Die kranke Fußball-Liga

Blick auf die Regionalliga

Die kranke Fußball-Liga

928.04.1028.04.10|mehr Regionalsport|3 Kommentare
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Kassel. Der Vorschlag von Jens Rose, Klubchef des KSV Hessen Kassel, innerhalb der Fußball-Regionalliga eine Gruppe für Traditionsvereine zu schaffen, wird heftig diskutiert. Wir werfen einen Blick auf die Regionalliga, die sich immer mehr als kranke Fußball-Liga entpuppt.

Die kranke Fußball-Liga

Wieviel Zuschauer besuchen eigentlich die Regionalliga-Spiele?

Im August 2009 gab es ein Spiel zwischen Schalkes reserve und Rot-Weiß Essen, das sahen über 16 000 Zuschauer. Bisheriger Rekord in der neuen vierten Liga. Ohnehin sind es nur die Traditionsvereine, die für halbwegs erträgliche Statistiken sorgen. In der Saison 2008/09 war der KSV Hessen Kassel in der Südgruppe mit 4282 Zuschauern im Schnitt der deutlich führende Verein. Insgesamt lagen nur acht Klubs im vierstelligen Bereich. Die Reserve-Teams will kaum jemanden sehen. Beispiele aus der Vorsaison: Greuther Fürth 210 Zuschauer, Unterhaching 254, Freiburg 258, Wehen-Wiesbaden 302. Allerdings ist das mangelnde Interesse bei den zweiten Mannschaften zumindest finanziell kein Problem: ihr Etat geht in dem der ersten Mannschaft auf.

Welche Auflagen werden den Vereinen gemacht? 

Kleinere Vereine, die sich für die Regionalliga bewerben, müssen zunächst erstmal kräftig investieren. Grundvoraussetzung: Ein richtiges Stadion muss her. Mindestkapazität: 5000 Zuschauer. Dazu kommen Flutlicht, ein Doping-raum, Plätze für Presse, Sicherheitskonzept. Allerdings wird den Klubs eine Übergangsfrist gewährt. Es muss also nicht alles sofort zur Verfügung stehen.

Wieviel Fernsehgeld wird an die Klubs ausgeschüttet?

Das ist nicht der Rede wert. Pro Saison bekommt ein Regionalligist nur 130 000 Euro, im kommenden Jahr sogar nur noch 100 000. Im Gründungsjahr waren es noch 170 000. Zum Vergleich: Eine Liga höher werden immerhin 800 000 Euro an die Vereine ausgeschüttet.

Wie groß sind die finanziellen Probleme in den Ligen?

In der Süd-Gruppe ist der SSV Reutlingen in die Insolvenz gegangen und steht als erster Absteiger fest. Eintracht Bamberg schlug im Februar Alarm, sprach von 300 000 Euro kurzfristiger Schulden und fehlenden Einnahmen. Der Bonner SC kann seit Monaten seine Gehälter kaum noch zahlen. TeBe Berlin kämpft mit finanziellen Problemen. Nachrichten wie diese gibt es aus der vierten Liga noch und nöcher. Mannheim, Darmstadt, Leipzig - die Zahl der Mannschaften, die in den letzten Jahren ums Überleben kämpfte, ist groß. Die durchschnittlichen Verbindlichkeiten der Klubs in allen drei Staffeln betrugen Ende des vergangenen Jahres 2,2 Millionen Euro. Hierbei handelt es sich um Kurz-, Mittel- und Langfristschulden. Die Daten sind dem Saisonreport des DFB zu entnehmen.

Wieviele Pleiten gab es bereits in der neuen Regionalliga?

Zwei. In der ersten Saison war davon Sachsen Leipzig aus der Regionallliga Nord betroffen, nun ist es der SSV Reutlingen (Regionalliga Süd). Im Süden hatte Viktoria Aschaffenburg im vergangenen Jahr die Notbremse gezogen, indem sich der Klub freiwillig in die Hessenliga zurückzog. Kurz vor der Pleite stand auch Großbardorf. Dieser Klub stieg dann aber auch sportlich ab.

Wollen die Oberligisten überhaupt in die Regionalliga?

Ein großer Teil hat keine Ambitionen. Beispiel: KSV Baunatal. Das Team kickte in den letzten beiden Jahren in der Hessenliga oben mit, der Klub hatte aber zum Saisonfinale immer mitgeteilt, dass ein Aufstieg aus finanziellen Gründen nicht machbar sei. Das gilt auch für Waldgirmes. Der Verein wurde im vergangenen Jahr Hessenmeister, verzichtete aber auf den Aufstieg. Stadion, Flutlicht - nichts war vorhanden. Es rückte damals Bayern Alzenau als Vizemeister nach. Alzenau war der einzige Verein der Hessenliga, der eine Lizenz beantragt hatte. In diesem Jahr führt der FSV Frankfurt II die Tabelle an. Das Reserveteam soll auch aufsteigen, sofern die Profis den Klassenerhalt in der zweiten Bundesliga schaffen. Sollte dies den Berufskickern nicht gelingen, dann gäbe es in Hessen keinen Aufsteiger, da alle anderen führenden Teams sich verweigern. In diesem Fall dürfte - bezogen auf den Süden - Bayern oder Baden-Württemberg einen zusätzlichen Aufsteiger ins Rennen schicken.

Wieviele zweite Teams sind in den Staffeln vertreten?

Die meisten zweiten Mannschaften kicken im Westen mit, nämlich acht. In der Regionalliga Süd sind sieben Reserveteams vertreten, im Norden fünf.

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