel wird live im ZDF übertragen

Der Pressesprecher des Bundesligisten MT Melsungen fungiert seit zwei Jahrzehnten als Hallensprecher der deutschen Mannschaft. Er war dabei, als die Auswahl des Deutschen Handball-Bundes (DHB) 2007 in Köln Weltmeister wurde. Dem aktuellen Team traut der 56-Jährige im Interview mit dieser Zeitung zu, „für einen Wow-Effekt zu sorgen“.

Wissen Sie, was heute exakt vor einem Jahr war? 

Bernd Kaiser: Nein. Helfen Sie mir auf die Sprünge.

Da war Ihr erster Arbeitstag bei der WM in Katar. 

Kaiser: Das war mit viel Aufregung verbunden. Denn ich war in so einer Mission zum ersten Mal allein auf weiter Flur – und das in einem fremden Land, in einem fremden Kontinent. Es war eine besondere Herausforderung, der ich mich aber gern gestellt habe. Weil ich neugierig war. Ich weiß auch nicht, ob es das mal gab: ein deutscher Hallensprecher bei einer WM im Ausland.

Das größte Erlebnis in Ihrer Karriere. 

Kaiser: Nein, das Größte ist es, bei einer WM im eigenen Land im Endspiel am Mikrofon zu sein und dann mitzuerleben, wie die deutsche Mannschaft den Titel holt. So wie eben 2007 in Köln. Dieses Ereignis ist durch nichts zu toppen.

Dann kommt in der Reihenfolge das 200. Länderspiel vergangene Woche in Kassel. 

Kaiser: Das war zwar schon ziemlich nett, aber es ist erst mal nur ne Zahl. Das Schöne daran ist, dass es zeigt, wie lange man schon bei Spielen der Nationalmannschaft im Einsatz ist. 20 Jahre sind eine lange Zeit.

Welche Erinnerungen haben Sie an Ihren ersten Einsatz für den Deutschen Handball-Bund? 

Kaiser: Oh, das war mindestens so aufregend wie die Tätigkeit in Katar. Es war 1996 in Baunatal, Deutschland gegen Kroatien, und ich hatte wenige Wochen zuvor erst mein Debüt auf nationaler Ebene gegeben – beim Final Four in Hamburg. Dort hatten mich die Verantwortlichen des DHB gehört.

Das war der Startschuss. 

Kaiser: Ja, wobei ich mir in dem Moment keine Gedanken darüber gemacht hat, ob es eine Wiederholung gibt. Ich wusste ja nicht, wie meine Visitenkarte ankommt.

Wann waren überhaupt Ihre Anfänge als Hallensprecher? 

Kaiser: Das war in meinem Heimatklub HSG Lohfelden/Vollmarshausen, mehr als 30 Jahre her. Ich hatte früh mit Vereinsarbeit begonnen, Spieler, Jugendbetreuer, Trainer, Vorstand. Daneben hatte ich offenbar ein Talent für Öffentlichkeitsarbeit, habe Presseberichte und Hallenzeitungen erstellt. Irgendwann wurde ich gefragt, ob ich nicht moderieren könnte, bei den Spielen der Mannschaft sei es immer so still.

Nun waren Sie bei so vielen Spielen der MT Melsungen in 1. und 2. Bundesliga sowie Regionalliga dabei wie kaum jemand anderes. Treten da nicht mal Verschleißerscheinungen auf? 

Kaiser: Ich spüre diese zumindest nicht. Wenn, dann müsste man Leute fragen, die mich hören, ob sich da was geändert hat mit der Zeit. Ich habe nach wie vor großen Spaß an dieser Aufgabe. Diese ist ja fast altersunabhängig, man muss aber gut bei Stimme sein und sich konzentrieren können.

Gibt es Vorbilder? 

Kaiser: Wenn ich mich an diverse Zeitungsberichte erinnere, die seinerzeit über mich geschrieben wurden, scheine ich etwas anders als die Kollegen gemacht zu haben. Ich habe versucht, für eine gewisse Grundstimmung zu sorgen. Das gab es meines Wissens vorher nicht, dass ein Moderator die Zuschauer direkt anspricht. Mein Antrieb rührte aus meinen Erfahrungen als aktiver Handballer her. Es gibt Situationen im Spiel, wo man sich als Spieler wünscht, dass jetzt eine akustische Unterstützung von außen kommt.

Jetzt hat das deutsche Team heute den ersten Auftritt in Breslau gegen Spanien. Mit welchen Gefühlen blicken Sie auf die EM? 

Kaiser: Ich bin auf keinen Fall enttäuscht, dass ich nicht als Sprecher dabei bin. Katar war auch eher die Ausnahme, weil es da keine Handball-Tradition gibt. Polen dagegen ist ein handballbegeistertes Land. Ich gucke jetzt hochinteressiert auf unser Team, weil ich es häufig begleitet habe. Ich traue unserer jungen Truppe zu, dass sie für einen Wow-Effekt sorgen kann.

Schielen Sie schon ein bisschen auf das Jahr 2019? 

Kaiser: Vor der Männer-WM gibt es ja zunächst in 2017 die Frauen-WM. Da möchte ich gern dabei sein. Das wäre dann mein vierter Einsatz bei einem Weltturnier. Dass ich gute Chancen habe, als Sprecher daran mitzuwirken, wurde mir vom DHB schon signalisiert.

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