Kassel. „Ich habe schon damit gerechnet, weiter vorn zu sein, aber gleich viermal, das nicht“, sagt Clara Sophie Friedrich aus Vellmar. Die 12-Jährige hat bei der Deutschen Leichtathletik-Hallenmeisterschaft der Gehörlosen in Mannheim in allen Disziplinen gewonnen. Im 60-Meter-Sprint (8,61 Sekunden) und im Weitsprung (4,57 m) erreichte sie sogar die Hallenbestleistung für Gehörlose ihrer Altersklasse, Kugelstoßen (8,48 m) und Hochsprung (1,28 m) ergänzten das Programm.

Oben auf: Clara Sophie Friedrich aus Vellmar hat bei der Deutschen Gehörlosen-Leichtathletik-Hallenmeisterschaft alle Disziplinen gewonnen. Kugelstoßen kann sie besonders gut. Foto: Socher
Clara geht in die sechste Klasse der Ahnatal-Schule in Vellmar und trainiert seit zwei Jahren mehrmals in der Woche beim LAV und in der Talentfördergruppe. Sie trägt zwei Implantate, die ihre Hörschwäche gut ausgleichen.
Clara hat sich gefreut, bei der Deutschen Meisterschaft auch mal andere gehörlose Mädchen ihres Alters kennenzulernen. „Sie hat manchmal fast den Start verpasst, vor lauter neuen Bekanntschaften“, erzählt Mutter Michaela Krug.
Für die Wettkämpfe in Mannheim musste Clara ihre Hörhilfen rausnehmen. „Es war ein bisschen komisch“, erzählt sie, aber ihrer Leistung scheint es nicht geschadet zu haben. Gebärdensprache beherrscht die junge Athletin nicht, aber sie konnte sich auch so gut verständigen.
Die Idee zur Teilnahme an der Meisterschaft hatte Mutter Michaela. Im Internet fand sie den Termin auf der Seite des Deutschen Gehörlosen-Sportverbandes. Nach einer E-Mail an die Leichtathletik-Sparte übernahm der Gehörlosen-Sportverein in Kassel alle Formalitäten für die sehr kurzfristige Anmeldung. „Die haben sich da sehr reingehängt“, freut sich Michaela Krug über die Unterstützung.
Zur Leichtathletik ist Clara über ihren Sportlehrer in der Grundschule Obervellmar gekommen. „Er hat uns über Monate gedrängt, und ich habe immer ‘Nein’ gesagt, denn mit einem Pony und vielen anderen Terminen war Clara damals ausgelastet“, wie die Mutter erzählt. Aber schließlich gab sie nach. „Alles richtig gemacht“, sagt Lehrer Körschgen seitdem, wenn er sie sieht.
Und Clara sieht das genauso. Aber auch wenn ihr Ergebnis nicht so gut ausgefallen wäre, hätte das ihren Spaß am Sport nicht getrübt: „Ich hätte so oder so weitergemacht“, sagt sie und hat bereits die nächste Deutsche Freiluftmeisterschaft im Juni in Köln im Kopf.
Von Tilman Sanner



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