Bebra. Ballkids, übersetzt Ballkinder - so heißt der eingetragene Verein aus Dessau (Sachsen-Anhalt), der in dieser Woche zum zweiten Mal ein Handballcamp in Bebra veranstaltet. In der kommenden Woche wird Rotenburg Standort des nächsten Camps sein.
Organisator Marko Wallschläger nennt sein Projekt gern ein „Ferienlager mit Handball“. Eigentlich waren er und ein paar andere handballverrückte Enthusiasten vor neun Jahren angetreten, um ihre Sportart in Dessau und Umgebung durch gezielte Nachwuchsförderung voranzubringen. Mit den Camps beackert ballkids längst ein viel größeres Aufgabengebiet.
30 „Ballkinder“ toben durch die Bebraer Großsporthalle. Ihre Gesichter zeigen - sie haben Spaß. Karsten Bräunlich trainiert diese Gruppe, um die anderen 30 Teilnehmer kümmert sich derweil an anderer Stätte Wallschläger selbst.
„Die Kinder sind natürlich nicht alle auf dem gleichen Leistungsstand. Das berücksichtigen wir bei der Einteilung“, erzählt Bräunlich. „Wir achten darauf, dass wir Freunde möglichst nicht trennen.“
Der 28-Jährige spielte bis zu einer schweren Verletzung vor drei Jahren selbst Handball und besitzt die C-Lizenz. „Pässe, Abwehr, Konterverhalten, Wurfbild, richtiges Aufwärmen“ - das alles übt er mit seinen Schützlingen, die aus Iserlohn, Trier, Nidda, Kaufungen, aber auch aus Rotenburg und Bebra kommen.
Die meisten der 60 Camper, wie ballkids seine jungen Kunden nennt, übernachten im Rotenburger Jugendhof. Sobald die Bälle eingesammelt sind, dominiert der Ferienlagercharakter. „Wir gehen zusammen ins Kino, haben eine Disco gemacht mit der Wahl von Miss und Mister Rotenburg“, führt Coach Bräunlich Beispiele an.
Die Mischung kommt an. „Mir gefällt es richtig gut“, sagt Jasmin Döring, „letztes Jahr war ich in einem anderen Camp in Hamburg, das war nicht so toll.“ Die Zwölfjährige ist Torfrau des C-Jugend-Oberligisten SV Kaufungen 07 und genießt die Tage in Waldhessen: „Das Essen schmeckt, die Zimmer sind gut, und gelernt habe ich auch schon was.“ Nämlich flache Bälle besser zu halten. Jan Dobriczikowski war schon im vergangenen Jahr bei der Bebraer ballkids-Premiere dabei. Der Bebraner schläft zwar zu Hause, den Discoabend hat er sich aber trotzdem nicht entgehen lassen. Gut möglich, dass der Neunjährige künftig noch ein paar Tore mehr für die E-Jugend seiner JSG Rotenburg/Bebra erzielt. Denn er hat im Camp sein Wurfbild verbessert. „Früher habe ich mehr von der Seite her geworfen“, berichtet er und führt gleich vor, was er falsch gemacht hat. Jetzt ist die Ausholbewegung viel runder.
Manchmal müssen die Trainer bei den Camps nicht nur an den sportlichen Fertigkeiten der Kleinen feilen.
So ist diesmal ein Junge vom Heimweh übermannt worden. „Er wohnt nur 60 Kilometer entfernt, deshalb hat er dann die Nacht zu Hause verbracht“, erzählt Bräunlich, „am nächsten Tag war er aber wieder dabei und hat sich auch gut eingelebt.“ Sein Bettchen daheim bleibt jetzt leer.
Von Thomas Walger



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