Yusra Mardini aus Berlin

Sie repräsentiert bei Olympia 60 Millionen Flüchtlinge

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Sympatisches Lächeln: Yusra Mardini wird zwar keine Medaille gewinnen, Olympia ist für sie jedoch ein Lebenstraum.

Rio de Janeiro - Für Flüchtling Yusra Mardini aus Berlin erfüllt sich am Wochenende in Rio der olympische Traum. Auch das IOC ist stolz.

Eines ihrer kunstvollen Unterwasserfotos zierte in dieser Woche die Titelseite der britischen Tageszeitung The Times, im olympischen Dorf wurde sie von einem TV-Termin zum nächsten gereicht. Yusra Mardini ist in Rio auf dem besten Weg, ein Star zu werden. Die sympathische Schwimmerin aus Syrien mit Wohnsitz in Berlin repräsentiert das erste Flüchtlingsteam bei Olympischen Spielen und steigt am Samstag erstmals ins Becken.

"Es ist unglaublich, wenn man 60 Millionen Flüchtlinge repräsentieren kann", sagte die 18-Jährige in der Vollversammlung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Gemeinsam mit ihren neun Kollegen aus dem ersten Flüchtlingsteam (RTO) in der olympischen Geschichte bedankte sie sich artig bei den hohen Herren, die sich allesamt gerührt gaben. "Nicht nur ein historischer Tag, sondern auch ein aufregender", sagte IOC-Präsident Thomas Bach.

Yusra Mardini in ihrem Element.

Eine Medaille wird Mardini nicht gewinnen, sogar eine Top-Ten-Platzierung ist utopisch. Doch das ist auch nicht das Ziel. Die Syrerin soll die Menschen auf ihre Geschichte aufmerksam machen, auf die Geschichten von Millionen von anderen Flüchtlingen, die ihr Zuhause verloren haben. "Ich will allen zeigen, dass man es trotz Krieg und Elend schaffen kann, wenn man an sich glaubt."

Ihre offene und zupackende Art kam ihr zugute. So wie in ihrer Heimatstadt Damaskus, als sie mit ihr älteren Schwester Sarah die Flucht beschloss. So wie vor der griechischen Insel Lesbos, als ein Leck in ihrem Schlauchboot bei allen Insassen Todesangst auslöste. Schnell sprangen Yusra und Sarah ins Wasser und zogen das Boot mehrere Stunden bis an die sichere Küste. Und so auch in Berlin, wo sie in Sven Spannekrebs ihren großen Helfer fand.

Der Schwimmtrainer hörte IOC-Boss Bach in der UN-Versammlung darüber reden, dass man Flüchtlingen finanziell helfen wolle. Schnell schrieb er einen Brief ans IOC. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) schaltete sich ein. Und als das IOC Anfang des Jahres ein Flüchtlingsteam bilden wollte, war Mardini schon eine von 43 Kandidaten und zur rechten Zeit am rechten Ort.

Über 800 Medien-Anfragen

Jetzt springt sie ins olympische Wasser, auch wenn sie keine Chancen auf eine Medaille hat. Ihre Bestzeiten liegen weit unter der Olympia-Norm. Dass sie womöglich nur eine Vorzeigemarionette des IOC ist, der nach so viel Negativ-Schlagzeilen über Doping auf eine positive PR hofft, glaubt sie nicht. "Das Flüchtlingsteam würde auch ohne Yusra starten", sagt Spannekrebs.

Die junge Frau ist nicht verzweifelt oder depressiv geworden. Sie suchte ihren Weg und fand ihn. Über 800 Medien-Anfragen aus aller Welt trudelten in den letzten Monaten ein. Womöglich wird sie bald ein Filmstar. Hollywood hat schon angefragt. Und Yusra hat offenbar nichts dagegen: "Jetzt kommt erst Rio. Aber Film finde ich gut."

sid

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