Deutscher Dreifach-Erfolg auf Hawaii

Nordhesse Patrick Lange wird beim Ironman sensationell Dritter

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Patrick Lange

Ein Nordhesse hat beim Ironman auf Hawaii Geschichte geschrieben: Der aus Bad Wildungen stammende Triathlet Patrick Lange wurde bei seiner ersten Teilnahme sensationell Dritter.

Der 30-Jährige kam hinter Titelverteidiger Jan Frodeno und Sebastian Kienle ins Ziel.

Drei Deutsche auf dem Podium beim wichtigsten Triathlon der Welt – das gab es bislang nur ein Mal (1997). Ursprünglich hatte Lange auf der Pazifikinsel lediglich einen Platz unter den Top 15 angestrebt. Dann rollte der gelernte Physiotherapeut, der seit mehreren Jahren Triathlon-Profi ist und im Mai den Ironman in Texas gewann, jedoch das Feld von hinten auf: Während Frodeno ungefährdet zu einem weiteren herausragenden Sieg lief, rauschte der Wahl-Darmstädter, der seine Karriere als Läufer des TV Friedrichstein sowie als Triathlet des CJD Oberurff begonnen hat, förmlich von hinten heran, überholte einen Konkurrenten nach dem anderen und feierte seine dritten Platz im Ziel ausgelassen mit einem Tanz.

Der Schützling vom einstigen Hawaii-Sieger Faris Al-Sultan aus München knackte zudem den 27 Jahre alten Streckenrekord für den Marathon von Rekordsieger Mark Allen. In 2:39:45 Minuten war der 30-Jährige um 19 Sekunden schneller als der Amerikaner 1989.

Und es war sogar mehr drin als Platz drei. Auf dem Rad hatte Lange wegen zu geringen Abstands zum Vordermann eine Fünf-Minuten-Zeitstrafe kassiert. Im Ziel lag der 30-Jährige nur 4:44 Minuten hinter dem Sieger Jan Frodeno.

Das sagen Triathleten aus der Region zu Langes Leistung

Marc Unger (29), Triathlet aus Schwalmstadt, zweimal beim Ironman auf Hawaii am Start:  "Der dritte Platz von Patrick Lange ist überraschend und überragend zugleich. Es gehört viel Mut dazu, beim abschließenden Laufen alles auf eine Karte zu setzen. Die Gefahr einzubrechen, ist bei den extremen Bedingungen auf Hawaii sehr groß. Von daher ist es umso beeindruckender, wie er auf den letzten 42 Kilometern aufgeholt hat. Vermutlich hatte er nach der Zeitstrafe, die er beim Radfahren kassiert hatte, mächtig Wut im Bauch."

Martin Zülch (53) aus Bad Wildungen, ehemaliger Trainer Langes und fünfmaliger Hawaii-Teilnehmer: "Das war eine grandiose Aufholjagd. Ich hätte ihm zugetraut, beim ersten Start unter die Top 20 zu kommen. Aber dass er es tatsächlich aufs Podium schafft, das hätte ich nicht vermutet. Dass er so in die Szene reinkracht, hat mich gefreut. Patrick ist ein ehrgeiziger, zielstrebiger Typ und das Laufen war schon immer seine Stärke. Ich hoffe, dass er bodenständig bleibt. Dann können wir noch auf schöne Sachen mit ihm hoffen."

Uwe Schmidt (57) aus Fritzlar, Triathlon-Pionier aus der Region und sechsmaliger Starter auf Hawaii: "Heute Nacht ging es per WhatsApp hoch her. Wir haben alle vor dem Fernseher gesessen. Top 15 ja, aber dass Patrick so durchrauscht, das war fantastisch. Das war das Rennens seines Lebens - trotz der Strafe, die er kassiert hat. Aber beim Laufen am Ende da hat er einen nach dem anderen überholt. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass man in einen richtigen Flow kommt. Als er auf Platz fünf stand und ich seine konstanten Zwischenzeiten gesehen habe, da war mir klar, dass er noch auf Platz drei läuft. Er war so voller Glückshormone, das hat man dann ja auch beim Zieleinlauf gesehen."

Erste Titelverteidigung eines Deutschen

Zum zweiten Mal in Folge wurde Jan Frodeno beim Ironman auf Hawaii Erster.

Jan Frodeno hatte sich nach 3,86 km Schwimmen, 180,2 km Radfahren und einem abschließenden Marathon nach 8:06:30 Stunden vor Sebastian Kienle (Mühlacker, 08:10:02 Stunden) und Patrick Lange (Bad Wildungen, 08:11:14 Stunden) durchgesetzt. "Ich habe es versucht zu genießen, aber ich habe noch nie so sehr gelitten", sagte der 35-jährige Kölner der ARD: "Es war die richtige Hölle. Der zweite Titel schmeckt aber noch ein kleines bisschen süßer."

Frodeno ist der erste Deutsche, dem die Titelverteidigung auf Hawaii gelang. Zudem ist der Weltrekordler der zweite Deutsche nach Normann Stadler (2004/2006), der zweimal das bedeutendste Langstrecken-Rennen der Welt gewinnen konnte.

Wie stark die Deutschen in diesem Jahr auf Hawaii waren, zeigten auch der fünfte Platz von Andreas Böcherer und der siebte Rang von Boris Stein.

Solides Ergebnis bei den Frauen

Auch bei den Frauen erzielte eine Deutsche ein solides Endergebnis. Die Schweizerin Daniela Ryf stellte einen Streckenrekord auf und siegte - ebenso wie Frodeno - bereits zum zweiten Mal. Die 29-Jährige wiederholte am Samstag (Ortszeit) ihren Vorjahreserfolg bei der WM in Kailua Kona. In 8:46:46 Stunden war sie über fünf Minuten schneller als die Australierin Miranda Carfrae bei deren Sieg 2013 (8:52:14). Die dreimalige Hawaii-Siegerin Carfrae wurde diesmal Zweite mit einem Rückstand von fast 24 Minuten, Platz drei ging an die Amerikanerin Heather Jackson. Einen starken vierten Platz erreichte die Fürtherin Anja Beranek.

Weitere heimische Starter

Martin Huhndorf (SC Neukirchen): Platz 54 (von 2315), 09:08:35 Stunden

Daniel Schmoll (Melsungen/TuS Griesheim): Platz 509, 10:06:04 Stunden

Peter Roth (SC Neukirchen): Platz 1044, 10:57:32 Stunden

mal/dpa/mak

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Bad Wildunger Patrick Lange dritter beim Ironman auf Hawaii - Frodeno gewinnt

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