Stellvertretend für viele Ehrenamtliche

Goldene Sportplakette an Günter Dithmar und Manfred Dörrbecker

Ehrungsfoto: Bürgermeister Jürgen Kaiser überreichte die Goldene Sportplakette an Manfred Dörrbecker und Günter Dithmar. Stadtverordnetenvorsteherin Petra Friedrich (von links) freut sich mit. Foto:  Koch, zvh

Kassel. „Diese Auszeichnung wird seltener vergeben als das Bundesverdienstkreuz, ist also etwas ganz Besonderes.“ Bürgermeister Jürgen Kaiser sagt das augenzwinkernd, aber wahrheitsgetreu.

Und Günter Dithmar (77) sowie Manfred Dörrbecker (58), denen er an diesem Tag die Goldene Sportplakette der Stadt Kassel überreicht, empfinden das auch so. Er habe feuchte Augen bekommen, als er von seiner Nominierung erfahren habe, gesteht Dithmar ein. Und auch Dörr-becker, dem das Bundesverdienstkreuz bereits angetragen wurde, ist der Stolz deutlich anzusehen, dass seine Heimatstadt sein langjähriges ehrenamtliches Wirken nun mit Ehrenurkunde, Medaille und Blumen (für die Frau) so würdigt.

„Wir sind sehr bewusst sparsam mit dieser Auszeichnung“, erklärt Kaiser. „Sie darf nicht inflationär vergeben werden, denn es muss sehr Besonderes geleistet werden, um so geehrt zu werden.“ Aber, so der Bürgermeister, er wisse sehr genau, dass selbst diese seltene Ehrung nur ein klein wenig Dank zurückgeben könne an Menschen, die viel Zeit, ihr Wissen und ihr Können einbringen für andere. „Ohne Ehrenamtliche wie Sie würde gerade im Sport vieles nicht funktionieren. Wir sind angewiesen auf Menschen wie Sie“, rief Kaiser Dithmar und Dörr-becker zu. Stellvertretend für viele andere, die in Vereinen und Verbänden den Sport und das Miteinander am Leben erhalten - ohne Ehrung.

Kopfnicken im Karree, wo kaum ein Gast der Feierstunde jünger ist als 40 Jahre, auch unter 50 sind nur sehr wenige. Die meisten von ihnen sind in die Jahre gekommene sportliche Dauerbrenner und selbst hoch dekoriert. Gleichwohl offenbart dieses Auditorium auch das enorme Problem der aktuellen Gesellschaft, auch in Kassel, junge Menschen für Engagements im Ehrenamt mit und für andere zu begeistern.

Günter Dithmar und Manfred Dörrbecker taugen da leicht als Vorbilder. Dithmar war neun, als er 1946 zum VfL Hessen ins Turnen kam. Er blieb sich und dem Sport treu im KSV Hessen und später in der KSV Auedamm, als Aktiver mit dem Hessischen Mannschaftstitel als größtem Erfolg, als Übungsleiter. Und: der Beamte in der Kämmerei der Stadt tat auch im Verein das, was er beherrscht: den Umgang mit den Finanzen. Bis heute ist er auch im Turngau Nordhessen verlässlicher Kassenwart und Geschäftsführer.

Dörrbeckers sportliche Vita begann mit zehn als Schwimmer in der TSG 87 Kassel-Niederzwehren. Dem Verein ist er nun seit 48 Jahren treu, dem aktiven Sport nicht. Beim KSV Hessen, dessen Abteilungsleiter er bis 1984 war, entdeckte er sich als Kampfrichter. 1992 war er bei der EM in Bern dabei und bei Olympia in Barcelona. Als Referent und Kämpfer gegen Doping trat Dörrbecker an, gab ein Intermezzo beim Eiskunstlauf, half beim Kassel-Marathon mit und fand schließlich eine neue berufliche Heimat als Geschäftsführer des Deutschen Boxsport-Verbandes mit Sitz in Kassel.

Bei Dörrbeckers Schlusswort gibt es dann noch einmal große Zustimmung im Saal: „Der Sport hat mir immer sehr viel gegeben.“

Hintergrund

Die Sportplakette der Stadt Kassel wird verliehen an Personen, die sich um das Sportleben der Stadt Kassel besondere Verdienste erworben haben. Meist schlagen Vereine oder Verbände die Personen vor, die Sportkommission prüft die Anfragen und schlägt sie dem Magistrat zur Entscheidung vor.

Die ersten Geehrten waren 1953 Dr. Max Danz (KSV Hessen), Mitbegründer und Vorsitzender des Deutschen Leichtathletik-Verbandes, und Fritz Bechmann, Vorsitzender der WVC und im Krieg von der SS verhaftete Stütze des Arbeitersports. Günter Dithmar und Manfred Dörrbecker sind nun die Geehrten 94 und 95.

Von Gerald Schaumburg

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