Twistesee/Wetterburg. 30 Jahre Waldmarathon in Bad Arolsen: Am Pfingstsamstag, 11. Juni, feiert das Sportereignis schlechthin am Twistsee ein Jubiläum – und das nicht wie seit Jahren gewohnt im kalten oder nebeligen Herbst und Winter, sondern bei gänzlich anderen Bedingungen mit Sonnenschein und wahrscheinlich heißen Temperaturen.
„Das ist auch für mich ein besonderes Erlebnis und eine große Herausforderung, den Marathon zu dieser Jahreszeit zu machen“, sagt Heinrich Kuhaupt. Der Name des Wetterburgers ist untrennbar mit dem Ausdauersportzentrum Bad Arolsen und dem Advent-Waldmarathon verbunden, der nun in seiner 30. Auflage mal auf den Zusatz Advent verzichten muss.
SCHATTIGER KURS
Die ungewohnte Jahreszeit und auch, dass neben dem klassischen Marathon dieses Mal ein Halbmarathon angeboten wird, soll den Läufern und Läuferinnen Ansporn sein, den See und die Natur einmal anders zu erleben. „Wir bieten einen sehr schattigen Kurs. 80 Prozent der Strecke führen durch den Wald“, erläutert Heinrich Kuhaupt. Der 70-Jährige, der selbst etwa 40 Marathonläufe in den Beinen hat, möchte auch die vielen Halbmarathonläufer ansprechen, die jüngst beim Kasseler Stadtmarathon an den Start gingen.
Der Waldmarathon wolle bewusst etwas anderes als die in der Vergangenheit inflationär gewordenen Stadtvarian- ten es bieten. Seinen vielen Laufgästen aus ganz Deutschland etwas zu ermöglichen, was das stadtmüde Läuferherz höher schlagen lässt, das ist eine Intention von Heinrich Kuhaupt.
GESUNDHEITSFÖRDERND
„Laufen muss gesundheitsfördernd sein“, führt Kuhaupt aus, „es muss sichergestellt sein, dass die Belastung sich nicht nachteilig auf die Gesundheit auswirkt.“ Mit seiner langjährigen Erfahrung weiß er mittlerweile, was die Aktiven benötigen. Natürlich kennt er den Marathonsport auch als ehrgeiziger und ambitionierter Läufer in- und auswendig. Selbst ist er fünf Mal die Distanz unter 2:30 Stunden gelaufen.
Steigungen gebe es für den bevorstehenden Lauf nur auf dem ersten Drittel der Strecke zu bewältigen, berichtet Kuhaupt. „Das sind etwa 80 Höhenmeter.“ Danach gehe es flach weiter bis Kilometer 14 zur Waldschmiede, von da ab führe der Kurs leicht abfallend dem Ziel entgegen.
Das Besondere am Arolser Waldmarathon ist, dass er von einem organisiert wird, der ein absoluter Experte in Sachen Marathon ist. „Erst wenn man die Materie auch selbst beherrscht, kann man eine solche Angelegenheit zur Zufriedenheit der Läufer ausrichten“, betont Kuhaupt. Eigentlich eine Binsenweisheit.
TREUE HELFER
Natürlich braucht auch Kuhaupt Hilfe. Und die findet er einerseits in den treuen Helfern des Lauftreffs, aber natürlich auch bei seiner gleichaltrigen Ehefrau Ingrid. Sie ist voll in die Organisationsarbeit eingebunden.
Das anstehende Jubiläum ist für Kuhaupt aber auch Anlass, zurück zu blicken. „Wir ziehen Bilanz, und da bin ich nach 35 Jahren Arbeit sehr stolz auf das Geschaffene“, berichtet Kuhaupt und fügt hinzu: „Die Veranstaltung ist von uns richtig hart erarbeitet worden.“
WIE EIN TRAUM
Der Name Heinrich Kuhaupt hat Gewicht in Läuferkreisen. Das belegen unzählige Artikel aus Fachpublikationen. Vom „Familienbetrieb Bad Arolsen“ wurde dort geschrieben; „Landschaftslauf handgemacht“ titelte die Runners World. Spiridon etwa widmete dem Waldmarathon eine Titelseite zur Grenzöffnung, als die ersten Läufer von drüben schon in Bad Arolsen starteten. Oder das Geo-Magazin berichtete mit einer großen Reportage. „Es war für mich manchmal auch wie ein Traum“, blickt Kuhaupt zufrieden zurück auf die medialen Wellen, die sein Marathon bundesweit oder sogar bis nach New York und in alle Welt schlug.
BRUDER KARLS IDEE
1981, zur gleichen Zeit wie damals der Frankfurt-Höchst-Marathon, fing es am Twistesee an. „In Frankfurt haben sie bis heute sechs Mal den Veranstalter gewechselt und mindestens zehn Mal den Sponsor. Ich mache das jetzt 30 Jahre lang“, erzählt Kuhaupt, der zweimal deutscher Vizemeister im Berglauf war. Die Kontinuität spricht für ihn. Der Seiteneinsteiger – Kuhaupt: „Ich kam vom Handball“ – erinnert an seinen verstorbenen Bruder Karl, der als Stadtrat einst die Idee hatte, Arolsen zu einem Läuferparadies zu machen. Später waren die Belgier mit Kommandant Jeff Schoups eine große Hilfe, bevor sie 1995 abgezogen wurden.
„Ich bin nicht der Diplomat“, sagt Kuhaupt heute durchaus selbstkritisch, auch bemüht, so manche Enttäuschung über nicht mehr vorhandene Unterstützung für seinen Marathon wegzustecken. „Man ist Exot“, meint Kuhaupt und fügt gleich an: „Der Prophet gilt nichts im eigenen Land.“
HERZ HAT GEBLUTET
Als er den Marathon im letzten Jahr absagen musste, „hat mir das Herz geblutet“. Doch es musste ja weiter gehen mit dem Marathon. Und so hat sich Heinrich Kuhaupt mit seinen 70 Jahren der neuen Herausforderung gestellt, der 30. Auflage an Pfingsten. Die Teilnehmer jedenfalls können sich sicher sein: Wie in all den Jahren zuvor werden sich die beiden „Heinrich als Läufer, und Heinrich als Veranstalter“ wieder „gegenseitig befruchten“.
Von Hans Dreier



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