Historischer Triumph im Rugby

Mit "Goldbier" und Burger: Fidschi feiert das Rugby-Gold

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Können ihr Glück kaum fassen: Die Rugby-Stars von Fidschi stürzen ein ganzes Land in einen Freudentaumel.

Rio de Janeiro - Fidschi feiert das erste Gold in der Geschichte des Landes. Die Rugby-Helden belohnen sich auf ihre Weise.

Premierminister Frank Bainimarama hielt es im Rugby-Stadion von Deodoro nicht mehr auf seinem Sitz, im 14.000 km entfernten Fidschi strömten Zehntausende Menschen auf die Straßen: Der historische Olympiasieg der glorreichen Rugby-Sieben hat die Inselgruppe im Pazifik in Ausnahmezustand versetzt. "Das ist ein wunderbarer Moment in der Geschichte unserer Nation", sagte der Regierungschef nach der 43:7 (29:0)-Demonstration im Finale gegen die frühere Kolonialmacht Großbritannien.

Als die erste Olympiamedaille überhaupt für Fidschi perfekt war, verwandelten die rund 900.000 Einwohner ihre traumhaft schöne Heimat in eine riesige Partyzone. "In jeder Ecke des Landes wird gefeiert", berichtete die Fiji Times, und die Gold-Fete werde ganz sicher "über das Wochenende hinaus bis weit in die nächste Woche anhalten". Fiji-Air kündigte an, auf seinen Flügen "Goldbier" auszuschenken. Banken und Läden machten zwischen zehn und halb elf Uhr Ortszeit spontan zu - und danach nicht mehr auf.

Fidsch-Stars wie ein Taifun

Die Männer, die den Freudentaumel ausgelöst hatten, waren im Moment ihres größten Sieges ganz bei sich. Nachdem sie wie ein Taifun über die Erfinder des Spiels hinweggefegt waren, bildeten die muskelbepackten Helden in Weiß-Schwarz einen Kreis. Leone Nakarawa, der einzige Profi und mit 1,98 m größter Fidschianer, hob die rechte Faust, dann sangen seine Freunde - Gefängniswärter, Polizisten und Soldaten - mit ihm die Rugby-Hymne "Vanua domoni".

"Mir fehlen die Worte", sagte Coach Ben Ryan, ein Engländer aus Wimbledon: "Es ist verrückt! Die Jungs waren mehr als phänomenal." Die Briten hätten gegen den Sieger der World Series "nicht den Hauch einer Chance" gehabt. Kapitän Osea Kolinisau legte nach nur 57 Sekunden den ersten Versuch, sechs weitere folgten. "Wir haben sie weggeblasen", sagte Ryan stolz. Der britische Trainer James Rodwell nannte Fidschi "untouchable", nicht von dieser Welt.

Fans trotzen den kühlen Temperaturen

Auf der Tribüne sangen und tanzten ein paar Hundert Anhänger aus Fidschi mit. Fast alle hatten die hellblaue Landesflagge mit dem Union-Jack dabei, viele tanzten trotz kühler Temperaturen mit freiem Oberkörper durch die Sitzreihen. Zu Hause in Suva, der Hauptstadt des Landes, kletterten die Fans im Überschwang auf Autos oder die Dächer ihrer Häuser.

"Das ist die Mannschaft einer ganzen Nation", sagte Ryan, "das ganze Land hat uns zugesehen, alle werden von unserer Leistung begeistert sein." Mit Silber, hatte er vor dem Finale gesagt, werde sich "kein Fidschi" zufrieden geben. Tatsächlich war bei den Hünen die Erleichterung groß, als sie sich auf dem Siegerpodest hinknieten, um von der zierlichen Prinzessin Anne die Goldmedaillen zu empfangen.

Regierung ruft nationalen Feiertag aus

"Ich habe da oben zu den Jungs gesagt: Passiert das gerade wirklich? Haben wir echt Gold?", berichtete Kapitän Kolinisau. Der Partymeute in der Heimat rief er zu: "Dieser Sieg ist für ganz Fidschi und die Pazifischen Inseln. Spielt verrückt!" Am 22. August - nach der Rückkehr der Helden - wird gemeinsam auf den Straßen getanzt: Die Regierung rief einen nationalen Feiertag aus.

Die Pläne der Helden waren weniger ausgefallen. Nach den Entbehrungen der letzten Monate hatte Kolinisau nur einen Wunsch: "McDonalds! Ich freue mich jetzt echt auf einen Big Mac."

Wir halten Sie rund um die Uhr in unserem Live-Ticker über die Olympischen Spiele 2016 auf dem Laufenden.

sid

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