Interview: Hochspringerin Ariane Friedrich über die Rückkehr, Tochter Amy und den Traum von Olympia in Rio

„Ich genieße jetzt beide Leben“

Eltern einer Tochter: Ariane Friedrich und Bob-Olympiasieger André Lange. Amy halten sie aus der Öffentlichkeit heraus. Foto: dpa

Kassel. Sie war die Nummer eins des deutschen Hochsprungs – und nach zweieinhalb Jahren Wettkampfpause hat sie sich nun zurückgemeldet: Ariane Friedrich, die im nordhessischen Helsa-St.Ottilien aufgewachsen ist. Nach der Geburt von Tochter Amy im September 2014, einem Achillessehnenriss und einer Knie-Operation heißt das große Ziel: Teilnahme an den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro. Im Interview spricht die 32-Jährige über ihre Rückkehr.

Frau Friedrich, Sie könnten entspannt Ihr Leben als Mama genießen – warum tun Sie sich den Leistungssport noch mal an?

Ariane Friedrich: Ich genieße jetzt beide Leben. Das eine schließt das andere ja nicht aus. Ich wollte noch mal zurück in den großen Zirkus. Die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Rio ist mein großes Ziel. Das ist die größte Motivation.

Wann ist dieser Gedanke entstanden?

Friedrich: Der hat sich schon während der Schwangerschaft verfestigt. Ich habe gemerkt, ich will zurück. Ich hatte eine verletzungsbedingte Zwangspause von sechs Monaten. Es war schwer, so lange stillzuhalten. Dann kam die Schwangerschaft, das war ganz toll. Letztlich hat mir diese Zeit die nötigen Reserven gegeben.

Was waren die größten Hindernisse auf dem Weg zurück?

Friedrich: Da gibt es viele Punkte. Wir müssen den Alltag mit unserer Tochter organisieren. Seitdem Amy in den Kindergarten geht, ist es schwieriger geworden, weil manches einfach unbeständiger ist. Wir wissen beispielsweise nicht, ob sie vielleicht mal krank wird. Denn eins geht ganz klar vor: ihre Gesundheit.

Und für Sie ganz persönlich?

Friedrich: Die größte Herausforderung war sicherlich: Ich war unfassbar unfit. Ich bin während der Schwangerschaft sehr schwer geworden. Auch die Athletik musste ich erst wieder aufbauen. Hinzu kam der Kampf gegen die eigene Psyche: den Kopf auszuschalten und sich nicht permanent Druck zu machen.

Wie hat sich die Sportlerin Ariane Friedrich durch Amy verändert?

Friedrich: Amy hat keinen Einfluss auf mich als Wettkampfperson, wohl aber privat.

Inwiefern?

Friedrich: Ich bewerte viele Dinge im Alltag anders. Ich freue mich darüber, dass wir alle gesund und munter sind und über jeden kleinen Schritt, den Amy macht. Es sind die banalen Dinge, die ich jetzt viel mehr zu schätzen weiß. Sie ist gesund. Das ist ein Luxus, den darf man nicht unterschätzen.

Wie sieht denn Ihr Alltag mit dem Spagat zwischen dem Leben als Mutter und Leistungssport aus?

Friedrich: Wir frühstücken zusammen. Dann bringe ich Amy in die Krippe, trainiere. Nachmittags spielen wir zusammen, abends bringen wir sie ins Bett. Wenn man es sich einteilt, klappt das.

Fährt Amy mit zu Ihren Wettkämpfen?

Friedrich: Das versuche ich in der Regel zu vermeiden. Dann kümmert sich ausschließlich mein Partner um sie. Denn wenn sie dabei ist, bin ich mehr Mutter als Sportlerin. Wenn ich sie beispielsweise weinen höre, möchte ich mich um mein Kind kümmern und nicht um den Wettkampf.

Die Hessischen Meisterschaften in Frankfurt waren Ihr erster Wettkampf. Waren Sie nervös?

Friedrich: Ein wenig, aber auch freudig angespannt. Ich habe 31 Monate keinen Wettkampf gemacht. Es war toll, endlich wieder dabei zu sein.

Was haben Sie denn besonders vermisst?

Friedrich: Den Wettbewerb. Ich brauche Wettkämpfe, um wieder Leistungen zu bringen. Training allein reicht da nicht. Und in der Zwischenzeit hat sich auch Marie-Laurence Jungfleisch super entwickelt.

Kitzelt es Sie besonders, dass in Jungfleisch eine starke Konkurrentin da ist?

Friedrich: Sie ist derzeit ein Stück weg. Ich muss erst mal die Lücke schließen. Sie ist bei der WM 1,99 Meter gesprungen. Und bei mir reden wir erst mal über die Olympia-Norm.

Die liegt bei 1,94 Meter. Sie sind in Frankfurt 1,87 Meter, beim Meeting in Cottbus jetzt 1,88 m gesprungen. Wie schnell lässt sich diese Lücke schließen?

Friedrich: Die Norm für Rio ist um einen Zentimeter herabgesetzt worden. Wir reden also über fünf Zentimeter. Mir fehlt noch die technische Konstanz. Daran müssen wir arbeiten.

Der nächste große Wettkampf sind die Deutschen Hallenmeisterschaften in Leipzig Ende Februar. Was ist da drin?

Friedrich: Ich möchte aufs Podium, gern mit einer Höhe von über 1,90 Meter. Das ist mein Leistungsanspruch. In Leipzig kann man sehr gut springen, das weiß ich.

Und dann folgt in der Reihe der Großereignisse im Juni die Deutsche Meisterschaft im Kasseler Auestadion.

Friedrich: Ja. In meinem Haus- und Hofstadion sozusagen. Ich habe dort mit sieben, acht Jahren meinen ersten Wettkampf gemacht und in den Jahren danach unglaublich viele weitere. Ich habe dort gewonnen, aber auch die eine oder andere bittere Niederlage kassiert. Ich bin dort groß geworden. Das ist meine Heimat. Am besten springe ich die 1,93 m Meter für Rio vorher, aber es wäre sonst ein Traum, die Olympia-Norm in Kassel zu knacken. Denn ich glaube fest daran, dass ich das schaffe.

Von Michaela Streuff

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