Vor dem Spiel gegen Kanada

Eishockey-WM: Co-Trainer und Ex-Husky Tobias Abstreiter im Interview

Die Zuversicht ist zurück: Tobias Rieder, Philipp Gogulla, Marcel Noebels, Marcus Kink und Marcel Goc (von links) hatten beim Siege gegen die Slowaken allen Grund zum Strahlen. Foto:  afp

Kassel. Wenn die Eishockey-Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in Russland auf dem Weg ins Viertelfinale heute (19.15 Uhr, Sport1 live) als krasser Außenseiter gegen Kanada antritt, dann ist auch der Ex-Kasseler Tobias Abstreiter dabei. Zeit für ein Interview mit dem Co-Trainer.

Sankt Petersburg im Frühsommer kurz vor den weißen Nächten, wie kann man da Lust auf Eishockey haben?

Tobias Abstreiter: Wer diesen Sport liebt, der hat immer Lust auf Eishockey. Aber natürlich ist die Stadt jetzt bei diesem Wetter der Wahnsinn. Das Flair, die Architektur, die Begeisterung über die WM - so etwas habe ich noch nicht oft erlebt. Aber all das gibt uns allen auch Kraft und Energie für den Sport.

Aber ist die Zarenstadt für das deutsche Team auch sportlich eine Reise wert?

Abstreiter: Absolut, bis jetzt ja. Und wir können aus unserer Ausgangslage ja auch noch viel erreichen, wir sind im Rennen ums Viertelfinale.

Wie also lautet die Zwischenbilanz nach drei Spielen?

Abstreiter: Gegen Frankreich, unseren Nachbarn in der Weltrangliste, war es schwer, zumal das erste Spiel eines Turniers nie leicht ist. Und die Niederlage tut auch heute noch weh. Aber das Gute ist, dass wir danach sechs weitere Spiele haben, den Punktverlust wettzumachen. Gegen Weltklasse-Finnen konnte das nicht klappen, aber das 5:1 gegen die Slowaken hat den Plop gebracht und macht jetzt viel Lust auf mehr.

War dieser erste Sieg also der Durchbruch zum Guten?

Abstreiter: Hoffentlich können wir diese gute Leistung jetzt bestätigen und wiederholen. Gegen Kanada geht es um ein gutes Ergebnis, wir wollen es dem großen Favoriten so schwer machen wie nur möglich. Und, egal wie die Partie ausgeht, wir wollen weiteres Selbstvertrauen tanken für die nachfolgenden Spiele gegen die anderen Teams auf Augenhöhe. Wenn es ums Weiterkommen geht.

Wird NHL-Torwart Thomas Greiss von den New York Islanders gegen Kanada schon spielen?

Abstreiter: Derzeit sieht es eher nicht so aus, weil es Probleme mit dem Visum gab und er aus Nordamerika später ankommen wird als geplant.

Wurde die Marschroute für diese WM eigentlich am legendären Landshuter Eishockey-Stammtisch im Augustiner festgelegt?

Tobias Abstreiter

Abstreiter (lacht): Nein, da haben wir auch noch ganz andere Themen. Aber es stimmt schon: Bundestrainer Marco Sturm, Torwartcoach Christian Künast und ich als Co-Trainer, wir kennen uns schon ewig und waren auch schon gemeinsam Nationalspieler. Es ist gut, den Partner gut zu kennen, das erleichtert das Arbeiten und Verstehen. Und es sind ja auch aus Landshut stammende Spieler dabei wie Tobi Rieder, dessen Vater den Bus des EVL fährt, sowie Gerrit Fauser, dessen Stiefvater Franz Steer allerdings Trainer in Rosenheim ist.

Wie erleben Sie die WM-Feuertaufe ihres alten Spezl Sturm als Bundestrainer?

Abstreiter: Großartig, das ist für mich eine tolle Erfahrung, Teil eines super Teams zu sein. Ein Jahr vor der WM im eigenen Land ist Marco absolut der richtige Mann am rechten Fleck. Er ist unbestritten der Leader, zu ihm blicken alle Spieler auf. Sein Umgang mit den Jungs ist top, er denkt immer positiv und ist doch absolut gradlinig. Er erklärt sein Tun, seine Vorgaben und Entscheidungen sind nachvollziehbar. Immer. Auch wenn sie für einzelne Leute auch schon mal knallhart sind.

Wann wird ihr Sohn Leon, der in ihrer Huskies-Zeit auf Kasseler Eis mit dem Eishockey begann, im Nationaltrikot auflaufen?

Abstreiter: Der Leon ist jetzt 18, er nimmt nun erst einmal die ersten Gehversuche im Männerbereich ins Visier. Er wird mit seinem Onkel Peter (35) die nächste Saison im Landshuter Oberliga-Team bestreiten. Und dann sehen wir weiter.

Zur Person: Tobias Abstreiter (45) hat als Mittelstürmer von 1986 bis 2008 insgesamt 988 Erstliga-Spiele bestritten - davon 676 in der DEL und 473 für die Kassel Huskies (1998 - 2006), deren Kapitän er auch einige Jahre war. „Käpt’n Tobi“ trug 312 Mal das Trikot der Nationalmannschaft. Dort wie bei der Düsseldorfer EG ist der Landshuter nun Co-Trainer. Mit Ehefrau Lilja sowie den Söhnen Leon und Jona lebte er einst in Kassel-Niederzwehren. Abstreiters Bruder Peter (35) ist noch in Landshut aktiv, sein Schwager und einstiger Mitspieler Günter Oswald (46) ist Spielerberater.

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