Über schwimmende Diplomaten, schröpfende Schwimmer und einen Kölner in Palästina

Olympia-Top-Ten des Tages: Lila Pipi und die Pummel-Panne

Das Turnen tägt auch zukünftig seinen Namen: Marcel Nguyen hat am Barren ein eigenes Element entwickelt. Fotos: dpa/afp

Olympische Spiele, das ist mehr als Siege und Medaillen. Tag für Tag gibt es Herzergreifendes, Bewegendes, Kurioses. Unsere Top 10 des Tages.

1. Der etwas andere Kölner: Wenn heute die Dressurreiter den Wettbewerb bei Olympia aufnehmen, wird auch ein Kölner im Mittelpunkt stehen. Christian Zimmermann heißt er, 54 Jahre ist er alt – und er startet für? Richtig: Palästina, das vom Internationalen Olympischen Komitee – anders als von der internationalen Gemeinschaft – als Staat anerkannt wird. Der Kontakt zu seinem neuen Verband kam über ein russisches Diplomatenpaar palästinensischer Herkunft zustande. Jetzt also erfüllt sich Zimmermann seinen Traum. Entgegen anders lautender Gerüchte heißt sein Pferd aber nicht Tünnes oder Schäl oder Prinz Poldi, sondern Aramis.

2. Der etwas andere Trainer: Der deutsche Tischtennisstar Timo Boll ist im Achtelfinale am Nigerianer Quadri Aruna gescheitert. Dessen Trainer kommt nicht aus Köln, sondern? Richtig: Soest. Martin Adomeit verfolgte das Duell am Fernseher, weil er aus finanziellen Gründen nicht nach Rio reiste. Er flippte zuhause aus. Und wir lernen: Deutsche starten nicht nur in der Dressur für Palästina, sondern sie trainieren auch Tischtennisspieler aus Nigeria. Nicht ausgeschlossen, dass die Olympiasiegerinnen im Synchronschwimmen aus Wanne-Eickel kommen, von einem Delfin aus Meuselwitz trainiert werden, jetzt aber für die Fidschis starten.

3. Die etwas andere Aussage: Unter Schwimmern ist die Skepsis groß. Der Franzose Camille Lacourt, der weder in Köln geboren wurde, noch in Köln lebt, noch einen Trainer aus Köln hat, griff nun den chinesischen Olympiasieger Sun Yang über 200 Meter Freistil wegen seiner Dopingvergangenheit hart an: „Sun Yang pinkelt lila. Wenn ich das Podium über 200 Meter Freistil sehe, will ich mich übergeben“, sagte Lacourt. Sagen wir mal so: Ein Diplomat wird Lacourt wohl nie – schon gar keiner, der Kontakte nach Palästina vermittelt.

4. Der etwas andere Erfinder: Mit einer Medaille klappt es für den deutschen Turner Marcel Nguyen (aus München, nicht aus Köln) diesmal wohl nicht, dafür darf er sich jetzt Erfinder nennen. Er kreierte ein neues Element am Barren, das nach dem Regelwerk zufolge seinen Namen tragen wird. Wir sagen: Herzlichen Glückwunsch – und sind ziemlich froh, dass Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und Simone Greiner-Petter-Memm keine Turnelemente erfunden haben.

5. Die etwas andere ewige Medaillenspiegel: Natürlich gibt es auch diese Statistik: der ewige Medaillenspiegel aller Sommerspiele. Angeführt wird er deutlich von den Amerikanern. Rekord-Olympionike Michael Phelps wäre in dieser Liste als Ein-Mann-Nation bei derzeit 19 Goldmedaillen – diese Meldung machte gestern die Runde – auf Rang 35 geführt. Noch vor Österreich (18) übrigens.

6. Das etwas andere Doping: Und damit nochmal zu Phelps. Der US-Schwimmer hat für sich legales Doping entdeckt – und deshalb ziemlich viele kreisrunde blaue Flecken am Körper. Er schröpft. Dabei werden Saugglocken an den Körper gedrückt, um ein punktuelles Vakuum zu erzeugen. Das soll Verklebungen der Muskulatur verhindern. Der Blick in den ewigen Medaillenspiegel zeigt: Es wirkt offenbar!

7. Die etwas anderen Hooligans: Hatten einen unrühmlichen Auftritt in Rio. Ausgerechnet beim weißen Sport prügelten zwei Tennisfans aus Argentinien und Brasilien aufeinander ein, bis die Nationalgarde einschritt. Die Sicherheitsdienste sind nun alarmiert und wollen angeblich aus Sorge vor Olympia-Hooligans vor allem bei Riskosportarten wie Dressurreiten und Synchronschwimmen stärkere Präsenz zeigen.

8. Die etwas andere Entlassung: Gab es in Italien infolge missratener Berichterstattung. Der Chefredakteur der Zeitung „Quotidiano Sportivo“ musste gehen, weil Bogenschützinnen als „Trio der Pummelchen“ bezeichnet wurden. Wir geloben: Das Wort „Pummel“ würde es bei uns nie, NIE in eine Überschrift schaffen. Wenn, dann höchstens durch eine technische Panne.

9. Der etwas andere Moment: Denn für Romantik muss Zeit sein – in Rio wie in dieser Rubrik. Die brasilianische Rugby-Spielerin Isadora Cerullo bekam nach der Siegerehrung einen Heiratsantrag ihrer Lebensgefährtin Marjorie Enya – mit einem roten Herz-Luftballon und einem Mikrofon auf dem Spielfeld. Das Publilkum jubelte, als die Antwort kam: Ja! Nicht bekannt ist, ob die Hochzeit in Köln stattfinden wird.

10. Der 1. FC Köln: Ist mit dem deutschen Fußball-Torhüter Timo Horn auch bei Olympia vertreten, legt aber sonst Wert auf die Feststellung, dass es Maskottchen Hennes, einen Geißbock, nicht freigibt zum Dressurreiten.

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