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Leidenschaft Football – Der gehörlose Marc Hoffmann spielt bei den Kassel Titans

„Bloß keine Extrawurst“

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Kassel. Die Turnhalle bebt, während das Team auf der Stelle trippelt. Dann ein schriller Pfiff vom Trainer, und die Truppe geht zu Boden in den Liegestütz. Für die Jugendmannschaft der Kassel Titans steht Konditionstraining auf der Tagesordnung.

Beim American Football ist voller Körpereinsatz gefragt – auch im Training: Marc Hoffmann trägt den Ball und versucht sich gegen Verteidiger Tobias Söhne durchzusetzen. Fotos: Herzog

Marc Hoffmann schwitzt wie seine Kollegen, die Haare kleben an der Stirn und hängen halb über den Augen. Wieder schrillt die Pfeife, und die Jungs springen zeitgleich auf. Auch Marc. Was kaum auffällt: Der Trainer hat parallel zum Pfiff auf den ovalen Ball in seiner Hand getippt. Das Zeichen für Marc. Der 16-Jährige ist gehörlos.

Seit November steht er im Team der Titans, und „er wird zu Saisonbeginn im Mai zum Stamm gehören“, sagt Trainer Hendrik Koch. Marc bringe alles mit, was ein American Footballer braucht. Athletik, Konzentrationsfähigkeit sowie taktisches Verständnis. Er sei prädestiniert für die Position des Running Back. Jener Spieler, der mit dem Ball in der Hand versucht, sich seinen Weg durch die gegnerische Abwehr zu tanken.

Für diesen Knochenjob bedarf es breiter Schultern. Und die hat das Kraftpaket. Mit Hand und Fingern gibt Marc seinem Teamgefährten unterschiedliche Zeichen. Thorsten Poschkamp übersetzt die Gebärden: „American Football wollte ich schon immer spielen. Meine Eltern haben es mir erst jetzt mit 16 erlaubt.“ Früher habe er es mit Fußball in einem Gehörlosen-Team versucht. Viel Leerlauf, zu langweilig, lautet sein Urteil.

Seit seiner Geburt lebt er mit der Behinderung. Ein bisschen kann er von den Lippen ablesen. Ansonsten hilft die Gebärdensprache. „Wir verständigen uns mit Händen und Füßen“, sagt Koch. Viele Übungen, vor allem die Laufwege in der Verteidigung, signalisiert Thorsten. Und für die Offensive gibt es vorgezeichnete Spielzüge. Die sollte ohnehin jeder beherrschen.

Der Quarterback, das ist der Passgeber, sagt beim Angriff einen Spielzug an. Für Marc zieht er eine Folie aus dem Ärmel und tippt auf die entsprechende Nummer. So einfach ist das.

„Alles kein Problem“, meint Marc, der die Hermann-Schafft-Schule für Gehörlose in Homberg besucht. „Die Verständigung mit den anderen funktioniert. Ich habe mich mit meiner Situation abgefunden. Ich kenne sie ja nicht anders.“ In der Mannschaft ist er bestens integriert. Und was das Sportliche anbelangt, gibt es keine Sonderbehandlung. „Das will ich auch nicht. Bloß keine Extrawurst.“ Das Schlimmste sei, in Watte gepackt zu werden.

In dieser Hinsicht hat er sich schon mal die passende Sportart ausgesucht. Er steht auf den Körperkontakt, und er mag die vielen Varianten des Spiels sowie die konditionelle Herausforderung. Angst vor Verletzungen hat Marc nicht. „Meine Eltern schon.“ Er muss grinsen, während er diesen Satz mit den Händen formt.

Anders als bei anderen Sportarten läuft beim American Football während eines Spiels wenig auf Zuruf, die Laufwege sind einstudiert. Eine Aktion beginnt erst dann, sobald der ovale Ball bewegt wird. Es kommt also auf die Augen an – und nicht auf die Ohren.

Von Robin Lipke

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