Interview: Wetzlars Trainer sieht vor Hessen-Derby Druck bei Melsungen

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Gibt drei weitere Jahre bei der HSG Wetzlar die Richtung vor: Wetzlars Trainer Kai Wandschneider, dessen Mannschaft voller selbstbewusstsein zum Derby bei der MT Melsungen antritt.

Wetzlar. Kai Wandschneider hat's offensichtlich mal wieder geschafft. Einen (weiteren) personellen Umbruch beim Handball-Bundesligisten HSG Wetzlar hingekriegt, der die Mittelhessen - wie von manchen Experten vorausgesagt - nicht schwächte, sondern am Mittwoch sogar mit Zuversicht ins Hessenderby bei der MT Melsungen gehen lässt.

Deren Vorzeichen und die Hintergründe seiner Vertragsverlängerung erläutert uns der HSG-Coach im HNA-Interview.

Erinnern Sie sich noch an Ihren letzten Derbysieg?

Kai Wandschneider: Das war das 29:25 zu Hause in der letzten Saison.

So frisch ist die Erinnerung? 

Wandschneider: Ja klar, wir hatten da einen sensationellen Lauf. Ein Sieg, der noch durch die starke Melsunger Saison aufgewertet wurde.

Warum sind diese Duelle mit Melsungen so brisant? 

Wandschneider: Vorrangig wegen der gemeinsamen Geschichte, verkörpert auch durch Spieler wie Valo, Karipidis, Allendorf, die beiden Müllers und nicht zuletzt Trainer Michael Roth sowie Manager Axel Geerken, die alle in beiden Vereinen tätig waren. Außerdem spielt da Nordhessen gegen Mittelhessen.

Ihrer Derbybilanz von 7:11 Punkten zum Trotz hat der Verein den Vertrag mit Ihnen vorzeitig bis zum 30. Juni 2019 verlängert. Sind Sie so begehrt? 

Wandschneider: Wenn man die wirtschaftlichen Voraussetzungen betrachtet, ist das für mich gar keine schlechte Bilanz. Während sich Melsungen über Jahre ganz gezielt verstärken konnte, haben wir jedes Jahr eine neue Mannschaft. Unter diesen Bedingungen arbeiten wir sehr erfolgreich zusammen und wollen das gemeinsam fortsetzen.

Warum haben Sie sich so lange an einen Klub gebunden, der fast nach jeder Saison seine besten Spieler abgeben muss? 

Wandschneider: Das ist eine besondere Herausforderung, die ich mag, und dabei genieße ich die volle Unterstützung des Vereins. Ich kann meine Vorstellungen hier ohne Abstriche umsetzen. Weiterhin weiß ich das Vertrauen des Vereins zu schätzen, was heutzutage nicht unbedingt üblich ist.

Ist das Attribut „Aufbauhelfer“ für Sie ein Kompliment? 

Wandschneider: Ja. Wenn man Spieler fördert und die groß rauskommen, adelt das unsere Arbeit. Das geht aber nur im Team und in einem Verein, wo ein Spieler den nächsten Schritt wirklich machen kann. Da wird dessen Ausbildung zu einer Herzensangelegenheit, und genau das hat sich mittlerweile herumgesprochen, so dass sich sehr viele Talente für Wetzlar entscheiden.

Sie gelten in der Szene als einer, der Talente zu Nationalspieler formen kann wie zuletzt die Europameister Fäth, Wolff und Kohlbacher. Wie geht das? 

Wandschneider: Das ist schon sehr komplex, doch mit den Jahren entwickelt man ein Gefühl für diese Aufgabe. Das beginnt damit, dass mein Kollege Jasmin Camdzic und ich Vorbild sein wollen, wie man Handball 24 Stunden am Tag lebt. Weiter gilt es, an den Stärken der Spieler zu arbeiten, ihnen Vertrauen zu schenken. Dabei nehmen wir andere, erfahrene Spieler mit ins Boot. So hat beispielsweise Steffen Fäth von den zwei Jahren, die Ivano Balic bei uns gespielt hat, sehr profitiert.

Sie werden mittlerweile sogar als möglicher Nachfolger von Nationaltrainer Dagur Sigurdsson gehandelt. Ehrt Sie das? 

Wandschneider: Das ehrt mich sehr. Ich sehe das als eine eine Bestätigung für meinen Umgang mit meinen Spielern und mit den Trainerkollegen.

Vor der Saison hatte die HSG einen auch für Wetzlarer Verhältnisse heftigen Umbruch zu verkraften. Trotzdem war der Start mehr als passabel. Warum hat das gleich so gut geklappt? 

Wandschneider: Wir haben gut gescoutet, früh mit Spielern gesprochen und letztlich bei unseren Personalentscheidung richtig gelegen. Dazu kam eine überragende Vorbereitung, dann aber auch die Ausfälle von Pöter, Holst und Ferraz, so dass aus den sieben Neuzugängen durch Nachverpflichtungen zehn wurden. Erstaunlich, wie gut die Mannschaft das weggesteckt hat. Das Team gibt nie auf, ist immer in der Lage, sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf zu ziehen. Auch wenn wir verlieren, gehen wir nicht unter.

Wird es auch im Derby bei der MT Melsungen klappen? 

Wandschneider: Der Druck liegt bei Melsungen. Wegen des Heimvorteils und weil die Mannschaft andere Ziele hat als wir. Wir kommen aber mit Rückenwind, können nach dem Sieg gegen Gummersbach befreit aufspielen und werden sicherlich alles raus hauen.

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